Phillip Boa & The Voodooclub - Diamonds fall

Phillip Boa & The Voodooclub- Diamonds fall

Constrictor / Rough Trade
VÖ: 13.02.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Glycerin

Selten klang Phillip Boas Beinahe-Pop so kompakt wie auf "Diamonds fall". Dies könnte daran liegen, dass der Voodooclub geschrumpft ist. Nur noch vier Leute gehörten zur Erstellungszeit des Albums zur nominellen Stammbesatzung. Neben Boa, dem alten Hansdampf in so ziemlich allen Indie-Gassen, und seiner ewigen Sirene Pia Luna waren dies immerhin durchaus prominente Gesellen: Vielzweckwaffe Tobias Siebert (Klez.E, Delbo) hatte schon den Vorgänger "Faking to blend in" gestriegelt, und Jaki Liebezeit war einst für den unnachahmlichen Krautgroove von Can verantwortlich. So viel Prominenz darf aber trotzdem nicht von der Hauptrolle ablenken. Denn die Mitte der Bühne gehört dem Herrn Arschloch so sehr wie zuletzt auf "Lord garbage", seinem einsamen Soloalbum von 1998.

Der Anfang drückt sich aber noch vor dieser Erkenntnis. Gleich das eröffnende Titelstück hat einen wunderbaren Blechschaden. Wenn Lunda zu schwerer Geigensynthetik losschwelgt, ist das schon wieder so ein hinterfotziger Popsong, wie ihn eigentlich nur der Wahl-Malteser hinbekommt. Die sachte blubbernden und zischelnden Beats von "Diamonds fall" greifen den 1996 auf "She" verlorenen Faden wieder auf, mit dem Boa sein Gefolge mit Elektro-Ecken vergrätzt hatte. Und werfen ihn wieder weg, weil Indietronica viel spannender ist, als es House je sein konnte.

Dass sich nach dieser Erkenntnis auf "Diamonds fall" gebremste Routine einstellt, ist natürlich auch ein Missverständnis. Der weiche Bass von "Valerian", der ein entfernter Cousin von "Diana" sein könnte, wandert an Liebezeits Offbeat und Boas Falsett-Versuch vorbei. Der Zickzack-Groove von "Fiat Topolino" meuchelt ein paar Italiener mit den Mitteln der Indie-Klasse von 2004, die ja doch nur das recyclete, was Boa Jahre zuvor miterfunden hatte. "The world has been unfaithful to me" mault zu allerlei Gezupftem und Gestrichenen auf einen Refrain zu, der fröhlich auseinander fällt. Und wenn "Lord have mercy with the 1-eyed" mit dicken Streichervorhängen wedelt, ist nicht ganz klar, warum gerade das die Single sein musste, aber derlei überkandidelte Melancholie ist trotzdem grundsätzlich schick.

Zwar wird in Lunds Abschiedsgruss "The ballad of Pia and Toett" erstmals deutsch gesäuselt, aber weil es dort angenehm klappert, verflüchtigen sich die Anett-Louisan.Assoziationen schnell wieder. Weitere Neuerungen zu Boas Klangwelt steuert "Diamonds fall" kaum bei. Die Beinahe-Ohrwürmer "The race is over" und "Coppergirl" scheppern ein wenig, und "60's 70's 80's 90's 10" stolpert angenehm ungelenk durch die Jahrzehnte. "Jane Wyman" bekommt jenen zickigen Brokat spendiert, den man einer verstorbenen Hollywood-Diva schenken möchte, wenn man eben Boa ist. Es könnte als Unentschlossenheit durchgehen, wenn die sorgfältig zerbeulten Songs dieses Mal liebevoller aufpoliert werden als gewohnt. Boa jucken solche Fehldeutungen ohnehin nicht. Er lässt lieber seine Lieblings-Ex ein paar schräge Abschiedsmelodien säuseln. Also zerfließt das bittersüße "Black light" ganz im Sinne jener eigenwilligen Theatralik, die Boas Melodien verbietet, sich ganz dem Pop hinzugeben. Auf echten Lärm hatte der Herr dennoch keine Lust. Deswegen ist das Einzige, das der geneigte Voodooclub-Anhänger vermisst, das Rumpeln der üblichen Frontalstampfer. Aber davon gibt's ja auf all den anderen Alben genug.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Diamonds fall
  • The race is over
  • Coppergirl
  • Black light

Tracklist

  1. Diamonds fall
  2. Valerian
  3. Fiat Topolino
  4. The world has been unfaithful
  5. Lord have mercy with the 1-eyed
  6. The race is over
  7. Jane Wyman
  8. Coppergirl
  9. 60's 70's 80's 90's 10
  10. The ballad of Pia and Toett
  11. DJ Baron Cabdriver
  12. Black light

Gesamtspielzeit: 49:24 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Hamburger
2009-10-05 11:10:33 Uhr
01. Sigh
02. Lord have mercy with the 1-eyed
03. Coppergirl
04. Fiat Topolino
05. 60’s 70’s 80’s 90’s 10
06. Moon
07. Jane Wyman
08. Valerian
09. Sleeper
10. The world has been unfaithful
11. Diamonds Fall
12. Burn all the flags
13. Albert
14. Diana
15. This is Michael
16. I dedicate my soul to you
17. Annie flies the love bomber
18. Container Love
19. And then she kissed her
20. Love on sale
21. Fine art in silver
22. Black Light
23. Kill your ideals


Bei dieser Setlist gehen einem doch schon die
Augen über ! SIGH / SLEEPER / MOON !!!
Lucky Spuck
2009-09-26 11:28:13 Uhr
Und wer mimt die Heulboje mit der blonden Perücke?
Hotte
2009-09-22 17:17:59 Uhr
Bald geht das endlich wieder los, nä?

3.10.HH / Übel & Gefährlich
8.10. Frankfurt / Batschkapp
9.10. Zwickau / Gasometer
10.10 Berlin / Astra
17.10. Düsseldorf / Zakk

Mit Jaki Liebezeit, mit neuem Gitarristsen uvm
:-)
Jane
2009-09-19 13:10:53 Uhr
Also, die neuen Songs sind ja ****** great!
Insbesondere Morse Code und We got something to hide sind 1A+ Perlen... Respekt, Herr Boa!
Member of Voodooclub
2009-09-18 06:43:29 Uhr
Neue Single/EP Jane Wymann wird heute am
18.09.09 veröffentlicht !

1.) Jane Wymann ( Radio Edit )
2.) Holly said
3.) Black light ( Radio Edit )
4.) Jazzy Freak and Sunday lunch
5.) Morse Code

6.) We got something to hide ( Bonus track
bei iTunes für insgesamt 3,99 € )

Der Kenner wird feststellen 3 bzw. 4 brand-
neue Songs - Jubel !!!
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