Fever Ray - Fever Ray

Fever Ray- Fever Ray

Rabid / Cooperative / Rough Trade
VÖ: 27.03.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Icy ghosts

Karin Dreijer Andersson und ihr Bruder Olof (hihi) sind gemeinsam The Knife und allen Anzeichen nach das cleverste Duo der elektronischen Musik. Sie müssen ihre Musik nicht mal an einen Werbespot verkaufen, um daran zu verdienen - sie lassen das einfach von einem dieser Gefühlsbonzen-Barden erledigen, der dann natürlich auch so nett ist, das Ganze zielgruppenfördernd mit Akustikgitarre und Salbeigesang aufzuhübschen. Außerdem haben sie 2006 die Lieblingsplatte von Pitchforkmedia gemacht, was in diesen schweren Zeiten der letzten Lizenz zum Gelddrucken im ganzen Indiezirkus gleichkommen dürfte. Ja, und sie leben natürlich in einer Tropfsteinhöhle, wo man sich weder um fließend Wasser, noch irgendwelche Auswirkungen des Klimawandels sorgen muss.

Nun hat Dreijer Andersson aber erst ein Kind und dann Langeweile und dann ein Soloalbum bekommen: Sie ist jetzt Fever Ray und probiert tapfer aus, was man der Musik von The Knife noch alles wegoperieren kann, bevor sie gar nicht mehr da ist. Auch auf dieser Platte drängen sich die Beats dicht aneinander, ohne jemals in echten Körperkontakt zu kommen. Die Innentemperatur der Tracks würde jedes Drei-Sterne-Gefrierfach stolz machen, und auch ihre Stimme hat Dreijer Andersson wieder so verfremdet, gepitcht und verzerrt, dass ihr die Geschlechtsmerkmale praktisch von alleine abfallen. Man kann sich den Club nicht mehr vorstellen, in dem "Fever Ray" funktionieren würde - man denkt schon allein wegen des fantastischen "Grim fandango"-Videos zur pulslosen Vorabsingle "If I had a heart" eher an schwere Sessel und tiefe Sofakissen, in die einen diese Musik mit sanfter, kaltblütiger Gewalt hineindrückt.

So wie sich "Silent shout" nach und nach als unwahrscheinliche Tanzplatte entpuppte, entwickelt allerdings auch "Fever Ray" mit der Zeit sein ganz eigenes Doppelleben. Dreijer Andersson sucht plötzlich das Persönliche, kramt nicht nur mit "When I grow up" in alten Kindheitserinnerungen und weicht sogar die bisher streng synthetische Vorgehensweise von The Knife auf. Was hier zum nachtschwarzen Dubstep durch den Wald schleicht, klingt sicherlich nicht grundlos nach Wolfs- und Eulenheulen - die größere Sensation aber sind natürlich die drei verlorenen Gitarrentöne, die den Track als ewiger Loop einlullen und schließlich mit "Dry and dusty" zurück in die Tropfsteinhöhle überführen. "I am a capsule of energy", singt Dreijer Andersson mit leerer Batterie und weiß, dass man nur daran glauben muss. Steter Beat höhlt den Stein.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • If I had a heart
  • When I grow up
  • Coconut

Tracklist

  1. If I had a heart
  2. When I grow up
  3. Dry and dusty
  4. Seven
  5. Triangle walks
  6. Concrete walls
  7. Now's the only time I know
  8. I'm not done
  9. Keep the streets empty for me
  10. Coconut

Gesamtspielzeit: 48:04 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

MopedTobias

Postings: 11537

Registriert seit 10.09.2013

2017-10-17 23:17:47 Uhr
Silent Shout ist, was Tiefe und Intensität angeht, nochmal ne andere Hausnummer, sonst geh ich da mit.

Felix H

Postings: 3110

Registriert seit 26.02.2016

2017-10-17 14:13:59 Uhr
Hab mal spekulativ einen neuen Thread eröffnet.

Das Debüt ist mir immer noch lieber als alle The-Knife-Alben, und das heißt einiges, weil ich die Band sehr, sehr gern mag.
herdamit
2017-10-17 14:10:23 Uhr
yes!

Dielemma

Postings: 448

Registriert seit 15.06.2013

2017-10-17 13:22:23 Uhr
Comeback!
https://www.youtube.com/watch?v=zFhuhGpzN48

Dielemma

Postings: 448

Registriert seit 15.06.2013

2014-12-30 20:33:35 Uhr
die von Akim genannten + Triangle Walks sind für mich alle 10/10, habe das Album auch nahe dran, war in meiner Top10 für die besten Alben, Elektropop(?!) in Perfektion
Zum kompletten Thread

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