Jeniferever - Spring tides

Jeniferever- Spring tides

Monotreme / Cargo
VÖ: 09.04.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Volle Kraft voraus

Vier Leute aus Uppsala in Schweden spielen Songs, die mit einer Ausnahme allesamt länger als fünf Minuten dauern. Da ist es für den Rezensenten ausnahmsweise angebracht, sich in den Sätzen kurz zu halten. Als Kontrapunkt zur Musik. Das Quartett heißt Jeniferever und übt sich das ein oder andere Mal in Nostalgie, ohne pathetisch Trübsal zu blasen. Das zweite Album der Skandinavier "Spring tides" wartet mit einer melodischen Melange aus Dreampop und Postrock auf. Diese "Spring tides" sind aber keine Sturmfluten, wie sie Hamburg 1962 erlebt hat und von Helmut Schmidt im perfekten Katastrophenmanagement gemeistert wurden. Sie bauen sich vielmehr behutsam auf und offenbaren ihre volle Wucht oft erst nach ein paar Minuten.

Das fast alles überragende Schlagzeugspiel von Fredrik Aspelin fällt wie schon auf dem Debüt "Choose a bright morning light" auf. Die Band lässt hingegen verlauten, dass alle Instrumente gleichberechtigt nebeneinander stehen. So dürfen auch die anderen Elemente hin und wieder einmal in den Vordergrund treten. Die vom Schlagzeug ausgelösten Wellen werden dafür des öfteren gebrochen und geglättet. In "Concrete and glass" etwa hält die sonorige, aber sehr feminine, schmerzerfüllte Stimme Kristofer Jönsons dagegen. Zumindest in deb ersten dreieinhalb Minuten von "St. Gallen" erklimmt einzig das Piano die aufgetürmten Wogen.

Das Album findet im anschließenden, fast zehnminütigen "Nangijala" seinen Höhepunkt. Der Song verschlingt alles um sich herum und umhüllt seine Außenwelt, während es unter der Oberfläche gewaltig brodelt. Er mutiert von einem bedächtigen, von Piano und Stimme getragenen Kleinod zu einem gewaltigen, orchestralen Monumentalwerk. Auch das Schlagzeug darf sich wieder ordentlich austoben. Trotz innerlicher Eingeschnürtheit und äußerlicherjenn Klangfülle bleibt genügend Raum zur Entfaltung der Melodie.

Allzu viele musikalische Wendungen erlebt der Hörer danach nicht mehr. Dennoch ist "The hourglass" Wahnsinn pur, wenn es den Hörer mitreißt und am Ende versenkt. Der Rest stirbt in Schönheit. "All I got was emptiness", heißt es im abschließenden Titeltrack. Das Sein ist das Nichts. Das Album fließt, fliegt und flieht dem Ende sphärisch entgegen. "Spring tides" hat kein Katastrophenmanagement nötig.

(Carsten Rehbein)

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Highlights

  • Nangijala
  • The hourglass
  • Spring tides

Tracklist

  1. Green Meadow Island
  2. Concrete and glass
  3. Ox-eye
  4. St. Gallen
  5. Nangijala
  6. Sparrow hills
  7. Lives apart
  8. The hourglass
  9. Ring out the grief
  10. Spring tides

Gesamtspielzeit: 64:02 min.

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