The Whitest Boy Alive - Rules

The Whitest Boy Alive- Rules

Bubbles / Groove Attack
VÖ: 27.02.2009

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

House warming

Alles muss seine Ordnung haben. Im Leben wie in der Popmusik. Brav Schlange stehen, bis man dran ist, sich solange ruhig verhalten und dabei bitte nichts kaputtmachen. Weder die Studioeinrichtung noch die Herzen deiner Mitmenschen. Das war schon auf "Dreams" so, dem Debüt von Erlend Øyes Band, das die Abgezirkeltheit elektronischer Musik mit klassischer Besetzung aus Gitarre, Bass und Schlagzeug nachmodellierte, dabei zuweilen den kargen Charme des Frühwerks von The Cure rekapitulierte und mit "Burning" einen mittleren Indie-Hit abwarf. Ein Konzept, das zwar einige Lieblingslieder für sanftmütige Jungs und Mädchen ausspuckte, dem es auf Albumlänge jedoch an Spannung, Kanten und der kleinsten Spur aufrührerischen Charakters mangelte. Weniger Rock'n'Roll geht nicht.

Auch auf "Rules" pumpt die Rhythmusgruppe aus unaufgeregtem Drumkit und Brummelbass, während Neuzugang Daniel Nentwig seinem Rhodes-Piano mal kuschelig perlende Sounds, mal sonores Murmeln entlockt. Øye steuert dazu sparsame Farbtupfer aus der Gitarre bei und gibt gut gemeinte Ratschläge zu Leben, Liebe und dem Menschsein an sich: Geheimnisse immer für sich behalten. Nichts mit der Frau des besten Freundes anfangen. Ruhig mal etwas wagen, um zu gewinnen. Zugegeben: allesamt wenig revolutionäre Erkenntnisse. Aber es kann ja nicht schaden, von Zeit zu Zeit auch mal an diese erinnert zu werden.

Man sieht: Das Regelwerk von The Whitest Boy Alive ist ebensowenig kompliziert wie seine musikalische Umsetzung. Trotzdem geht dieses Album an vielen Stellen ans Herz und liefert Brennstoff für warme Gedanken in der kalten Jahreszeit. Da kann einiges noch so simpel gestrickt und die Soundauswahl teilweise käsig sein: Von "Rules" geht weitaus mehr magnetische Saugkraft und versonnen blinzelndes Vorfrühlingsgefühl aus, als die unspektakuläre Versuchsanordnung zunächst vermuten lässt. Da mag man kaum glauben, dass am Anfang der Überlegungen zur Band ein House-Projekt im Raum stand. Und doch schwingt in den knochentrockenen Popsongs oft die Reduziertheit von Dance-Musik mit. Mutwillige Mickrigkeit? Oder doch die hohe Kunst des Weglassens?

Bei dem, was nach dem Weglassen übrigbleibt, kann man immerhin sicher sein, dass es auch genau da hingehört. Die elektronischen Wölkchen, auf denen "Keep a secret" in dieses Album hineinschwebt. Die beständig im Hintergrund kokelnde Fläche, die "High on the heels" eine merkwürdig gespannte Nervosität verleiht. Das punktgenaue Miteinander von knappen Gitarrenschlägen und Keyboard-Nadelstichen, das "Dead end" hier am ehesten in die Nähe von "Burning" rückt. Gewiss: Für eine durchweg gelungene Platte reicht das noch nicht, auch wenn der Kontrast aus Betulichkeit und latentem Bewegungsdrang ein durchaus reizvoller ist. Aber immerhin für eine gemütliche House-Warming-Party, bei der sicher das eine oder andere Lieblingslied aufgelegt werden wird. Und The Whitest Boy Alive haben einige geschrieben.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Keep a secret
  • High on the heels
  • Dead end

Tracklist

  1. Keep a secret
  2. Intentions
  3. Courage
  4. Timebomb
  5. Rollercoaster ride
  6. High on the heels
  7. 1517
  8. Gravity
  9. Promise less or do more
  10. Dead end
  11. Island

Gesamtspielzeit: 43:49 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Olaf Schubert
2009-12-06 19:24:44 Uhr
Erlend ist Mitglied in einer schlagenden Burschenschaft.
peppey paloma
2009-12-06 19:16:06 Uhr
sie ihn dir an:

http://blog.iso50.com/wp-content/uploads/2008/07/erlendoye.jpg

der darf sich so nennen!
günther "negro" wallraff
2009-12-06 18:43:48 Uhr
"the whitest boy alive"

rassistischer geht es wohl nicht mehr oder?
Spice
2009-12-06 17:20:52 Uhr
Gestern schöne Show in Dortmund. Wirklich sympathische Truppe!
knaTTerton
2009-04-21 17:19:30 Uhr
Jemand nachher in Berlin dabei?
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