Queensrÿche - American soldier

Queensrÿche- American soldier

Rhino / Warner
VÖ: 27.03.2009

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Kehrt marsch

Ein Konzeptalbum über Soldaten im Krieg, ihre Empfindungen, ihre Erlebnisse: Streng genommen gibt es keine größere Vielfalt an Fettnäpfchen und mehr Chancen, eine solche Platte fulminant an die Wand zu fahren. Das Ergebnis ist nämlich entweder vor Pathos triefender Kitsch oder zumindest für mitteleuropäische Ohren schwer nachvollziehbarer Linkszwodreivier-Patriotismus. Insofern ist allein Queensrÿches Ankündigung einer ebensolchen Platte, basierend auf Gesprächen von Sänger Geoff Tate mit Veteranen, schon mal reichlich mutig.

Wenn dann einer dieser Veteranen sogar Tates Vater höchstselbst ist, darf sich die Hand schon mal zum Pathos-Alarm-Knopf strecken. Aber nichts da. Denn spätestens "Unafraid" ist Kunst, wie man sie seit "Empire" nicht mehr von den Herren aus Seattle hören durfte. Und diese wirkt durch unkommentierte Interview-Fetzen auch noch höchst verstörend. Noch viel verstörender jedoch gerät "At 30,000 ft", in dem ein Bomberpilot seine Empfindungen schildert. Oder das Gefühl, diese Empfindungen gezwungenermaßen auszublenden. "Whatever happens now / Is beyond my control / Emotion has abandoned me / Faded away and left me ... cold."

Immer und wieder werfen die Texte den Horror des Krieges ungefiltert ins Gesicht des Hörers. Ob nun das mantra-artige "I'm all right" bei "The middle of hell" oder die Machtlosigkeit im schroffen "Man down!" - "American soldier" ist eine der größten Leistungen von Geoff Tate als Texter. Leider findet sich auch eine der größten Fehlentscheidungen Tates auf dieser Platte: seine Tochter auf "Home again" singen zu lassen. Für ihre 10 Jahre erledigt Emily Tate die Aufgabe zwar durchaus gut, aber hier geht die Emotionalität eindeutig übers Ziel.

Es benötigte wohl die Schöpfer des famosesten Metal-Konzept-Albums, um sich diesem sensiblen Themas mit Würde zu nähern. Wären nicht das erwähnte "Home again" und das einen Hauch zu bombastische "The voice", ließe sich "American soldier" ohne jegliches Stirnrunzeln in die Liste der Meilensteine der Band einreihen. Doch auch so ist diese Platte besser als alles, was Queensrÿche seit "Empire" vollbracht haben. Queensrÿche melden sich zurück an die Front.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Unafraid
  • At 30,000 ft
  • Man down!

Tracklist

  1. Sliver
  2. Unafraid
  3. Hundred mile stare
  4. At 30,000 ft
  5. A dead man's words
  6. The killer
  7. The middle of hell
  8. If I were king
  9. Man down!
  10. Remember me
  11. Home again
  12. The voice

Gesamtspielzeit: 60:31 min.

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