Elvis Perkins In Dearland - Elvis Perkins In Dearland

Elvis Perkins In Dearland- Elvis Perkins In Dearland

XL / Beggars / Indigo
VÖ: 03.04.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Offiziell unmöglich

Neulich in "Küchenpsychologie heute" gelesen: Nach jeder Beerdigung wird für die Angehörigen des Toten alles wieder auf Null gestellt. Es gibt ein neues erstes Mal, ein neues erstes Besäufnis, einen neuen ersten Song und auch eine neue erste Band, wenn man Elvis Perkins ist und offenbar eine Dauerkarte für die Trauerfeiern von Freunden und Verwandten besitzt. Perkins ist deshalb jetzt in Dearland, wo er mit drei Bandmitgliedern und sechs Gastmusikern alleine lebt, sein neues erstes Album aufgenommen hat und auch all die anderen neuen ersten Male gleichzeitig nachzuholen versucht, die ihm verdammt noch mal zustehen. "Elvis Perkins In Dearland" ist Lebens- und Spielfreude durch blutunterlaufene Augen hindurch - eine Platte, die Perkins allein schon für den eigenen Seelenfrieden machen musste.

Logischerweise hat sie breitere Hüften und größere Augen als ihr Schlüsselloch-Vorgänger "Ash Wednesday": Perkins croont ans Klavier gelehnt durch die Flächenstreicher und Marschtrommelwirbel der preisgekrönten Drama Queen "Hours last stand". Er lupft seine luftigen Vocals verschmitzt über das verbohrte 4/4-Schlagzeug von "I heard your voice in Dresden" und staubt für den ungebannt rasselnden "White album"-Blues von "I'll be arriving" sogar seine besten Thom-Yorke-Imitationen ab. Dazu passend ist dieser Song auch derjenige, mit dem "Elvis Perkins In Dearland" den Verstand verliert - was klingt wie eine vom Hafer gestochene Tuba, ist nur der Anfang für eine zweite Albumhälfte, in der die Stoßrichtungen und Blasinstrumente schneller gewechselt werden als ein Satz Formel-1-Reifen.

Zugegeben, der New-Orleans-Brass-Band-Anfall von "Send my fond regards to Lonelyville" war schon vorher passiert. Man sieht Perkins und seinen Jungs aber gerne nach, wie sie hier durcheinander kommen, wenn am Ende doch ein unverwüstlich vorausschauender Song stehen bleibt, an dem sich von der Mundharmonika bis zur Geige alles abarbeiten darf, was anderswo zu kurz kommen könnte. Sobald "Doomsday" aus entschlossen anschiebenden Bläsern, tapsigem Kontrabass, schwer erregtem Gesang und hintergründigem Akkordeon einen Neutral-Milk-Hotel-Song zaubert, wird es offiziell unmöglich, dieser Platte ihre Albernheiten übel zu nehmen. "I love you more in death than I ever could in life", sendet Perkins kurz vor Schluss noch nach oben. Sollte das jemals bei seiner Sippe ankommen: Sie wird es mit einem Lachen nehmen.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Shampoo
  • Hours last stand
  • Send my fond regards to Lonelyville
  • I'll be arriving

Tracklist

  1. Shampoo
  2. Hey
  3. Hours last stand
  4. I heard your voice in Dresden
  5. Send my fond regards to Lonelyville
  6. I'll be arriving
  7. Chains, chains, chains
  8. Doomsday
  9. 123 goodbye
  10. How's forever been baby

Gesamtspielzeit: 44:14 min.

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