The Thermals - Now we can see

The Thermals- Now we can see

Kill Rock Stars / Cargo
VÖ: 03.04.2009

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Gestorben wird immer

Der Tod ist eine atemberaubende Erfahrung. Da nimmt es eigentlich nicht Wunder, dass The Thermals auf ihrer neuen Platte ausgerechnet verstärkt von diesem singen. Schon auf den vorigen drei Alben des Trios aus Portland kam es ja des öfteren vor, dass einem vor lauter Speed, punkigem Overdrive und himmelhoher Melodienfülle die Luft wegblieb. Es setzte Hymnen im Zweieinhalb-Minuten-Takt, selig in die Luft fliegende Hits und zuletzt mit "Power doesn't run on nothing" sogar einen - huch! - über fünfminütigen Song. Dazu sang Hutch Harris entweder zornig gegen Politiker, fundamentalistische Christen und andere böse Menschen oder wahlweise über gar nichts. Und machte The Thermals so abwechselnd zu krachschlagenden Skeptikern und Königen von Scheißegalien, die am Ende immer Recht behielten.

Und auch dass die Band mittlerweile echte Produzenten anzuheuern pflegt, kann ihren famosen Powerpop-Raketen nichts anhaben. Nach Fugazi-Drummer Brendan Canty diesmal an der Reihe: John Congleton von The Paper Chase, zu deren schaurig schönen Post-Hardcore-Traumata sich schon mancher am liebsten vor der Anlage aufgeknüpft hätte. Gestorben wird schließlich immer - und ganz besonders eben bei den Thermals. "When I died" - und dabei eine Menge Spaß hatte. "When we were alive" - ist aber schon eine Ewigkeit her. "How we fade" beziehungsweise "You dissolve" - Verwesung für Fortgeschrittene. Dass man sich kein besseres Album wünschen kann, um lautstark den Frühling zu begrüßen, klingt da zugegebenermaßen zunächst absurd. Wahr ist es trotzdem.

Denn natürlich geht es auf "Now we can see" nicht um Tod und Verderben im fatalistischen Sinne. Eher um die entspannte Fernsicht derjenigen, die nichts mehr zu verlieren haben und inzwischen wissen, was zu tun ist - auch wenn sie nicht mehr können. Die Songs bleiben im Grunde simpel gestrickt und platzen dennoch vor Gitarren, die einem offene Arme entgegenstrecken und die schönsten Harmonien ums Maul schmieren. Die Drums verzichten darauf, sich ständig selbst zu überholen und verblüffen dafür mit voluminösem Hall und großer Tiefenschärfe. Verfeinerung statt Soundrenovierung. Schon nach "When I died" ist im Grunde alles klar: The Thermals drosseln insgesamt zwar das Tempo, setzen aber erneut ganz auf Melodie, kompakte Riffs und nach vorne gemischten Gesang. So kann es weitergehen.

Tut es auch. Das Titelstück ist eine frenetische Johlhymne, die jemand anderes wahrscheinlich "Yes, we can" genannt hätte. "When we were alive" wirft kurz einen hektischen Blick zurück und hetzt sich mühelos unter die 120-Sekunden-Grenze. Und bei "At the bottom of the sea" verneigt sich die Band mit verhuschtem Schlagzeug und Unterwasser-Gitarre sogar überdeutlich vor The Velvet Underground - auch wenn sie damit ganz bestimmt nicht die ersten sind. Doch auch das ist ihnen vermutlich herzlich egal. Und genau dieses arglose Machenwollen und -können ist mal wieder die Stärke von "Now we can see". Andere Gruppen mögen unter solchen Vorzeichen tödlich langweilen - The Thermals dagegen garantieren für Klick im Hirn und Urknall im Herzen, und wem dieses hier nicht übergeht, der ist entweder Politiker oder fundamentalistischer Christ. Oder schon sehr lange sehr tot. Und mal ehrlich: Wer will all das schon sein?

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • When I died
  • Now we can see
  • At the bottom of the sea
  • You dissolve

Tracklist

  1. When I died
  2. We were sick
  3. I let it go
  4. Now we can see
  5. At the bottom of the sea
  6. When we were alive
  7. I called out your name
  8. When I was afraid
  9. Liquid in, liquid out
  10. How we fade
  11. You dissolve

Gesamtspielzeit: 34:41 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Dän
2010-02-10 11:16:28 Uhr
Ja, Green Day, die Welt geht zu Ende, blablabla. ;)
Pascal
2010-02-10 08:20:35 Uhr
Hui, das ist wirklich übel.
Mixtape
2010-02-10 08:14:24 Uhr
Die Green-Day-Werdung der Thermals schreitet voran: "Canada"
JackBlack
2010-01-06 18:48:09 Uhr
Vielleicht weil sie dort ausnahmsweise verstehen, worum es in dem Song geht. Gibt ja die Theorie, dass manche Leute Musik, bei der sie den Text auf Anhieb verstehen, scheiße finden, weil ihnen das dann zu wenig alternativ ist^^
qwertz
2010-01-06 11:55:35 Uhr
Kann ich gar nicht verstehen, dass der Song hier so oft und scharf kritisiert wird. Was stört euch denn daran? Vom Text zu profan oder wie?
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