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Lamb Of God - Wrath

Lamb Of God- Wrath

Roadrunner / Warner
VÖ: 20.02.2009

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Der Bankenthrash

Eigentlich würde man Lamb Of God im Zusammenhang mit ihrem neuen Album "Wrath" eine Bank nennen. Weil dieser Ausdruck mit der Finanzkrise aber nicht mehr für Beständigkeit und Sicherheit, sondern für Gier und Verantwortungslosigkeit steht, erscheint das irgendwie unangebracht. Dennoch ist der Metalcore, mit dem das Quintett aus dem amerikanischen Richmond zuverlässig wie eh und je gegen eine im Kern verdorbene Welt ätzt, im Jahr 2009 nicht Stein irgendeines Anstoßes, sondern ein Leuchtturm der Verlässlichkeit in unruhigen Zeiten. Hier macht der Zorn im Albumformat Spaß, weil er einmal mehr technisch großartig umgesetzt wurde (inklusive der präzisen Produktion von Josh Wilbur). Weil das alles aber auch vom ersten bis zum letzten Ton genau so zu erwarten war, muss man der Band um die Adler-Brüder neben beeindruckender Spielfähigkeit erneut Stagnation auf Weltniveau attestieren.

Auf der prinzipiell eng abgesteckten Spielwiese Metalcore tobt sich der Fünfer kräftig aus: Zehn Songs lang - das akustische Intro "The passing" abgezogen - knüppelt und rifft, brüllt und keift sich die Band an Trademarks von Pantera, Slayer oder Machine Head entlang, ohne dabei schlecht auszusehen, allerdings auch ohne eine Geste der Innovation zu riskieren. Da ist es schon einen Hinweis wert, dass sich die für Bandverhältnisse fast radiotaugliche Single "Set to fail" ein zweistimmiges Solo gönnt oder dass "Grace" auf einer clever-harmonischen Gitarrenmelodie in seine Wutprobe reitet. Ansonsten wird der musikalische Vorschlaghammer selten verzuckert, "In your words" oder die stumpfe Dampframme "Contractor" kennen nur zwei Geschwindigkeiten: Vollgas und fast Vollgas. "Reclamation" verdient besondere Erwähnung, weil die sieben Minuten Urgewalt einen Rhythmus und eine Dramaturgie besitzen, an- und abschwellen und zwischen zweimal Meeresrauschen alles versammeln, wofür Lamb Of God beliebt sind.

Die Einlagen sind sicher bei Lamb Of God, die Wut lagert säckeweise im krisenfesten und -erprobten Oberstübchen der Protagonisten. Als Hörer braucht man noch immer ein moshpitbewährtes Backpfeifengesicht, um diese 45 Minuten Hass ohne Wimpernzucken wegzustecken. Dass "Wrath" den Metalcore nur ausarbeitet, ihn jedoch nicht weiter entwickelt, lässt sich aufgrund des hohen Niveaus verschmerzen. Ohnehin muss man den Gedanken zulassen, in diesem Genre mit keinem kreativen Höhenflug mehr konfrontiert zu werden. Stattdessen regiert Selbsterhalt, Parallelen zum Wirtschaftsgeschehen möge sich jeder selbst denken. Lamb Of God jedenfalls bleiben in diesem Geschäft der zuverlässige Global Player, der sie schon lange sind. Eine Bank eben. Und zwar ganz sicher keine böse.

(Dennis Drögemüller)

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Highlights

  • Grace
  • Everything to nothing
  • Reclamation

Tracklist

  1. The passing
  2. In your words
  3. Set to fail
  4. Contractor
  5. Fake messiah
  6. Grace
  7. Broken hands
  8. Dead seeds
  9. Everything to nothing
  10. Choke sermon
  11. Reclamation

Gesamtspielzeit: 44:55 min.

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