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Narziss - Echo

Narziss- Echo

Redfield / Cargo
VÖ: 20.02.2009

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Raus raus raus

Rosenkohl ist auch nicht mehr das, was er mal war. Plattentests.de ist sowieso nicht mehr das, was es mal war. Aber vor allem Heavy Metal ist nun wirklich nicht mehr das, was er mal war. Gestorben ist er sowieso schon viele Male. Nur unterzukriegen ist er nicht. Daran erinnern auch Narziss mit ihrer "Echo"-Platte. Narziss, die unüberhörbar Metal-Kinder sind, statt Kampfgebell und Coverposen in Lederhosen aber eher auf Selbstreflexion stehen. Und die statt dem drölften Aufguss oller Dark-Tranquility-/Iron-Maiden-Leads ihrer Wahl doch lieber ... wobei, manche Dinge ändern sich dann doch nie so ganz.

Man ahnt es auf "Echo" mehr als nur einmal: Eigentlich wollen Narziss raus. Raus aus diesem Ghetto. Weg von diesem Stigma, sie seien ebenfalls bloß eine weitere dieser gleich klingenden Von-der-Stange-Metalbands mit deutschen Texten, von denen es ohnehin schon entschieden zu viele gibt. Auch sie setzen auf eine Liste von Gastmusikern und Gastinstrumenten, die so lang ist, dass man sich mit ihr den Hintern abwischen könnte.

Doch mit all den Violinen, den Violoncellos und den guten Freunden dahinter kleistern sie nicht ihre ganze Platte voll, als ginge es darum, Leerlauf in den eigentlichen Songs zu kaschieren. Oder darum, lächerlich pompöse Intros aufzufahren, nach denen das folgende Geschredder noch kleiner aussehen könnte, als es ist. Narziss lassen ihre Gäste nur dann zu Worte kommen, wenn es ihrer Sache dienlich ist. Etwa, um in "Maskerade" eine Emo-Ballade dramaturgisch aufzuhübschen. Oder um auf diesem Album zu unterstreichen, dass man zumindest ideologisch ein wesentlich breiteres Feld beackert, als mancher auf das erste Ohr womöglich vermuten würde.

Dennoch ist "Echo" eine Platte der seltsamsten Gegensätze seit dem großen Dicken und seinem außerirdischen Kleinen. Die durchgängig in deutscher Sprache gehaltenen Texte erheben einen sprachlichen Anspruch, der über Plattitüden und Metalklischees hinausgeht, stoßen sich aber auch immer wieder an schief aufgehängten oder abgegriffenen Bildern. So gibt es bei Narziss eine ungehörte Liebe, die zuckt, und "aus dem Schatten in das Licht" gehen sie, wenn sie in "Mein neues Leben" einen Neubeginn wagen. Mit Abstand am merkwürdigsten ist jedoch: Trotz ihrem Anspruch knattern bei Narziss des öfteren die gleichen leidlich gut kopierten Göteborg-Gitarren wie bei allen anderen. Sie scheuen selbst davor nicht zurück, mit dem vorhersehbaren Wechselspiel zwischen Gekreische und Gesang die abgestandendste Ausrede ungezählter Metalcore-Bands für eine gute Songidee zu bemühen. Narziss wollen raus, das hört man. Ein Stück Strecke liegt allerdings noch vor ihnen.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Hoffnungslos
  • Maskerade

Tracklist

  1. Tränen
  2. Hoffnungslos
  3. Der achte Tag der Woche
  4. Ita est
  5. Mein neues Leben
  6. Beschlagene Gedanken
  7. Maskerade
  8. Rätsel
  9. Gewalt der Worte
  10. Mein brennend Herz
  11. Asche
  12. Perfektion

Gesamtspielzeit: 43:19 min.

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  • Narziss (52 Beiträge / Letzter am 26.06.2010 - 00:16 Uhr)

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