Sia - Some people have real problems

Sia- Some people have real problems

Concord / Universal
VÖ: 30.01.2009

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Latte macchiato

Wenn man Sia Furler sieht, ist sie käseweiß. Das milchgesichtige Äußere der australischen Sängerin verblüfft jedoch, sobald sie den Mund aufmacht und singt: Plötzlich ist sie schwarz, tiefschwarz. Ihr Timbre ist so voll und sonor, dass der Weg zu Erykah Badu, Lauryn Hill oder Tracy Chapman nicht mehr weit scheint. Erst recht nicht, weil Sias drittes Soloalbum "Some people have real problems" sich deren Schaffen zum Vorbild nimmt für seine Version von anschmiegsamem, stimmbasierten und radiotauglichem Soulpop. Zappelige elektronische Spielereien, die Sias Stimme zuvor schon als Sängerin von Zero 7 veredeln durfte, sucht man ebenso vergebens wie spartanische Akustikstücke. Stattdessen verströmen die 13 Songs kuschelige Nestwärme. Der Soundtrack zum sonntäglichen Nachmittagskaffee auf der Couch bekommt also Zuwachs. Vorausgesetzt, man duldet soviel behutsam kalkulierten Wohlklang dort überhaupt.

Locker und entspannt steigt das Album mit "Little black sandals" ein, sanft wiegt der Beat vor und zurück, während Sia einen wunderschön beiläufigen Refrain über das Fortschreiten des Lebens darüber legt. "Lentil" fußt auf dem selben Grundgerüst, gibt sich aber mit Glockenspiel und Walzertakt verspielter dem wohligen Herzschmerz hin. Die kleinen und größeren Beliebigkeiten hätten jedoch nicht sein müssen, so hat Sia die zu glatt gebügelte Single "Day too soon" bei einem guten Dutzend Kolleginnen gleichzeitig abgeschaut. Mit "I go to sleep" hätte sie sich in den Neunzigern dagegen problemlos für einen James-Bond-Titelsong empfehlen können. "Soon we'll be found" schließlich schwelgt als funkelndes Prachtstück des Albums in seiner sauber inszenierten Streicher-Romantik und der rührenden Melodie des Refrains. Davor und danach kann man leider aber auch beobachten, wie die Songs im Album-Gleichschritt gelegentlich wegdösen. Ab und an franst Sia die Wortenden außerdem ebenso unnötig aus wie seinerzeit Oktaven-Quälgeist Mariah Carey.

"Some people have real problems" hätte letztlich durchaus noch mehr Spiel- und Experimentierfreude vertragen können. Mancher Song versinkt im Sumpf der gewollten Homogenität, und häufig ist die uneindeutige Strophe nur der pflichtschuldige Weg zum besseren Refrain. "Beautiful calm driving" fällt unter seinen Geschwistern nicht einen Deut auf, lehnt sich aber dennoch zweimal dunkel und kraftvoll gegen die Sanftmut auf. Wer sich allerdings "Indie" auf die Gehirnwindungen hat tätowieren lassen, sollte sich aufgrund des drohenden Kommerzschocks von Sia fern halten. Auch wenn es der GEZ nicht gefallen wird: Dieses Album ist ein vernünftiger Grund, schwarz zu hören.

(Dennis Drögemüller)

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Highlights

  • Little black sandals
  • Lentil
  • Soon we'll be found

Tracklist

  1. Little black sandals
  2. Lentil
  3. Day too soon
  4. You have been loved
  5. The girl you lost to cocaine
  6. Academia
  7. I go to sleep
  8. Playground
  9. Death by chocolate
  10. Soon we'll be found
  11. Electric bird
  12. Beautiful calm driving
  13. Lullaby/buttons

Gesamtspielzeit: 59:26 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
U.R.ban
2009-05-10 16:46:36 Uhr
Das ist doch mal Mut zur Hässlichkeit.
Auf jeden Fall a netter Ohrwurm...
Leatherface
2009-02-07 21:45:23 Uhr
Breathe me vom Vorgänger-Album ist unglaublich. Da kann von der Neuen kein einziger Song auch nur ansatzweise mithalten. Die 6/10 gehen schon in Ordnung.
Mr. Rail
2009-02-07 21:42:48 Uhr

6/10 ist echt zu wenig für dieses starke Album,

... imho 8/10!
calamares
2009-02-03 16:12:13 Uhr
gestern in FM4 heartbeat erstmals gehört.
schönes popalbum anscheinend.
Leatherface
2009-02-02 15:19:57 Uhr
Schöner Artikel von SpOn. Scheint eine interessante Persönlichkeit zu sein.
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