The British Expeditionary Force - Chapter one: A long way from home

The British Expeditionary Force- Chapter one: A long way from home

Erased Tapes / Indigo
VÖ: 27.02.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Glühwürmchen

Justin Lockey legt man nicht so schnell aufs Kreuz. Sei es die Armada der Irrlichter, die er mit Yourcodenameis:Milo um sich herum scharrte, seine Arbeiten als Produzent für sein Hauslabel Erased Tapes oder eben die Verlegung der Truppen von The British Expeditionary Force vom ausgebrannten Festland ins saftige Grün des Internets - immer schien es zu heißen: Ein Mann, ein Sound. Nun aber lotet Lockey mit seinem aktuellen Projekt überraschenderweise die Schaffensgrenzen von Brian Eno, Radiohead und Sigur Rós aus, ergibt sich also entrückter Zartheit - und will vom Postcore-Sound seiner Ex-Band nie etwas gehört haben.

Um seine Intention zu unterstreichen, schickt Lockey einen Mythos in die Umlaufbahn. Und zwar den, mit Sänger Aid Burrows und Mitstreiter Robert Raths während der Aufnahmen ihres Debüts "Chapter one: A long way from home" niemals von Angesicht zu Angesicht gesprochen zu haben. Files, Sounds und Schnipsel gingen um die Welt, wurden Stück für Stück am PC zusammengesetzt. Das Ergebnis ist ein weißes Rauschen, ein tiefschwarzes Depressivum. Ein Entgleiten der Realität ins Unwirkliche und Verschwommene.

Das zaghafte Piano aus "Back to the hand" irritiert da nur minimal, schon steckt man bis zum emotionalen Zentrum der Menschlichkeit in traurigschönen Harmonien. Bis die ersten Beats einsetzen, hat man sich schon im Glühwürmchen-Treiben von "Throwing little stones" verlaufen, in dem man wie Alice fasziniert durch ein verstörendes Wunderland stolpert. Ein Fluss beginnt zu strömen, man schließt die Augen und lässt sich treiben. Bis man vom mechanischen Kraftwerk-Gewitter "A long way home" jäh aus seiner Hypnose gerissen wird.

Die Stärke von The British Expeditionary Force ist neben der schmelzenden Stimme von Aid Burrows die Sinnlichkeit und die Emotionalität, mit der man dieses Album unterlegt. Die Elektronik wirkt beseelt, das Knarzen belebt. Der Hörer erinnert sich an das große "Neon golden", wird eins mit dem Chor und "All those demons". Dann zerfließt er in der Nestwärme dieser ersten Reise der British Expeditionary Force und entschwindet leuchtend, empor in den sternenklaren Himmel.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Throwing little stones
  • All those demons

Tracklist

  1. Back to the hand
  2. Throwing little stones
  3. A long way from home
  4. The engine
  5. Lashing out
  6. All those demons
  7. Swallowed by anger
  8. A long way from home (Rival Consoles Remix)

Gesamtspielzeit: 32:22 min.

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