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Sin Fang Bous - Clangour

Sin Fang Bous- Clangour

Morr / Indigo
VÖ: 06.02.2009

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Zwergenzauber

Bandnamen laden ja meist zu wilden Assoziationen ein: Tomte wurde wohl dem Kalauer zuliebe schon oft die Verwandtschaft zu einer Gemüsesorte angedichtet, entspringt aber ja eigentlich einem Lindgrenschen Kinderbuch. Bei MGMT mag manch einer an neumodische Automobilmodelle denken, letztlich hat man allerdings doch nur die Abkürzung für Management vor sich. Und auch bei Sin Fang Bous schweift die Fantasie erstmal in die Ferne: Ein mystischer Zauberspruch? Eine asiatische Kampfsporttechnik? Das "Shing Shang Shong" für Zischlaut-Vermeider mit Keuchhusten? Islandkenner werden hingegen gleich erkennen, dass Sin die Kurzform des Namens Sindri ist, der bei Musikkennern wiederum die Combo Seabear ins Gedächtnis rufen könnte. Und voilá, das Rätsel ist gelöst: Seabear Frontmann Sindri Mar Sigfusson gönnt sich nämlich mit Sin Fang Bous etwas experimentellen Auslauf.

Das Seabear-Debüt "The ghost that carried us away" sorgte 2007 für wohliges Kribbeln bei vielen Freunden folkiger Indieklänge. Und auch "Clangour" schlägt erstmal in die gleiche Kerbe: zurückhaltender Gesang, sanfte Instrumentalisierung und hier und dort ein sentimentales Banjo. Neu aber ist all dieses Gefiepse und Geknarze, das so klingt, als ob sich Sigfusson eine kleine Zwergenfamilie mit ins Studio geholt hätte, die dort nun munter darauf los musiziert. Und da solche Zwerge bekannterweise ganz schön eigensinnig sind, bleibt von gängigen Songstrukturen manchmal nur wenig übrig. Vielmehr beginnen die fragmentarischen Stücke recht unvermittelt und werden von träumerischen Melodien weit ins glitzernde Zauberland davongetragen.

Meditative Duftstäbchen oder andere esoterische Schwelgereien sind da in der Tat gar nicht mehr so fern, wenn beispielsweise in "Clangour and flutes" ein Specht zu schnäbeln scheint oder sich "Poirot" in einer Unterwasserwelt abstrampelt. Auch die kindliche Naivität der Stücke mit Glockenspiel und Flötenklang trägt ihren Teil dazu bei. Das Plattenhighlight "Sunken ship" sowie das folgende, erdige "Melt down the knives" bleiben dabei zwei durchaus wohltuende Ausnahmen, die wieder etwas mehr Bodenhaftung beweisen. Zumindest bis zu dem Punkt, an dem die Zwerge wieder lospoltern und Gedanken ebenso wie Klängen freien Lauf lassen.

Oft mag man Sigfusson und den Seinen dabei auch folgen, mit einem Lächeln auf den Lippen ob all dieser warmherzigen Wunderdinge, die da aus dem Lautsprecher schwirren. Teils verliert sich die Musik und mit ihr der Hörer aber auch etwas in all dieser entkoffeinierten Plauschigkeit, die ja sicherlich nur sanft umarmen möchte, dabei aber doch auch einen leicht narkotisierenden Effekt ausübt. "Süß", mag man deshalb zunächst enthoben seufzen - um sich dann doch lieber erstmal eins von den Zwerglein zu schnappen, um zu schauen, ob ihnen etwas nachdrückliches Durchrütteln nicht doch noch einen bissigeren Ton entlocken kann.

(Tobias Wallusch)

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Highlights

  • Sinker ship
  • Melt down the knives
  • We belong

Tracklist

  1. Advent in Ives garden
  2. The jubilee choruses
  3. Catch the light
  4. Sinker ship
  5. Melt down the knives
  6. Clangour and flutes
  7. We belong
  8. Carry me up to smell pine
  9. A fire to sleep in
  10. Fafafa
  11. Poi rot
  12. Lies

Gesamtspielzeit: 42:37 min.

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