Buraka Som Sistema - Black diamond

Buraka Som Sistema- Black diamond

Enchufada / Fabric / PIAS / Rough Trade
VÖ: 13.02.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Alles fürn Arsch

Leidet Jean-Claude van Damme unter Cellulitis? 1989 jedenfalls noch nicht. Denn angeblich ist der Name für den Tanz- und Musikstil "Kuduro" von einer Szene aus dem van-Damme-Film "Kickboxer" inspiriert worden. Dazu muss man selbstverständlich wissen, dass "Kuduro" portugiesischer Slang ist und "harter Arsch" bedeutet. Der ist auch eindeutig von Vorteil, wenn man sich das Video zu "Sound of Kuduro" vom Buraka Som Sistema anschaut. Darin vollführen in den Ghettos der angolanischen Hauptstadt Luanda einige professionelle Kuduro-Tänzer Dancemoves, nach denen jeder Normalsterbliche eine neue Hüfte bräuchte. Wenn er seine Gliedmaßen denn jemals wieder sortiert bekäme.

Dass Kuduro überhaupt den Weg aus der ehemaligen portugiesischen Kolonie in europäische Clubs gefunden hat und dort wie schon seine Ghettoverwandten Kwaito und Baile Funk euphorisch aufgenommen wird, hat die Musik vor allem besagtem Buraka Som Sistema zu verdanken. Allerdings ist es eine Art Kuduro 2.0, die DJ Riot, Lil' John, Conductor und MC Kalaf Ângelo, die das Projekt 2006 in Buraca, einem Vorort Lissabons, gegründet haben, auf ihrem zweiten Album „"Black diamond"“ präsentieren. Denn entstanden ist der Stil eigentlich schon in den frühen Neunzigern, als in Luanda die Kids begannen, nach westlichem Muster House- und Techno-Tracks zusammenzubasteln, die dank des afrikanischen Backgrounds jedoch sehr viel hüpfender und perkussiver klangen als die Vorbilder und zudem von aggressiven Raps gekrönt wurden. Begeistert von der ungebändigten Rohheit der Tracks mischen Buraka Som Sistema diesem Ur-Kuduro Elemente aus Baile Funk, Grime, Jungle und noch einem halben Dutzend anderer Stile bei, packen ein paar zusätzliche Booty-Bässe drunter, und schon gibt’ es auf den Tanzflächen kein Halten mehr.

Auf diffizile Soundexkursionen und die in Elektronikkreisen gerne beschworene Deepness braucht man daher auch gar nicht zu warten. "Black diamond" findet seine Erfüllung trotz einiger im Subtext versteckter politischer Botschaften ausschließlich in der ausgelassenen Party. Daran lassen schon die ersten vier Tracks keinerlei Zweifel aufkommen. "Sound of Kuduro" mit dem Kuduro-DJ Znobia und M.I.A. als Gästen scheucht einer Alarmanlage gleich mit dem typischen tribalartigen Trommeln und überall verteilten, hysterischen Sounds alles auf, was Beine hat, die einem "Aqui para voces" mit dicker Bassline gleich wieder wegsenst. "Kalemba (Wegue-wegue)" gibt sich nur eine Nuance gemäßigter, wenn es sich mit der Machete den Weg durch den Urwald zu bahnen scheint. Der pure Stress für Menschen, denen in den Neunzigern schon Jungle viel zu hektisch war.

Erst in der Albummitte kehrt für einen Moment Ruhe ein, der aber auch nur dazu genutzt wird, ein neues Magazin einzulegen. "IC19" eröffnet als Mischung aus Flying Lotus und einer Dubstep-Nummer mit rausgedrehtem Bass erneut das Feuer, um sich dann doch für die frühen The Prodigy zu entscheiden. Und kurz darauf beginnt "General" wie eine karibische Steeldrum-Kombo, ehe wieder der Derwisch aus der Torte springt. Hintenraus gibt es mit "YAH!" dann noch den ersten, an bleepende Warp-Releases der frühen Neunziger erinnernden Hit und mit "Skank & move" eine von Dubstep-Sounds beeinflusste Nummer, durch die ein unbekannter Stamm in Kriegsbemalung tanzt.

So geht es rauf und runter, hin und her wie bei einer Horde Sechsjähriger, die der Wohnzimmertapete mal ein neues, grelles Muster verpassen. Dessen einziges Manko ist denn auch, dass es ein paar mehr Zwischentöne gebrauchen könnte. Denn "Black diamond" ist ohne Zweifel eine Platte voller Hits. Aber wie alle ausschließlich auf den Dancefloor ausgerichteten Alben sorgt es in seiner Plakativität recht schnell für Ermüdungserscheinungen. Kuduro ist eben unnachgiebig und hart - so wie der Arsch von Jean-Claude van Damme.

(Harald Jakobs)

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Highlights

  • Sound of Kuduro
  • Kalemba (Wegue-wegue)
  • YAH!

Tracklist

  1. Luanda-Lisboa
  2. Sound of Kuduro (feat. DJ Znobia, MIA, Saborosa, Puto Prata)
  3. Aqui para vocês (feat. Deize Tigrona)
  4. Kalemba (Wegue-wegue) (feat. Pongolove)
  5. Kurum
  6. IC19
  7. Tiroza (feat. Bruno M)
  8. General
  9. YAH! (feat. Petty)
  10. Skank & move (feat. Kano)
  11. D...d...d...d...jay (feat. Petty)
  12. New Africas pt.1
  13. New Africas pt. 2

Gesamtspielzeit: 51:53 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
azo0oz
2009-11-16 19:41:34 Uhr
how i can download
Two-Headed Boy
2009-04-04 15:24:32 Uhr
Kalemba find ich gut, geht ordentlich in die Beine.

Wegue Wegue Wegue
Dän
2009-02-05 16:35:21 Uhr
Ich find's irgendwie unhörbar, aber trotzdem ganz gut. Weiß auch nicht.
Bär
2009-02-05 14:58:03 Uhr
Der Track mit MIA geht schonmal gut ab, Yah kennt man ja schon von der EP, den Rest kenn ich NOCH nich
Mixtape
2009-02-05 10:56:00 Uhr
Bei luisterpaal jetzt im Stream zu hören.
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