Hanne Hukkelberg - Blood from a stone

Hanne Hukkelberg- Blood from a stone

Nettwerk / Soulfood
VÖ: 17.04.2009

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Steinquälerei

Wenn Fred Feuerstein mit dem Steinauto durch seine Heimat Bedrock fährt und "Yabba Dabba Do" brüllend auf die Hupe (die eigentlich ein Vogel ist) drückt, entsteht der Eindruck, dass das Leben in der (Pseudo-)Steinzeit nicht so sorgsam gewesen sein kann, wie hinlänglich überliefert. Dass man mit einem Stein noch ganz andere Sachen machen kann, die zwangsläufig zu Brüchen und Sehnenzerrungen führen, davon handelt Hanne Hukkelbergs neues Album. Denn in punkto Musik hat es sich Hukkelberg wahrlich noch nie leicht gemacht. Vor allem die Simplizität von Kommerzpop umschiffte sie bisher weiträumig, doch passgenau. So darf der Titel ihres Drittwerks "Blood from a stone" durchaus programmatisch betrachtet werden. Wie hört es sich eigentlich an, wenn man versucht, Blut aus einem Stein zu pressen? Ein Unterfangen, das der gemeine Engländer als Idiom für ein schwieriges Unterfangen verwendet.

Angesichts der Vielzahl an befremdlichen Sounds und Klängen auf "Blood from a stone", die Frau Hukkelberg neben konventionellen Instrumenten unter anderem Küchengeräten, Fahrradzubehör, Ofenrohren und quietschenden Türen entlockt, lässt sich die Antwort darauf zumindest erahnen. Mit ihren verschrobenen Soundspielereien führt die studierte Jazzmusikerin den Kurs der Vorgängeralben "Little things" und "Rykkestrasse 68" unvermindert fort, setzt jedoch verstärkt auf die Gitarre als Basis des Geschehens - und diese ist, nebenbei bemerkt, aus herkömmlichem Holz und nicht aus Stein gefertigt.

Beim Wühlen in alten Plattenkisten entdeckte sie während der Aufnahmesessions auf einer abgelegenen norwegischen Insel ihre alten Lieblinge wieder: Sonic Youth, Cocteau Twins, Pixies, Einstürzende Neubauten, PJ Harvey, Siouxsie & The Banshees - also erstklassige Gitarrenbands, die auf "Blood from a stone" ihre Brocken hinterlassen haben. Dennoch wäre es verkehrt, hier von einer legitimen Gitarrenplatte zu sprechen. Wie es ihre Art ist, ergänzt Hanne Hukkelberg die Versatzstücke aus Indierock, Postpunk und New Wave überaus subtil zu ihrem eigenen Sound, dessen Mittelpunkt noch immer ihre Stimme bildet. Durchdringbarer wird dieser dadurch freilich nicht - er behält sein schräges, surreales, verträumtes und irgendwie charmant unnahbares Gewand.

Dem etikettierungsfanatischen Musikrezensenten kommt sofort das Label "Antipop" in den Sinn, und damit einhergehend die Frage, ob luftige Songkonstrukte nun Teil des Programms sind oder die Programmatik (die mit dem Stein) letztlich der Musik den Rang abgelaufen hat. Zwischen dem Singalong-Refrain des Titeltracks "Blood from a stone", dem an Emiliana Torrinis frühe Werke erinnernden "No mascara tears" und dem experimentellen "No one but yourself" passiert Sperriges, Heterogenes. Und nicht immer Nachvollziehbares. Hukkelberg scheint noch immer auf der Suche - nach neuen Sounds und Inspirationen. Sowie armen Steinen, die darunter leiden müssen. Fred hätte sicher keine Freude mit ihr.

(Christoph Behrends)

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Highlights

  • Blood from a stone
  • No mascara tears
  • No one but yourself

Tracklist

  1. Midnight sun dream
  2. Blood from a stone
  3. Bandy riddles
  4. No mascara tears
  5. Seventeen
  6. Salt of the earth
  7. No one but yourself
  8. In here/out there
  9. Crack
  10. Bygd til by

Gesamtspielzeit: 45:00 min.

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