Cake - Comfort eagle

Cake- Comfort eagle

Columbia / Sony
VÖ: 03.09.2001

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Bleibt alles anders

"Herrje, dieser Drumcomputer nervt." Das ist ziemlich genau der erste Eindruck, den Cakes "Comfort eagle" beim Zuhörer hinterläßt. Der Opener "Opera singer" beginnt mit dem stumpfesten Beat der Popgeschichte, läßt aber schon Sekunden später keinen Zweifel mehr, daß hier die Mannen um John McCrea am Werk sind. Sollte man den Stil von Cake mit nur einem einzigen Wort beschreiben, wäre wohl 'lakonisch' der bei weitem treffendste Begriff. Die Texte, die trocken-kratzige Akustikgitarre McCreas, sogar sein Gesangsstil, alles wird mit diesem Wort vorzüglich getroffen.

Nach ein paar Durchgängen hat man sich an das digitale Getrommel der besonders betroffenen Tracks gewöhnt und beginnt, die typischen Cake-Songs zu genießen. Dabei fallen auch langsam die eher subtilen Veränderungen im Sound auf. Zwar spricht der Wischzettel von "big guitars" und "viking rock", was aber glücklicherweise schamlos übertrieben ist und zudem auf eine falsche Fährte lockt. Zugegeben, die Angst vor Riffs ist nicht mehr ganz so ausgeprägt, allerdings werden sie spärlich und immer augenzwinkernd eingesetzt. Auch im einigermaßen schwerrockenden Titeltrack "Comfort eagle" zeigt nicht nur der Text, wie ernsthaft es gemeint ist: "You can eat at his location / But you better come with cash / Now his hat is on backwards / He can show you his tatoos / He is in the music business / And he's calling you dude!" Wer da wohl mit gemeint ist?

Mittlerweile hatten auch die anderen Songs Zeit, sich ausgibig zu entfalten, und vor lauter Glanz wird es immer schwerer, die Highlights des Albums auszumachen. "Meanwhile, Rick James..." verträgt das monotone Computer-Schlagzeug besser als "Opera singer". "Shadows stabbing" klingt wie ein Überbleibsel aus "Fashion nugget"-Zeiten, "Short skirt, long jacket" ist eine sehr brauchbare erste Single, "Commissioning a symphony in C" der potentielle Nachfolger. "Arco arena" überrascht als Instrumental mit unüberhörbaren Jethro Tull-Anleihen und leitet den Titeltrack famos ein. Dem melancholischen "Long line of cars" folgt ein ungewöhnlich fröhlicher Song, dessen Titel "Love you madly" nicht mal sarkastisch gemeint scheint. "Pretty pink ribbon" beißt dann wieder, bevor das eher unscheinbare "World of two" den Reigen als Fastreggae beendet.

Im direkten Vergleich zu den Vorgängeralben wirkt "Comfort eagle" noch verschrobener und kauziger. Die offensichtlichen Ohrwürmer, deren Melodien sich sofort in die Gehirnwindungen fräsen, fehlen hier. Besser gesagt: Sie sind getarnt. Widerhaken werfen diese Melodien erst nach einigen Hördurchgängen aus, bleiben dann aber umso sicherer hängen. Ein leckerer Kuchen, eher bitter als süß, der wächst und wächst, je mehr man davon konsumiert. Fast wie im Märchen, aber wahr.

(Rüdiger Hofmann)

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Highlights

  • Short skirt/long jacket
  • Commissioning a symphony in C
  • Comfort eagle
  • Long line of cars

Tracklist

  1. Opera singer
  2. Meanwhile, Rick James...
  3. Shadows stabbing
  4. Short skirt/long jacket
  5. Commissioning a symphony in C
  6. Arco arena
  7. Comfort eagle
  8. Long line of cars
  9. Love you madly
  10. Pretty pink ribbon
  11. World of two

Gesamtspielzeit: 36:58 min.

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