Goldfinger - Stomping ground

Goldfinger- Stomping ground

Big Rig / Island
VÖ: 08.05.2000

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Punkballons und Seifenblasen

Wenn man den in Moment omnipräsenten Wirbel um kommerziell erfolgreiche Punkbands genauer betrachtet, kommt man wahrscheinlich schnell auf den Trichter. Dieser Trend schwappt (mal wieder) hauptsächlich aus den Staaten zu uns herüber. Die Welle von Veröffentlichungen amerikanischer (Mainstream-) Punkbands wie Blink 182, Lit, Bad Religion oder auch den Foo Fighters lockten auch Goldfinger nach dreijähriger Pause für ein neues Album aus der Reserve.

Der Name dieser Band erinnert natürlich zu allererst an den Gegenspieler des geschüttelten Saubermanns mit Fönfrisur aus den Diensten des englischen Geheimdienstes. Durch die hundertste Coverversion von Nenas Gassenhauer "99 Luftballons", die uns aus allen Kanälen entgegenbläst, weiß aber nun auch der letzte, daß es noch mehr goldene Finger gibt als den von Gerd Fröbe. Anstatt ausschließlich Partysongs oder eingängige Ska-Klänge darzureichen und somit auf der idealen Trendlinie zu fahren, greifen Goldfinger also auf eine andere beliebte Masche zurück. Mit der Auskopplung der "99 red balloons", das schon seinerzeit weltweit die Spitze der Charts erklomm, erweisen somit ihrer Kindheitshymne Respekt - und schaufeln sich nebenbei auch noch ein paar sichere Dollars in den Geldbeutel.

Während das Artwork des Albums an gewisse kultige, japanische Monsterfilme gemahnt (und davor warnen soll, allzu heiße Speisen zu sich zu nehmen) und Stärke vortäuscht, waren die Aufnahmen zu "Stomping ground" kein leichter Brocken. "Es ist mit Abstand das härteste Album, das wir bis jetzt aufgenommen haben und zum Teil sind die Takes wirklich ganz anders als unsere alten Tracks." Die Weiterentwicklung kommt am deutlichsten bei "Bro" zum Tragen, das mit seiner instrumentalen und textlichen Bissigkeit ("Don't fucking smile / Just get the fuck away from me") sogar mit den Mattenträgern des zürnenden Metalgrolls Schritt halten kann.

Ursache dieser Gangart ist die Arbeit von Produzent Tim Palmer (Pearl Jam, Iggy Pop, Tears For Fears), der zu diesem Zweck den Sound der Band hörbar mitformte. Selbstredend besteht der geringste Teil der Platte aus solch düsterem Stoff. Die Band um Sänger John Feldmann läßt reichlich heitere Töne zu, denen man vor allem bei "Don't say goodbye" oder "You think it's a joke" lauschen kann. Abgeschlossen wird die doch zuweilen leicht glatt klingende Produktion schließlich durch das im rasend schnellen Cowboystil gehaltene, gerade mal 40 Sekunden lange Stück "Donut Dan". Obwohl Goldfinger nicht nur hier, sondern auch auf großen Teilen des Albums Spaß machen, fehlen oft der letzte Funke Genialität und eigener Einfallsreichtum. Entgegen den augenscheinlichen Absichten, sich begünstigt vom vermeintlichen Erfolgsgaranten "99 red balloons" aus der Punkrockwelle hervorzutun, werden Goldfinger mangels eigenen Profils vielmehr von selbiger hinweggespült werden.

(Benjamin Bunte)

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Highlights

  • The end of the day
  • Counting the days
  • Bro
  • Donut Dan

Tracklist

  1. I'm down
  2. Pick a fight
  3. Carry on
  4. The end of the day
  5. Don't say goodbye
  6. Counting the days
  7. Bro
  8. San Simeon
  9. You think it's a joke
  10. Forgiveness
  11. Margaret Ann
  12. Get away
  13. 99 red balloons
  14. Donut Dan

Gesamtspielzeit: 42:09 min.

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