Heroes & Zeros - Strange constellations

Heroes & Zeros- Strange constellations

Redfield / Cargo
VÖ: 20.02.2009

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Wechselband der Gefühle

Erinnerungen werden wach, und zwar gänzlich unangenehme. "Zeros & Heroes" nannten Clawfinger ihr Album, als die Band es sich mal wieder nicht verkneifen konnte, einen rhetorischen Steilpass vor das Veriss-Tor zu spielen. Da machte dann das Einschieben kaum noch Spaß, vor allem, weil die Musik ein Paar fette Anführungszeichen verdient gehabt hätte. Warum also fordert eine junge Band die Spötter so heraus? Zumal sie sich quasi den gleichen skandinavischen Flecken Heimat mit Clawfinger teilt und eigentlich gewarnt sein müsste? Einfach so, weil sie es sich leisten kann. Wie auch die Smashing Pumpkins sich einen eher mäßigen Namen geben konnten, weil bei ihnen Musik und Auftreten über den Hohn erhaben waren. Womit sich der Kreis zu Heroes & Zeros schließt, die den Einfluss des Alternative Rock der Neunziger irgendwo zwischen amerikanischer Breitbeinigkeit und sprödem Indiesound wiedererwecken.

Fast könnte man meinen, die drei Norweger wären trotz ihres jungen Erwachsenenalters bereits geschlossen in den Wechseljahren. Verschwitzte Gitarren treffen auf unterkühlte, heiß jagt kalt in beinahe jedem Song. Die Hitze kommt dabei von den treibenden Wave-Klängen, die Kälte aus der skandinavischen Herkunft und den vereisten Gitarrenflächen. Wie nebenbei bringt dazu Sänger Hans Jørgen Undelstvedt die ausladenden gesanglichen Gesten eines Bono mit der schnodderigen Artikulation englischer Vorstadtaffen zusammen. Im Ergebnis klingt die Fjorde-Horde damit wie eine Stadion-Indieband mit nordisch-englischem Einschlag. "Headlong kicks" beispielsweise ist eines dieser aufgepowerten New-Wave-Stücke, das trotz seiner kühlen Tonart in der Indiedisco laufen würde. "Oslo fadeout", ein waschechter Hit englischer Prägung, konzentriert sich nur auf seine hitzige Rock-Wave-Combo, während sich "The foolproof" ganz und gar als unterkühlte, nachdenklichere Version von "With or without you" gefällt.

Selbst die famosen The Hives vermag man in "Cellophane" wiederzuerkennen, und der angeschrägte Gesang von "The thin line" sitzt ja auch wie eine britische Lederjacke. Ihre Hausaufgaben in Szenekunde und Stilmix hat die Truppe zweifellos gemacht. So trendy und eingängig "Strange constellations" aber auch sein mag, so viele Preise die Band in der Heimat gewonnen haben mag: Der letzte Ruck fehlt, der das durchweg gute Album über die Begeisterungsschwelle hieft. Gerne hätte man nicht nur im verschwommenen Outro "Do this right" etwas wirklich eigenes von der Band gehört. So gibt es zwar Sympathie und eine Handvoll Fleißkärtchen, die Liebe muss aber noch warten. In jedem Fall deutlich mehr als das, was Clawfinger noch zu erwarten hätten.

(Dennis Drögemüller)

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Highlights

  • Oslo fadeout
  • The foolproof
  • The argument

Tracklist

  1. Into the light
  2. A strange constellation
  3. Headlong kicks
  4. Oslo fadeout
  5. The foolproof
  6. The argument
  7. Cellophane
  8. Two more weeks
  9. The thin line
  10. Do this right

Gesamtspielzeit: 45:12 min.

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