Reamonn - Dream No. 7

Reamonn- Dream No. 7

Virgin / EMI
VÖ: 03.09.2001

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Hinter dem Horizont

Noch heute klingt alles wie ein modernes Märchen: Reamonn Garvey, talentierter junger Musiker aus Irland, verläßt seine Heimat und zieht nach Deutschland, mit der einen und einzigen Hoffnung, Rockstar zu werden. Auf eine Zeitungsannonce hin finden sich im süddeutschen Raum vier Mitstreiter, die seine Visionen teilen, und nachdem die Demo-Tapes aufgenommen und verschickt sind, stehen die Plattenfirmen Schlange. Die Debütsingle heißt "Supergirl", katapultiert die Band vom Start weg auf Wolke sieben und verleiht dem amerikanischen "Vom Tellerwäscher zum Millionär"-Traum eine neue, irisch-deutsche Dimension.

Tatsächlich liegen auf "Dream No. 7" mehr noch als auf dem Debüt "Tuesday" Traum und Alptraum nahe beieinander. Auf der Habenseite stehen markante Songs wie "Life is a dream" oder "La trieste", die gerade dadurch überzeugen, daß sie einfach sind, was sie sind: cleverere, simpel gestrickte Rocksongs. Die streicherdurchtränkten Ballade "Weep" dagegen beginnt äußerst reduziert, bis schließlich alle Dämme brechen und Sturzbächen von Tränen freien Lauf lassen.

"Everytime she goes away", sozusagen die Fortsetzung des Erfolgshits "Supergirl", ist indes ebenso schleppend ausgefallen wie "Only when you sleep", das auch als halbe, zweitklassige Coverversion von Radioheads "Creep" eine schlechte Figur machen könnte. Die größte diebische Geschmacklosigkeit erwartet einen jedoch erst zum Finale. Alle Erlöse der Single an die von Reamonn mitbegründete Stiftung "Saving an angel" zu überweisen, mag lobenswert sein, ändert aber nichts an der grauenvollen Umsetzung des Mittels zum guten Zweck: Unter Beihilfe von Xavier Naidoo wurde Falcos Klassiker "Jeanny" nicht nur jedweder subtilen Emotion beraubt, sondern gipfelt schließlich auch noch in einem unglaublich stumpfen Refrain, der den österreichischen Urheber des Songs im Grabe rotieren läßt.

Während die kraftvolle Stimme von Reamonn Garvey immer noch den größten Fixpunkt im Band-Universum darstellt, ist die Handschrift von Produzent Steve Lyon (Paradise Lost, Depeche Mode, The Cure) noch deutlicher erkennbar als auf dem Vorgänger. Kaum ein Song, der nicht von sphärischen Synthie-Flächen begleitet wird oder dem ein Drumloop den Weg weist. Wenngleich die ohnehin schon kaum vorhandene klare Linie dadurch noch mehr verschwimmt, sind statt einem homogenen Album immerhin vier bis fünf brauchbare Songs auszumachen, die den schmalen Grat zwischen gefeierter Nachwuchs-Hoffnung und belächelter Teenie-Band für Reamonn noch mit Ach und Krach in die richtige Richtung leiten könnten.

(Armin Linder)

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Highlights

  • La trieste
  • Weep

Tracklist

  1. Come and go
  2. La trieste
  3. Everytime she goes away
  4. See inside
  5. Picture of heaven
  6. New world
  7. Flowers
  8. Only when you sleep
  9. Life is a dream
  10. Weep
  11. Saving an angel
  12. Jeanny

Gesamtspielzeit: 65:18 min.

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