Bishop Allen - Grrr...

Bishop Allen- Grrr...

Dead Oceans / Cargo
VÖ: 13.03.2009

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Kurz angebunden

Manchmal reichen kleine lautmalende Worte aus, um einen Gefühlszustand oder eine Reaktion deutlich zu machen. Ganz klassisch hieß es in den Comics früher ganz gerne mal "Zack!" oder "Pow!", wenn der Bösewicht von Batman eins auf die Nase bekam, und "Boom!", wenn er auf dem Boden am Fuß einer Wand aufschlug. Donald Duck gab öfter nur ein tragisches "Schluchz" von sich, wenn er seine persönliche, lang anhaltende Finanzkrise beweinte, und ein "Grmpf" reichte zur Maßregelung der lauten Neffen zur Mittagsschlafzeit allemal aus. Die Zeit, in der solche Worte nur in bunten Bildergeschichten vorkamen, ist sicher längst vorbei, wenn man sich diverse Foren und Chatrooms ansieht. Da wird ge"heul!"t und ge"grins"t, was das Zeug hält. Häufig reden Vertreter der heutigen Jugend sogar in solch fremden Zungen, dass Weihwasser, Bibel und Kreuz zur Teufelsaustreibung auf keinem Schreibtisch mehr fehlen dürfen. Lautmalereien halten also Einzug im internationen Sprachgebrauch, und was The Rakes mit "Klang" können, schaffen Bishop Allen schon lange. Der kurze Albumtitel des dritten Albums der New Yorker lässt genug Raum für Spekulationen. "Grrr...", wie ein wütender Hund, auf der Lauer, vielleicht sogar auf Angriff aus, kurz vorm Sprung. Schade nur, dass er kurz angebunden ist. Denn mit einer derart straffen Leine lässt sich die Welt nur schwer erobern.

Welches Tier oder Wesen auch immer Bishop Allen meinen, es knurrt nur mit eingezogenem Schwanz, und sicher auch nicht besonders furchteinflößend. Das fängt an beim Opener "Dimmer", der munter vor sich hin plätschert, und am Ende, beim mehrstimmigen Teil, sogar richtig schön wird. Da wippt der Hörer auch gerne mal mit dem Fuß mit, vergisst den Song aber wieder, sobald er vorbei ist. Diese Belanglosigkeit zieht sich durch die meisten Songs des Albums, ohne - und das ist fast am schlimmsten - dabei wirklich aufzufallen. Keines der 13 Stücke lässt sich als schlecht bezeichnen, jedoch bleiben die wenigsten wirklich im Ohr hängen. "Dirt on your new shoes" beispielsweise sprengt nicht mal die Drei-Minuten-Marke - und verschwindet aus der Erinnerung sogar noch schneller. "True or false" hätte das Potenzial, ein echter Dauerbrenner im Sommer zu werden, wenn nicht das einzige, was in Fahrt käme, die Mariachi-Bläser wären. Ansonsten gilt auch hier: Der Gesang bleibt, abgesehen von ein paar mehrstimmigen Parts, gänzlich unberührt von jeglicher Veränderung und hangelt sich monoton von Sekunde zu Sekunde.

Auf "Grrr..." ist nicht mehr viel übrig von der innovativen und ungezwungenen Seite der ersten beiden Alben Bishop Allens, und auch an die monatliche EP-Serie aus dem Jahr 2006 kommt es nicht ran. Zu aufgesetzt und unaufgeregt klingt das, ohne wirklich jemals schlecht zu werden. Lichtblicke wie etwa das polternde "South China moon" oder "Shanghaied", der ideale Konzertsong inklusive "Lalalalas", wirken verschwommen und blass im Nebel der Nebensächlichkeit. Einer der vielleicht schönsten Songs der Band bisher, "Tiger, tiger" versteckt sich ganz am Schluss, wenn es eigentlich schon zu spät ist. Da gibt es am Ende noch ein letztes Aufbäumen, originalgetreu begleitet von wilden Streichern, und dennoch weiß man: Das Tier, das am Anfang noch so geknurrt hat, wurde erlegt und liegt am Boden. Bishop Allen versuchen nicht nur, trotz kurzer Leine weit zu laufen. Sie fahren auch mit angezogener Handbremse und rennen mit heruntergelassener Hose. Umschreibungen gibt es viele, am treffendsten wäre an dieser Stelle wohl ein klares "Seufz" - in der Hoffnung, dass das nächste Album wieder freier und ungebremster wird.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • South China moon
  • Shanghaied
  • Tiger, tiger

Tracklist

  1. Dimmer
  2. The lion & the teacup
  3. South China moon
  4. Dirt on your new shoes
  5. Oklahoma
  6. The ancient commonsense of things
  7. True or false
  8. Rooftop brawl
  9. Shanghaied
  10. Don't hide away
  11. Cue the elephants
  12. The magpie
  13. Tiger, tiger

Gesamtspielzeit: 36:12 min.

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