Fake Problems - It's great to be alive

Fake Problems- It's great to be alive

Sideonedummy / Cargo
VÖ: 20.02.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Teufelspack

Überlegung: Wenn die Coen-Brüder die Kindheit der Two Gallants filmisch aufarbeiten wollten, dann würde Steve Buscemi als zwielichtiger Onkel in die Kamera näseln, Frances McDormand als sensible Ziehmutter zu Tränen rühren und der selige Charles Bukowski posthum die siffigen Saufgelage mit der fehlenden Brise Ekel verzieren. Die himmlische Julianne Moore würde als sympathische und drogensüchtige Nutte einen kurzen Auftritt haben und der Spielort San Francisco einer Beschreibung T.C. Boyles entsprechen. Den Soundtrack dazu würden selbstverständlich Fake Problems schreiben. Oder einfach ihre aktuelle Platte zur Verfügung stellen.

Denn in "It's great to be alive" steckt so viel Verrücktheit, dass die Realität dafür ein ganzes Level hintendran hängt. Das kalifornische Quartett kämpft mit sämtlichen Mitteln der Instrumentenkiste, hangelt sich mit Trompeten und Posaunen über ihr angerichtetes Schlachtfeld. So klingt der Soundtrack zum schleichenden Untergang des amerikanischen Traums wie die zynische Beschreibung einer verstörten, verkorksten Gesellschaft. Dass Punkrock, Reggae, Balkan-Pop, Disco, Blasmusik, Chanson und unvergessliche Melodien für solch ein Vorhaben mehr als nur Stilfragen sind, beweisen zwölf Songs, die so unberechenbar sind wie die Vergabe des Goldenen Bären.

Eben knattert die Stimme von Chris Farren zu Beginn des Kugelblitzes von "1234" noch gerade auf den Höhepunkt des Songs zu, dann steckt sie schon mitten im Beziehungsdrama "The dream team". Abbruch, Umbruch, Stilbruch: Das Staunen macht höllischen Spaß. Farren heult und kreischt zuweilen wie Adam Stephens von Two Gallants und hat dabei noch die gleiche Anzahl der getroffenen Töne pro Melodiebogen. Dass bei all dieser kalkulierten Zerstörung ein übergroßer, wahnwitziger Hit herauspurzeln kann, kann in der Zigeunerepik von " You're a serpent, you're a she-snake" nachgehört werden. Ziemlich gemein: Text und Musik.

Wer nach den ersten drei Songs dieser feurigen und uramerikanischen Platte noch nicht abgeschreckt ist, wird Bekanntschaft mit allerlei Wahnsinn machen, der mal mehr nach den Coen-, dann wieder mehr nach den Weitz-Brüdern schmeckt. Aus dieser schmalen Gratwanderung, die gerne auch mal den Schritt zuviel über die Klippe wagt, sticht vor allem das tumultartige "Level with the devil" heraus, das sich grinsend zwischen Abfall und Urin auf den Straßen Tijuanas suhlt. Verstörung ist das Gefühl, dass sich am Ende dieser Platte beim Hörer einstellt. Und der Versuch, das Gehörte in der empirisch begriffenen Kausalität einzuordnen. Man wird erkennen: Da muss jemand einen Pakt mit dem Teufel geschlossen haben.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • You're a serpent, you're a she-snake
  • Level with the devil
  • There are times

Tracklist

  1. 1234
  2. The dream team
  3. You're a serpent, you're a she-snake
  4. Don't worry baby
  5. The heaven & hell cotillion
  6. Level with the devel
  7. Diamond rings
  8. Tabernacle song
  9. Alligator assassinator
  10. There are times
  11. Too cold to hold
  12. Heart BPM

Gesamtspielzeit: 36:53 min.

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