Kelly Clarkson - All I ever wanted

Kelly Clarkson- All I ever wanted

RCA / Sony BMG
VÖ: 06.03.2009

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Der grüne Punkt

Nach ihrem persönlichen eiskalten "December" sucht Kelly Clarkson nun ihren zweiten Frühling. "All I ever wanted" lässt zwar Knospen erahnen, blüht aber noch lange nicht auf. Den Absturz in die Bedeutungslosigkeit verdankt Clarkson zuvorderst ihrer Stimme, die es trotz der Symbiose aus Wachmacher, Gefühlsoper und Arschtritt nicht verhindern kann, dass ihr neues Album in weiten Teilen zum Recyclingprodukt des Produzentenwustes ihres Vertrauens reift.

Das fängt bereits mit dem Opener, der Vorabsingle "My life would suck without you", an. Man hätte auch "Since u been gone - jetzt neu mit Wumms aus dem Drum-Computer" draufschreiben können. Hat man aber nicht. Möglicherweise, weil dieses Etikett auch zu "I do not hook up" gepasst hätte, das jedoch genauso gut als schwacher College-Rock der Marke Avril Lavigne durchgehen würde, gerade im Refrain. Besagter Song wurde, wie auch "Long shot", von Katy Perry geschrieben, und die im Netz kursierenden von ihr eingesungenen Demo-Versionen geben ihr oder wem auch immer Recht, die Titel an Clarkson abgetreten zu haben. Columbo trägt ja auch keine Jacke von Jack Wolfskin, und ebenso wenig mochten die Titel zu Perrys Stimme passen. Gleichbedeutend mit guten Songs ist das hingegen nicht.

Ab jetzt benötigt man den Aldi-Dreierpack Textmarker, um im Referenzsystem durchzusteigen: Das punkige "Whyyawannabringmedown", im Original von der eher unbekannten Rock-Band Aranda, gilt es ebenso anzustreichen wie "All I ever wanted" von der gleichen Formation und "If no one will listen", das ursprünglich von Keri Noble gesungen wurde. Man deklariere die Genannten ordnungsgemäß als Cover und greife anschließend für Recycle-Ryan zum Rotstift. Ryan Tedder, Frontmann von OneRepublic, ist zweifelsohne ein gefragter Songwriter. Zuletzt schneiderte er Leona Lewis den Welthit "Bleeding love" auf ihren übergeschminkten Leib und schrieb "Halo" für Beyoncé. Für Kelly Clarkson erübrigte Tedder leider nur das Inzucht-Produkt "Already gone". Dafür bedient sich "Save you" bei One Republics "Say (All I need) und "If I can't have you" bei Miley Cyrus' "Fly on the wall". Man hätte also durchaus innovativer sein können.

Ein entsprechender Versuch ist in komprimierter Form am Albumende zu finden: In "Ready" ziehen ein simples Keyboardspiel und ein leichter Country-Einschlag Aufmerksamkeit auf einen ordentlichen Popsong aus der "Breakaway"-Ära, ehe Synthies, Konserven-Drums und "Ahahah"s oder "Youyouyou"s das erzwungene Sixties-Pop-Stück "I want you" verhunzen. "If no one will listen" interpretiert Clarkson zwar sehr gut, aber ein Singer-Songwriter-Titel fühlt sich auf ihrem Album an wie Lukas Podolski im Bayern-Trikot. Und warum sie mitunter in Gitarrenwänden schwimmt, versteht wohl nur der Bademeister. Genauso, wie das Phänomen, dass dies bei "Don't let me stop you", dem überfülltesten Song der Platte, plötzlich funktioniert. Möglicherweise handelt es sich dabei um das Metzger-Prinzip: An der Fleischtheke beschweren sich auch die wenigsten, wenn die Waage zehn Gramm Salami zu viel anzeigt. Hier besteht die Salami aus einem Gitarrensolo, das über das ohnehin schon rockige Soundgemisch geklebt wurde. Mit dem vorhandenen Pianothema im Vordergrund hätte "Impossible" mehr geglänzt. Sollte sich wider Erwarten nicht jede Charttür öffnen, bleibt immer noch eine Mitgliedschaft bei den Grünen.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Don't let me stop you
  • Ready

Tracklist

  1. My life would suck without you
  2. I do not hook up
  3. Cry
  4. Don't let me stop you
  5. All I ever wanted
  6. Already gone
  7. If I can't have you
  8. Save you
  9. Whyyawannabringmedown
  10. Long shot
  11. Impossible
  12. Ready
  13. I want you
  14. If no one will listen

Gesamtspielzeit: 50:24 min.

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