Olli Schulz - Es brennt so schön

Olli Schulz- Es brennt so schön

Columbia / Sony BMG
VÖ: 13.03.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Wer, wie, was

Die Sesamstraße ist auch nur ein Weg mit Schlaglöchern. Klar, dass einer wie Olli Schulz da nicht entlangstolpert, sondern sich beidfüßig mit Tanzschuhen in Größe 50 in die Unebenheiten stellt: Im Gegensatz zu Thees Uhlmann hat er den großen, gelben Vogel nicht einfach gefunden, er macht ihn gleich für uns. Im Video mit Bela B. und - trotz drohender Eigenurin-Therapie - bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest. "Mach den Bibo", dieser selbsternannte Ballermann-Hit der Generation Indie, förderte bei aufgeregten Indie-Jüngern längst begrabene Sellout-Vorwürfe und Boykott-Ankündigungen zu Tage. Dabei ist das vorprogrammierte Entsetzen unbegründet: Kein anderer Song wäre weniger repräsentativ für das gewesen, was uns Olli Schulz, diese offensichtlich geläuterte Knalltüte, mit seinem vierten Longplayer "Es brennt so schön" anbietet.

Dass sein erstes Solowerk (Dauerweggefährte Max Schröder/Der Hund Marie ist mittlerweile fest bei Tomte eingespannt) mehr denn je nach einem Bandalbum klingt, dürfte an der illustren Runde aus Gästen und Helfern liegen. "Mach den Bibo" geht musikalisch zur Hälfte auf das Konto von Walter Schreifels, auch Bernd Begemann und Gisbert zu Knyphausen steuerten Parts bei, und die Regler teilten sich "Mr. Grand Hotel van Cleef" Swen Meyer und "Mr. Beasteaks" Moses Schneider. Vom melancholischen Gitarrenjungen Olli Schulz ist "Es brennt so schön" damit weit entfernt. Stattdessen ist dem Wahlberliner auf der Suche nach dem perfekten Indie-Popsong mittlerweile von Banjo bis Galeeren-Drumming jedes Mittel recht, die Stücke klingen voller und durchdachter als noch auf dem bereits poppigen "Warten auf den Bumerang". Auf intimen Dilettantismus wie in den Anfangstagen braucht endgültig niemand mehr zu hoffen.

Sympathischen Nonsens sucht man abseits von "Mach den Bibo" größtenteils vergebens. Stattdessen poltert "Ab jetzt tut's nur noch weh" mit abgehacktem Klavier, Stampf-Bassdrum und Wut im Bauch gegen eine lieblose Umwelt los: "Die Guten, die bluten / Weil die Schlechten sie knechten / Und der Rest stirbt langsam aus". Auch in der "Safety dance"-Hommage "All you can eat" tritt das Persönliche politischer zu Tage als zuvor. Damit vervollständigt sich das Bild des Musikers und Menschen Olli Schulz, der natürlich weiterhin dramatische Herzschmerz-Stücke in Farin-Urlaub-Manier à la "Wie sie", Akustik-Kleinode wie die Freundschaftshymne "Bloß Freunde" oder fröhlich-abseitige Popnummern wie "Geheimdienst" schreibt. Das Traurige steht neben dem Fröhlichen, das Alberne neben der ehrlichen Begeisterung, und zwar so selbstverständlich, dass selbst die pathetische Schamgrenzenüberschreitung "Ewig leben" noch irgendwie natürlich daherkommt.

Man hat das Gefühl, dass Olli Schulz auf "Es brennt so schön" die Deckung weiter herunter nimmt, auch wenn das Cover das Gegenteil vorgaukelt. Seltener gibt er den Klassenkasper, dafür öfter den aufrichtigen Beobachter, bei dem das Geschichtenerzählen nicht Selbstzweck ist, sondern der uns etwas mitgeben will. "Ich hab schon immer gewusst / Dass man sich verändern muss", singt er in "Herz los". Veränderung heißt hier auch, dass das Album einem keine Hits aufdrängt. Es braucht ein paar Durchläufe, bis sich der unscheinbare Feelgood-Pop von "Wenn die Sonne wieder scheint" in ein echtes Juwel verwandelt. Den ausufernden Klamauk vermisst man da schon nicht mehr. In der Sesamstraße war der ja auch nur die halbe Miete, Olli Schulz darf sich dort also gern weiter inspirieren lassen. Nächstes Jahr machen wir dann wahlweise den Ernie, das Krümelmonster oder den Graf Zahl.

(Dennis Drögemüller)

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Highlights

  • Ab jetzt tut's nur noch weh
  • Herz los
  • Wenn die Sonne wieder scheint

Tracklist

  1. Ab jetzt tut's nur noch weh
  2. So lange einsam
  3. Geheimdienst
  4. All you can eat
  5. Wie sie
  6. Ewig leben
  7. Mach den Bibo
  8. Herz los
  9. Bloß Freunde
  10. Isabell
  11. Wenn die Sonne wieder scheint

Gesamtspielzeit: 49:02 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
aenima
2011-11-30 14:20:55 Uhr
schöner neuer Song:


http://www.youtube.com/watch?v=ZpozhSidjho
Bastian Sick
2011-10-14 19:23:14 Uhr
es heisst den, nicht denn
ceri182
2011-10-14 17:01:43 Uhr
jetzt hat er denn Verstand verloren:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/startseite#/beitrag/video/1466108/neoParadise---Erotik-aus-Deutschland
singt das nicht
2011-10-02 22:46:07 Uhr
die alte von Wir sind Helden ?
erke
2011-10-02 22:21:28 Uhr
armer vater find ich so meganervig, mit dem frauengesang.nervt auf der ansosnten super platte
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