Sarah Slean - The baroness

Sarah Slean- The baroness

Warner
VÖ: 30.01.2009

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Beflügelt

Ist das dreist, geschickt, längst überflüssig oder gar prophetisch, was Sarah Slean hier macht? Sie inszeniert die Adelung ihrer (Bühnen-)Figur mit dem Albumnamen "The baroness" und präsentiert sich im Booklet auf einem altmodischen, verzierten Stuhl, der ebenso gut als Miniaturausgabe eines Throns durchgeht. Die Reduziertheit erklärt sich im Titel selbst. Baron(in) ist ein eher niederer Adelstitel. Das macht Slean in diesem Fall nicht zur marginal selbstüberschätzten, sondern einer sympathisch selbstbewussten Frau. Sie hätte sich ja auch mit einem schicken Hut fotografieren lassen können und das Album "The queen" nennen können oder im weißen Gewand für "The godess" posieren. Aber sonst ginge vermutlich die Bodenhaftung verloren, die Slean auf "The baroness" mit dem Alltagsthema Nummer eins, Liebe, an den Tag legt.

Was sendet ihre Baronin für Botschaften an das niedere Volk? Nun, Maßhaltung, genau das also, was Slean auch mit ihren Arrangements veranstaltet. Die Instrumente sind keine Glanzlichter, die alles überstrahlen sollen, Slean macht sie sich aber auch nicht Untertan. Stattdessen fährt sie im Energiesparlampenmodus durch zwölf Songs mit unaufdringlicher und doch wertvoll akzentuierter Instrumentierung. "Goodnight trouble" kostet den Saxophonisten Richard Underhill kein überflüssiges Lungenvolumen; dezent pustet er ins Röhrchen. So dezent wie auch die Orgel auf "The baroness" immer wieder auftaucht und verschwindet.

Das ist Effizienzklasse A+++, weil die Songs dadurch enorm gewinnen. Und da ist das Piano nicht einmal erwähnt, das Slean behandelt wie Tine Wittler einen Dekoelch aus Hartplastik - mit Gefühl. "So many miles" ist seit Sara Bareilles' "Love song" die schönste Pianopowerpop-Nummer einer weiblichen Sängerin, kämpft in punkto energischster Song aber hart mit "Sound of water/Change your mind". Letzterer kann wie "Hopeful hearts" die Spuren von Tori Amos nicht verwischen, während in "Get home" Sarah McLachlan mal eben Vornamen und Rang abgelaufen bekommt: "To me you're just a tourist / You've got to stand next to the real ones / But you know you'll never be one."

Der Fragen bleiben dennoch viele: Warum freut man sich über jedes gesungene "Exile" in "Notes from the underground"? Warum entlockt einem "Euphoria" wirklich ein zufriedenes Lächeln? Warum empfindet man "Please be good to me" nicht einfach träge? Warum sieht man über den, trotz Background-Vocals von Ron Sexsmith recht plumpen Warten-auf-Mr.Right-Text ("But I know when I find him / It will feel like home") in "Looking for someone" hinweg? Weshalb wirkt es wirklich beflügelnd, wenn sich Slean an die Tasten ihres Flügels setzt? Die Antwort aller Fragen liegt im Düsteren von Sleans lieblicher Stimme. Traget ihre Theatralik im Herzen und verbeuget Euch - es spielt die Baroness.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Euphoria
  • Goodnight trouble
  • Sound of water/Change your mind
  • So many miles

Tracklist

  1. Hopeful hearts
  2. Get home
  3. Euphoria
  4. Goodnight trouble
  5. Notes from the underground
  6. Sound of water/Change your mind
  7. No place at all
  8. Please be good to me
  9. Willow
  10. So many miles
  11. Shadowland
  12. Looking for someone

Gesamtspielzeit: 46:43 min.

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