The Pains Of Being Pure At Heart - The Pains Of Being Pure At Heart

The Pains Of Being Pure At Heart- The Pains Of Being Pure At Heart

Slumberland / Fortuna Pop / Cargo
VÖ: 20.03.2009

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Keine andere Wahl

Weil Popmusik alles und nichts ist, kann es natürlich nur recht und billig sein, dass jeder eine andere Vorstellung davon hat. Einer will Hits, ein anderer Cleverness. Irgendwer möchte an einem Song die ganze Geschichte des Genres ablesen können, und am Ende des Tages findet sich bestimmt auch noch jemand, der seinen Pop am liebsten mit durchgeschnittener Kehle im Straßengraben liegen sieht. Gut also für The Pains Of Being Pure At Heart, dass ihr Debütalbum all das gleichzeitig ist: Diese vier New Yorker stecken sich die Popmusik als dermaßen weites Feld ab, dass man am Ende gar nicht mehr weiß, über welchen der tausend Zugänge man am bequemsten mit ihrer Platte warm werden soll.

Ein Luxusproblem natürlich, was wiederum sehr charakteristisch ist für den Pop als Ganzen, und "The Pains Of Being Pure At Heart" letztlich zum großen Gleichmacher macht. Die Schüchternheit der niedlichsten Belle-&-Sebastian-Lieder wird hier in eine Gitarrenfriteuse gesteckt, aus der die Songs zwar nicht so entstellt wie auf der letzten Magnetic-Fields-Platte, aber doch hörbar angeschlagen herauskommen. Peggy Wang-East und Kip Berman überbieten sich als singende Doppelspitze in gelangweilter Abwesenheit und trüber Hundeblick-Intonation. Sie singen durch zugeregnete Fensterscheiben hindurch und sind doch sofort bei einem, wenn sie sich mal aufraffen für das bisschen Bestimmtheit eines Songs wie "This love is fucking right". Dass Schlagzeug und Bass dazu jeden zweiten Song mit ihrer "Just like honey"-Trägheit verschleppen, gehört natürlich zum Masterplan - The Pains Of Being Pure At Heart wären keine Popband mehr, wenn ihnen all das nicht auch noch leicht fiele.

In der sachlichen Selbstlimitierung, mit der sich "Contender" hier als Albumopener auf das Allerwichtigste beschränkt, spricht "The Pains Of Being Pure At Heart" ein Versprechen aus, das "Come Saturday" und "Young adult friction" anschließend nicht vollständiger einlösen könnten: Plötzlich platzt diese Platte in alle Richtungen gleichzeitig auf, zieht das Tempo an, spielt mit pappigen Keyboardmelodien herum und stellt zwei Hits auf die Beine, die noch nicht mal richtige Refrains nötig haben. The Pains Of Being Pure At Heart verlassen sich lieber auf ihren langen Atem und krempeln deshalb mehrere Songs noch in der letzten Minute um. "Young adult friction" wird über sein "Don't check me out"-Getöse beinahe pampig, und "Everything with you" leitet mit effektvollem Trommelwirbel eines dieser völlig beknackten und vollkommen logischen Gitarrensolos ein, wie sie nur von Bands gespielt werden können, die keine andere Wahl haben.

Was von den Texten zwischen Gitarrensausen und -rauschen übrig bleibt, würde The Pains Of Being Pure At Heart endgültig als jugendlich-naive Romantiker entlarven, wenn das nicht eh schon ihr Bandname täte - wenn Wang-East von einem "teenager in love with Christ in Heaven" singt, ist es natürlich viel zu langweilig, das ironisch zu nehmen, anstatt sich über die Unschuld vom Lande in solchen Zeilen zu freuen. The Pains Of Being Pure At Heart untergraben mit solchen Knopfäugigkeiten ihre Lieder, die oft klüger, komplexer und detailreicher sind, als sie oberflächlich abgehört erscheinen. Sie lutschen Zuckerstückchen noch vor dem Mittagessen, fluchen heimlich in der Bibelstunde und kommen doch immer davon, weil sie zu gut sind, um ihnen noch den dreistesten Abschreiber übel zu nehmen. Gute Gewissheit nach dieser Platte: Nichts macht mehr Spaß, als sich im feinsten Sonntagsanzug von oben bis unten einzusauen.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Come Saturday
  • Young adult friction
  • Stay alive
  • Everything with you

Tracklist

  1. Contender
  2. Come Saturday
  3. Young adult friction
  4. This love is fucking right
  5. The tenure itch
  6. Stay alive
  7. Everything with you
  8. A teenager in love
  9. Hey Paul
  10. Gentle sons

Gesamtspielzeit: 34.42 min.

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