Pepi Ginsberg - Red

Pepi Ginsberg- Red

Park The Van / Rough Trade
VÖ: 20.02.2009

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Die Couchpantoffel

Ach, diese Herumtreiber - im Park rumlungern, ständig mit der Klampfe unterwegs und dann diese bunten Lappen, die sie sich um die Körper schlingen. Sollen sie sich doch endlich mal etwas Ordentliches suchen - Arbeit zum Beispiel oder sonst eine geregelte Beschäftigung. Geld verdienen, so wie es alle anderen schließlich auch machen. Doch nichts da! Ständig jagen sie ihren Ideen nach, rezitieren Gedichte, malen hier ein Bild, schreiben dort einen Song und träumen den lieben langen Tag nur so vor sich hin.

Pepi Ginsberg mag solche Vorwürfe schon öfter gehört haben, was die kleine Folksängerin aus Brooklyn aber nicht davon abhält, auf ihrem Debüt-Album "Red" ihrer gesammelten Kreativität freien Lauf zu lassen. Und aller spießbürgerlicher Vorurteile zum Trotz entspringt ihr hierbei allerlei Beachtliches: Schrullige Songs, auf das Wesentliche reduziert und in rohem Zustand belassen, wie sie nur das wahre Leben hergeben kann. Prägnant bleibt vor allem Ginsbergs heisere Stimme, bei der sich ständig die Frage aufdrängt, ob es denn nun der Alkohol oder der Schmerz ist, der das Organ so rau geschmirgelt hat. Beides vermutlich, denn ihre Welt ist die der Vagabunden, die sich mit Kaffee aus Pappbechern durch den Tag hangeln und es sich am allerliebsten auf der Couch bekannter Musiker bequem machen, um dort dann über die Irrsinnigkeiten des Alltags zu philosophieren, während draußen das Abendrot den Himmel überzieht.

Und so erzählt dann das schiefe "The waterline", untermalt von repetetiven Klavierklängen, vom befreienden Streifzug durch die Stadt, klagt "In my bones" mit bluesigem Anstrich und Bläserklängen über längst vergangene Beziehungen, während "Nothing more" sich aus der ruhigen Reflektion langsam in einen Toast auf die Zweisamkeit schaukelt: "So lay me down and don't talk too loud / There's a party downstairs, it's an awful crowd / Lest they get wind of what we're about / Oh, we're safe up here, unknown." "Shone like a reverie" surft auf einem wunderbar schrägen Akkord weit in die Indie-Ecke vor, während "The contortionist" ganz unfolkloristisch heftige Anleihen bei tanzbarer Beatmusik nimmt und sich "White white white" zum Abschluss noch einmal krachend in das Off schrubbelt. Lou Reed würde staunen.

Allerdings: So schön die oft aus dem Nichts auftauchende Zweitstimme von "Wind or degree" auch einsetzt, so gutgelaunt und authentisch sich all diese verschrobenen Songs anfühlen, so schnell erschöpft sich die schmale Instrumentalisierung teils doch wieder. Frau Ginsberg mag man deswegen sicherlich nicht von ihrem Sonnenplätzchen im Park verjagen oder gar zum Berufsberater schicken, aber zur gloriosen Tour auf den großen Bühnen der Welt fehlt dann doch etwas Feinschliff und Abwechslung. Aber es ist sowieso zu bezweifeln, ob die gute Frau solchen Pomp ihrem zwielichtigen Club an der (Couch)Ecke vorziehen würde.

(Tobias Wallusch)

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Highlights

  • The waterline
  • Nothing more
  • White white white

Tracklist

  1. Son
  2. The waterline
  3. The contortionist
  4. In my bones
  5. Nothing more
  6. Shone like a reverie
  7. Wind or degree
  8. Lately
  9. Ghosts of perdition
  10. White white white

Gesamtspielzeit: 43:29 min.

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  • Pepi Ginsberg (5 Beiträge / Letzter am 07.04.2009 - 10:39 Uhr)