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The Strokes - Is this it

The Strokes- Is this it

RCA / BMG
VÖ: 27.08.2001

Unsere Bewertung: 9/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Walk on the wild side

Und noch ein Gesäß. Pflasterten bereits Zoot Woman diesen Frühling auf dem Cover ihrer Single "Living in a magazine" ihr großzügig skaliertes Logo über das ausgeleuchtete Profil eines äußerst spärlich bekleideten Frauenhinterns, wird auf dem Cover von "Is this it" der Strokes die Wäsche vollkommen weggelassen. Auch der ruhende Lederhandschuh erhöht die Subtilität der dreckigen Schwarzweiß-Aufnahme nicht maßgeblich. Die Parallelen zwischen diesen beiden Bands enden allerdings nicht bei der Motivwahl: Wo sich Zoot Woman liebevoll um die Achtziger kümmern, den totgeglaubten Lebensstil auf der Überholspur geschmackssicher ans Tageslicht hieven und Klischees kritisch reflektieren, drehen die Strokes mit viel Schwung das Rad der Zeit noch weiter zurück. Hingebungsvoll skizzieren sie die späten Sechziger und frühen Siebziger in Manhattan, New York City: Schweiß, Wut, Lust, Schmerz, Leidenschaft, Turnschuhe und nicht zuletzt Sex, Drogen und vielleicht die Rettung des unschuldigen Rock'n'Rolls.

Die Strokes spielen nicht nur New York, sie sind New York, mit Leib und Seele. Ein romantisches, kräftiges, illusorisches und junges New York aus vergangenen Zeiten. Rein rechnerisch - die fünf Jungs sind alle noch keine 23 - besteht keine Chance, daß sie damals Gegenkultur atmend durch die Straßen der Lower East Side stolperten. Damals, als Schnulzen noch stolze Reime auf "Slave" durch die Welt trugen und Bands vorzugsweise aus S/M-Heftchen abschrieben. Dennoch haben die Strokes es geschafft, die Essenz der damaligen Zeit herauszusieben und die Geisteshaltung und Begeisterung, die von Velvet Underground und einem ganzen Rattenschwanz ähnlich gesinnter Bands ins gelähmte Amerika geblasen wurde, in 36 Minuten, ein paar Sekunden und elf Songs unterzubringen. Sänger Julian Casablancas klingt stellenweise mehr nach Reed als Lou selber, das Schlagzeug tuckert monoton vor sich hin, der Baß gibt sich abenteuerlustig, die schweißtriefenden Gitarren sind so dreckig wie nötig, und im Grunde banale Soli werden mit einem Enthusiasmus gespielt, als würde es tatsächlich um Leben und Tod gehen.

Doch die Strokes sind mehr als eine mittelmäßige Retro-Coverband mit glücklichem Händchen. Ihre auf den ersten Blick unscheinbaren Songs sind stark und eigenständig genug, um auch ohne das von Kritikern händeringend als "Proto-Punk" abgehandelte Bezugssystem überleben zu können. Die elf je nach Perspektive sauber oder sehr spärlich produzierten Tracks kratzen, fauchen, bratzen, maulen, stürmen, geißeln, krachen, stöhnen, genießen mit funkelnden Augen die fließende Melancholie und springen in nächsten Moment dem imaginären Gegenüber an den nackten Oberkörper. Hymnen züchten Monsterrefrains und ziehen seifige Testosteronspuren hinter sich her, um ein paar Sekunden später im Feedbackinferno lustvoll auf die Fresse zu fallen. Aufstehen! Weiterrocken! Aber gerne.

"Is this it" ist ein Album ohne Füller, aus einem Guß, eigenständig und konsequent, kompromißlos in allen relevanten Faktoren und mit Haltung bis zum Anschlag; kurzum: Trotz massiver Medienpräsenz ein Debüt-Album sondergleichen, das geliebt oder gehaßt werden will, denn dazwischen gibt es nichts. Wenn alles nach Plan läuft, werden die Strokes bald in Liebesbeweisen baden können - eine Frage des guten Geschmacks, gewissermaßen, oder, wie die Strokes sowas selbst kurz und knapp formulieren: "Take it or leave it."

(Adrian Schulthess)

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Highlights

  • Someday
  • Hard to explain
  • New York City cops
  • Take it or leave it

Tracklist

  1. Is this it
  2. The modern age
  3. Soma
  4. Barely legal
  5. Someday
  6. Alone together
  7. Last nite
  8. Hard to explain
  9. New York City cops
  10. Trying your luck
  11. Take it or leave it

Gesamtspielzeit: 36:29 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

The Hungry Ghost

Postings: 883

Registriert seit 15.06.2013

2021-03-31 22:26:13 Uhr
Das The Strokes-Debut war neben der "Bleed American" von Jimmy Eat World damals eines meiner ersten selbst gekauften Indie-Alben, als ich gerade anfing, die VISIONS zu lesen. Da kommen nostalgische Gefühle auf. "Trying Your Luck" war damals eines meiner Lieblingsongs des Albums. 20 Jahre her, kaum zu fassen...

A propos "The Modern Age"
(+ eine kleine persönliche Anekdote):

Peach Mallow Burners - I Made Peace With The Modern Age
https://youtu.be/_-p5P-d1hpU

Offenbar hatte "Is This It" damals bei mir unterbewusst einen sehr prägenden Einfluss, was man u.a. schon am Titel dieses Songs (von 2007) meiner damaligen Band erkennen kann, in der ich Leadsänger und Keyboarder war. :-D
(Es hat damals sogar zum "Demo des Monats" und einem kleinen Rezensions-Artikel im Visions-Magazin gereicht!)

Rote Arme Fraktion

Postings: 3468

Registriert seit 13.06.2013

2021-03-31 20:28:15 Uhr
Auf jeden

Eurodance Commando

Postings: 1472

Registriert seit 26.07.2019

2021-03-31 19:39:48 Uhr
Sooooo gut gealtert und immer noch eine der lässigsten Platten aller Zeiten! 10/10

MopedTobias (Marvin)

Mitglied der Plattentests.de-Schlussredaktion

Postings: 17059

Registriert seit 10.09.2013

2020-09-05 00:32:51 Uhr
Ich hätte es nicht gedacht, weil der Song für mich immer eher unscheinbar war, aber am nachhaltigsten von diesem Album hat sich tatsächlich "Hard to explain" erwiesen.

VelvetCell

Postings: 3652

Registriert seit 14.06.2013

2020-09-04 21:13:40 Uhr
Krass, dass IS THIS IT nächstes Jahr schon 20 wird. Man fühlt sich doch sehr alt dabei. Aber was für ein packendes, kompaktes Album immer noch.
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