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Various Artists - War Child: Heroes

Various Artists- War Child: Heroes

Parlophone / EMI
VÖ: 20.02.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Menschenskinder

Wenn es etwas gibt, was sich wirklich gut in der Vita eines Musikers macht, ist das sicher der Begriff "Charity". Karikative Organisationen zu unterstützen, ist zwar nicht halb so cool und Rockstar-like, wie den Fernseher aus dem Hotelzimmer zu werfen oder volle Kanne ins TV-Studio zu kotzen. Dafür aber politisch korrekt, und noch dazu bietet es die einzigartige Chance, etwas völlig Verrücktes zu machen, ohne dass die Leute blöd schauen. Der Red Nose Day beispielsweise bringt einen Haufen B-, C- und vor allem D- bis G-Promis mit sich, die sich eine knallrote Clownsnase ins Gesicht hängen, rumblödeln und sich wenigstens selbst irre lustig finden. Da verwundert es nicht, wenn Sonya Kraus noch mehr "Hupen"-Witze als sonst macht, und immerhin wird die jeweilige "Popstars"-Band senderintern unterstützt - noch dazu jedes Jahr eine andere. Von derlei Spielchen kann bei der britisch-kanadisch-niederländischen "War Child"-Organisation keine Rede sein. Keine "Popstars", sondern Popstars lautet da die Devise. Die Liste reicht von Beck über Elbow und TV On The Radio bis zu The Like und Franz Ferdinand, und damit ist auch nur grob angerissen, was den Hörer die nächste Stunde erwartet. Und mal ganz ehrlich: Die ebenfalls vertretene Lily Allen muss man sicher nicht mögen - aber sie hat mehr Rock'n'Roll im kleinen Finger als alle Noangelsbrosisnupagadimonroses zusammen.

Nein, beim diesjährigen Sampler mit dem klingenden Titel "Heroes" kauft man wahrlich nicht die Katze im Sack. Namentlich angelehnt an das Meisterwerk David Bowies werden hier einige der größten Ikonen der letzten 50 Jahre gecovert. Und nicht nur das: Eben diese durften sich teils selbst aussuchen, welchen Künstler sie an ihre Schätze lassen. Nun gut, ausgerechnet Bowie hat sich dabei nicht unbedingt ins tiefe Wasser begeben und mit TV On The Radio eine DER Bands des Jahrhunderts ausgesucht, die den oben genannten Titeltrack nicht nur neu eingespielt, sondern komplett neu interpretiert haben. Tude Adebimpe nimmt "Heroes" für sich ein, und nach einer Weile droht der Hörer zu vergessen, dass es sich hier nicht um ein Original handelt. Ähnlich verhält es sich bei der bereits erwähnten Lily Allen, die ihr The-Clash-Cover "Straight to hell" nicht nur wie einen ihrer eigenen Songs klingen lässt, sondern sich unverschämterweise auch von Mick Jones persönlich begleiten lässt. Das ist Protest-Pop, wie er süßer kaum sein könnte - und sollte.

Der Grund für "War Child" und deren unermüdliches Engagement ist hingegen einer, der alle interessieren sollte. Kinder in Kriegsgebieten, die eben trotz allem auch Menschenkinder sind und wie alle Kleinen und Schwachen auf Hilfe angewiesen sind. Wenn diese in musikalischer Form auftritt, dass es einem die Schuhe auszieht, zieht das wiederum Aufmerksamkeit an, und darum geht es. Natürlich machen die Bands auch Werbung für sich selbst, und das muss wohl so sein. Wenn etwa das neue Album der Yeah Yeah Yeahs so gut wird, wie "Sheena is a punk rocker" vermuten lässt, war deren Teilnahme sicher nicht die falsche. Wenn Estelle zu "Superstition" vor sich hin groovt oder Duffy durch ihre Version von "Live and let die" nur die Unsterblichkeit des Originals von Paul McCartney festlegt, ist das eine rundum gute Sache.

Wenn dann aber eine Band wie Hot Chip um die Ecke kommt und aus "Transmission" ein zweites Meisterwerk macht, freut das nicht nur Ian Curtis im Jenseits, sondern vor allem den Hörer auf Erden. Innovative Ideen, vor Urzeiten bereits produziert, werden da völlig neu definiert. So treibt "Running to stand still" von Elbow die Tränen in die Augen, während die Knie vor lauter Intensität weich wie Butter werden - die man sich dann gemeinsam mit Rufus Wainwrights "Smile"-Medley wieder aufs Brot streichen kann. "War Child" ist natürlich Charity, Unterstützung und Hilfe, eine Organisation eben. Aber sie steht auch für Musik, Qualität, Rock und Pop, alles zusammen. Sicher reicht das alleine nicht aus, um hilfsbedürftigen Kindern im Irak oder in Darfur, oder wo auch immer, die Zukunft zu sichern - und doch zieht es die Blicke auf sich. Damit wäre der Anfang gemacht - und das hört sich gut an.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Running to stand still
  • Heroes
  • Transmission
  • Atlantic City

Tracklist

  1. Leopard-skin pill-box hat (Beck)
  2. Do the strand (Scissor Sisters)
  3. Straight to hell (Lily Allen featuring Mick Jones)
  4. Live and let die (Duffy)
  5. Running to stand still (Elbow)
  6. Heroes (TV On The Radio)
  7. Transmission (Hot Chip)
  8. Victoria (The Kooks)
  9. Superstition (Estelle)
  10. Medley from Brian Wilson's Smile (Rufus Wainwright)
  11. Search and destroy (Peaches)
  12. Atlantic City (The Hold Steady)
  13. You belong to me (The Like)
  14. Sheena is a punk rocker (Yeah Yeah Yeahs)
  15. Call me (Franz Ferdinand)

Gesamtspielzeit: 59:03 min.

Referenzen

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