The Great Bertholinis - Planting a tree next to a book

The Great Bertholinis- Planting a tree next to a book

Hazelwood / Indigo
VÖ: 06.02.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die Geheimniskrämer

Geheimnisse - jeder hat welche und je wichtiger eine Person ist, desto mehr muss sie sich von ihnen bewahren. Manche versuchen zu verheimlichen, dass sie in Wahrheit Single oder zumindest beziehungsunfähig sind. Peter Licht versteckt sein ganzes Gesicht. Und wieder andere verschleiern gleich ihre gesamte Herkunft. Ist das noch Selbstschutz oder schon Selbstinszenierung? Dieser Frage müssen sich auch The Great Bertholinis stellen. Die haben alle komplizierte Namen und behaupten, sie kämen aus einem kleinen Dorf in Ungarn. Und den Nachnamen haben die acht Jungs angeblich von ihren einst im Zirkus musizierenden Ahnen geerbt.

Ist aber alles mehr Schein als Sein, und statt beim fahrenden Volk sind sie höchst wahrscheinlich in Deutschland zuhause. Einerseits stellt sich natürlich die Frage, warum eine Band sich eine falsche Identität zulegt. Andererseits stricken sie sich ihr Kostüm so perfekt, dass es einfach eine ziemlich gute Masche ist, die sie da durchziehen. Und das vor allem auf musikalischer Ebene. The Great Bertholinis wollen nicht besonders sein, sie sind es einfach. Die ersten Klänge auf "Planting a tree next to a book" hören sich an, als würde weit draußen in der Puszta jemand eine Gitarre zum Zittern bringen. Mit viel Liebe für Details und Tradition nimmt die ungarische Sippe einen sofort in ihren Clan auf. Was aber auch daran liegt, dass sie vor musikalischer Neuentwicklung nicht zurückschreckt, und so schwingt neben Polka, Walzer und Ska auch Pop und Singer-/Songwritertum mit. Zusammen klingt das schon beim ersten Hören vertraut und altbekannt, ohne sich jedoch in eine Reihe zu stellen mit allem, was schon da gewesen ist. Auf den ersten Höreindruck eher ruhig und melancholisch, entpuppt sich das zweite Album der Schein-Ungaren als wunderbar vielseitig arrangiert. Kein schwermütiger Klotz am Bein, sondern eher eine chronische Herzmassage, die immer dann aussetzt, bevor das Doppelherz entsteht. Dazu dann Bläser soweit die Ohren hören.

Zum dynamischen "The waltz & the failure" springen die Füße automatisch im Ska-Rhythmus, der Kopf nickt, und der Mund singt den Text fast schon beim ersten Hören fehlerfrei mit. Im Kontrast dazu steht das traurige "I'll be fine". Da weinen die Bläser und die Stimme, und es ist klar, dass in nächster Zukunft erst mal nichts in Ordnung sein wird. Neben solchen Songs, die vor Melancholie einige Dosen Hoffnungslosigkeit versprühen, schlüpft "Someday someone" hingegen wie ein Küken aus dem Ei. Zunächst noch verhalten tasten sich die Bläser ihren Weg nach vorne, um dann nach und nach das Orchester zu erweitern, zu animieren und die Stimme auch mal ins Falsett zu jagen. Das Orchester zündet ein Feuerwerk, und es bleibt wunderbar lässiger Pop zurück. "Everybody's fault" ist dann wieder ein cooler Springinsfeld. Hymnisch und gitarrendominiert macht "Whispering fools" den leisen Abschluss. Die imaginäre Zirkusarena ist zu diesem Zeitpunkt bereits voll besetzt. Und die Zuhörer beeindruckt, wie schön die Band da unten in ihren Geheimnissen kramt.

(Natascha Leo)

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Highlights

  • The waltz & the failure
  • I'll be fine
  • Someday someone
  • Whispering fools

Tracklist

  1. Time machine
  2. Dead memories
  3. The waltz & the failure
  4. I'll be fine
  5. For the years
  6. Someday someone
  7. Theme from the kin diary
  8. Everybody's fault
  9. Farewell goodbye
  10. Guest conductor
  11. Whispering fools

Gesamtspielzeit: 40:45 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Raventhird
2009-02-04 21:58:39 Uhr
Daumen hoch, die Platte ist wirklich toll. Wie eine Zirkusband, die Indie-Songs spielt.
peppey paloma
2009-01-30 16:21:57 Uhr
danke, werd mal reinhören.
mkf
2009-01-30 14:45:25 Uhr
habe die 2007 in wü auf dem u&d gesehen und auch schon vorher ein paar lieder von denen gekannt. waren live sehr toll. und so was ich vom alten und vom neuen kenne, gefällt mir das alte zeug noch etwas besser ("clowns" und "no one knows" sind ja auch auf der myspace seite vom alten album auf der myspace seite und bei last.fm sind noch mehr frei hörbar vom alten )
peppey paloma
2009-01-30 13:59:39 Uhr
nanu? noch kein thread dazu?

hab die band erst durchs letzte update hier kennengelernt. die lieder auf myspace hören sich auch ganz nett an. ne mischung aus kaizers orchestra, the last shodow puppets und tom waits. irgendwie ein netter mix verschiedener stile.

das ist ja ihr zweites album. kann wer etwas zum debut sagen? lohnt sich der kauf von einem ihrer alben?
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