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Vetiver - Tight knit

Vetiver- Tight knit

Bella Union / Cooperative / Universal
VÖ: 20.03.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Der perfekte Knoten

Eng verbunden ist die Krawatte mit den Eigenschaften eines Mannes. Nun kommt es auf die Präferenzen an. Will man lieber Zeitlosigkeit mit Streifen ausdrücken? Oder mit Beerenfarben so richtig modern und en vogue sein? Eins ist sicher: Wenn er Lob von Bürokollegen für seine Krawattenwahl bekommt, freut Mann sich wie ein Männlein im Walde, das gerade mit einer perfekten Sägetechnik einen Baum gefällt oder sich seines purpurroten Mäntelleins entledigt hat. Eng verbunden ist auch Singer-Songwriter Andy Cabic alias Vetiver, und zwar mit den Wäldern seiner Heimat in den Appalachen - einer zeitlosen Gegend, aber ist das modern? Das spielt keine Rolle, denn das neue Album "Tight knit" wirft Cabic aus den Cable Cabs seiner neuen Heimat San Francisco ab. Es heißt übersetzt: "eng verbunden". Nur mit was und mit wem ist dieses vierte Album so eng verbunden?

Eines ist zunächst sicher: Anders als auf dem Vorgänger und Cover-Album "Thing of the past" findet man auf "Tight knit" ausschließlich Eigenkompositionen. Bemerkenswert ist das lediglich aus faktischen Gründen, denn die akustischen Folkarrangements und der ruhige, aber nicht schleppende Kompositionsstil haben sich zum Vorgänger unmerklich bis gar nicht verändert. Und wer genau hineinhorcht in die Innenwelt von Cabics neuestem Oeuvre wird feststellen, dass sich mit jedem neuen Song zwangsläufig neue Assoziationen zu alten Meistern her- und Aha-Effekte einstellen lassen.

Dieser Blick in die Vergangenheit symbolisiert jedoch keineswegs Zukunftsferne. Espers und James Yorkston sind ganz nah. Das deutet zwar nicht auf Neoliberalismus pur hin, sondern auf eine mystische Moderne mit unendlichen Höhen und Tiefen, taugt aber als alternative Zukunftssicht ausgezeichnet. Und wenn man schelmisch ist, erinnert "Everyday" ein wenig an "Die Schönheit der Chance" von Tomte und "On the other side" an eine Breakbeat-light-Variante von Fatboy Slims "Praise you". Beide gehen so gerade noch als Gegenwart durch in dieser schnelllebigen Welt.

Jemand fehlt in diesem Ensemble. Noch. Es ist kein geringerer als Cabics Kumpane Devendra Banhart. Womit "Tight knit" auf eine einzige banale und dennoch sehr treffende Floskel gebracht werden kann: Vetiver im Allgemeinen und dieses Album im Besonderen sind Devendra Banhart ohne Esoterik. Dessen hinterwäldlerische Psychedelik wird bei Vetiver geerdet und kommt wie vom Gehölz gegenüber daher, geradewegs aus der Nachbarschaft. Oder direkt "Through the front door", wie einer der erhabensten und besten Songs auf "Tight knit" betitelt ist. Er wirkt zunächst unscheinbar und zurückhaltend, mutiert dann aber dank einiger kleiner Pianoeinlagen zu etwas ganz Großem.

Zum Abschluss bleibt zu konstatieren, dass für dieses Album überhaupt keine Krawatten vonnöten sind. Und schon gar nicht eng gebunden oder festgezogen. Dafür ist es viel zu lässig. Und Begriffe wie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bleiben hier auch relativ. All diejenigen, die sich nicht vom Prädikat "zeitloser Folk" abschrecken lassen, können gern eine enge Verbindung mit "Tight knit" eingehen.

(Carsten Rehbein)

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Highlights

  • Everyday
  • Through the front door
  • On the other side

Tracklist

  1. Rolling sea
  2. Sister
  3. Everyday
  4. Through the front door
  5. Down from above
  6. On the other side
  7. More of this
  8. Another reason to go
  9. Strictly rule
  10. At forest edge

Gesamtspielzeit: 42:21 min.

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