Listen


Banner, 120 x 600, mit Claim

The Veils - Sun gangs

The Veils- Sun gangs

Rough Trade / Beggars / Indigo
VÖ: 24.04.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Fiat lux!

Es muss herrlich sein, von Finn Andrews die kalte Schulter gezeigt zu bekommen. Nicht nur, weil man angesichts seines bisherigen musikalischen Schaffens einen angemessen melodramatischen Akt erwarten darf. Sondern auch, weil er bei dieser Gelegenheit eine tätowierte Weisheit preisgeben wird: Res ipsa loquitur. Die Sache spricht für sich selbst. Wer mit 16 die Schule schmeißt, scheint einen besonderen Hang zur Gelehrtensprache zu haben - wie sonst ist es zu erklären, dass Andrews das zweite Album seiner Band The Veils ausgerechnet "Nux vomica" nannte? Und er ist mit seinem Latein noch lange nicht am Ende: "Sol omnibus lucet" ließ er in das Booklet von "Sun gangs" drucken. Die Sonne scheint für alle. Das kann de facto natürlich nicht sein Ernst sein. Denn auch auf dem neuesten Werk des neuseeländisch-britisch-deutschen Quartetts illuminiert allerhöchstens der Mond das Firmament, während Andrews das macht, was er am besten kann: leiden, ohne zu klagen. Theatralisch bebend, stets zum emotionalen Exzess bereit, mitternachtsblau und brokatschwer.

Nihil novi sub luna? Nichts Neues unter dem Mond also? Oh doch: Das dritte Album der Veils ist tatsächlich ihr interessantestes geworden. Obwohl, oder gerade weil man sich hier und da seinen Weg mit Nachtsichtgerät und Machete bahnen muss. Zum Beispiel durch das sensationell aufgekratzte "Killed by the boom", mit seinen tollwütigen Gitarren, dem hyperaktiven Schlagzeug und einem äußerst echauffierten Finn Andrews, dessen stimmbandgefährdender Tonfall nur eines bedeuten kann: Noli me tangere. Rühr mich nicht an. Als ähnlich auffällig erweist sich das achteinhalbminütige "Larkspur" - zum einen wegen seiner Überlänge, zum anderen wegen seiner hypnotischen Psychedelik. Hat man jemals zuvor in einem Veils-Song derart potente Stammestanz-Percussion und weltraumdurchmessende, halluzinogene Klänge gehört? Andrews würde jetzt vermutlich sagen: Nihil fit sine causa. Nichts geschieht ohne Grund. Und dann würde er darauf hinweisen, dass die Band ein halbes Jahr lang in einer Garage in Oklahoma lebte und im Studio der Flaming Lips Demos aufnahm. Offenbar eine bewusstseinserweiternde Erfahrung.

Zurück in London, hieß es feierlich "Alea iacta est!" - und die Würfel fielen auf Graham Sutton (Jarvis Cocker, British Sea Power), der mit der verantwortungsvollen Aufgabe betraut wurde, neun von zehn Songs in Form zu bringen. In studio veritas. Ganz carpe-diem-mäßig wurden auch ein paar Gäste eingeladen, unter ihnen Ed Harcourt an der Hammond-Orgel und ein Rudel Mandolinen, das "Three sisters" in Ekstase versetzen durfte. Trotz neu entdeckter Experimentierfreude, hat "Sun gangs" mindestens drei Hits zu bieten, die völlig ohne Beschnuppern und Beipackzettel funktionieren: "The house she lived in", möbliert mit einem Piano im Doo-Wop-Modus, "The letter" mit leicht orientalisch anmutendem Gitarrenmotiv auf der Sondermarke und ein bisschen Starsailor im post scriptum, und vor allem das wunderbar lodernde "Sit down by the fire" - produziert von Bernard Butler, der bereits bei "The runaway found" Hand angelegt hatte. Finis coronat opus. Das Ende krönt das Werk. Zumindest tut Andrews zum Finale so, als wären wir ganz inter nos. Nur ein Klavier und seine dieses Mal ungewöhnlich entspannt klingende Stimme. Nebenbei kann man lässig den Stift zücken und auf der letzten Seite des "Sun gangs"-Booklets eine wichtige Ergänzung vornehmen. Bitte in Schönschrift: Vivat, crescat, floreat! Es möge leben, wachsen und blühen!

(Ina Simone Mautz)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen bei Amazon / JPC

Highlights

  • Sit down by the fire
  • The letter
  • The house she lived in

Tracklist

  1. Sit down by the fire
  2. Sun gangs
  3. The letter
  4. Killed by the boom
  5. It hits deep
  6. Three sisters
  7. The house she lived in
  8. Scarecrow
  9. Larkspur
  10. Begin again

Gesamtspielzeit: 41:08 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread

Um Nachrichten zu posten, musst Du Dich hier einloggen.

Du bist noch nicht registriert? Das kannst Du hier schnell erledigen. Oder noch einfacher:

Du kannst auch hier eine Nachricht erfassen und erhältst dann in einem weiteren Schritt direkt die Möglichkeit, Dich zu registrieren.
Benutzername:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Gordon Fraser
2010-11-19 13:44:05 Uhr
The Veils EP Progress Blog

No posts.

http://veilsep.blogspot.com/


Mmmh, ob da irgendwann noch was kommt?
Gordon Fraser
2009-06-09 11:47:45 Uhr
Setlist vom Konzert gestern:

Three Sisters
The Letter
Calliope!
Pan
The House She Lived In
Advice For Young Mothers To Be
Jesus For The Jugular
Not Yet
Larkspur
---
Lavinia (Finn solo)
Guiding Light (Finn solo)
---
Sit Down By The Fire
Nux Vomica

Sehr schön strukturierter Auftritt, wobei die etwas brachialeren Nummern überwiegt haben. War der letzte Abend der Tour und zugleich der letzte Auftritt mit Henning Dietz als Drummer. Ein paar mehr Songs von "The Runaway Found" wären schick gewesen, aber die will Finn Andrews offensichtlich nicht mit seiner neuen Band spielen. Er war übrigens nicht so kauzig, wie das von früheren Konzerten berichtet wurde.

Gordon Fraser
2009-06-03 20:36:51 Uhr
Am Sonntag endlich live in Berlin, so alles klappt.

"Sun Gangs" ist tatsächlich das schwächste Album der Veils bis dato, was aber angesichts des unsterblichen Debüts und des großartigen Zweitwerks nicht so verwunderlich ist.

Für 7,5/10 reicht es trotzdem noch.
Blanket Skies
2009-03-12 20:12:14 Uhr
ich finde das einige songs unfertig wirken. es manche hören einfach auf und man hat vergeblich auf n emotionales ende oder ne rockende bridge gewartet. trotzdem sind einige songs ziemlich cool. ich vermisse aber dennoch die abwechslung von nux und runaway
Gordon Fraser
2009-03-02 12:24:53 Uhr
Auf jeden Fall eher ein neues "Nux Vomica" als ein neues "The Runaway Found" und somit Konstanz auf hohem Niveau.

Das Johnossi-Gedächtnis-Coverartwork hätte man sich allerdings schenken können.
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify