Franz Ferdinand - Tonight: Franz Ferdinand

Franz Ferdinand- Tonight: Franz Ferdinand

Domino / Rough Trade
VÖ: 23.01.2009

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

24 Stunden Nacht

Der Legende nach steht bei Franz-Ferdinand-Konzerten immer eine Flasche Whisky auf der Bühne, seit sich die Band vor einigen Jahren mal in aller Liveshow-Öffentlichkeit die Fäuste um die Ohren gehauen hat. Ein selten dämliches Rock'n'Roll-Klischee, natürlich, aber eins auch, das viel aussagt über die Art, wie Probleme bei Franz Ferdinand gelöst werden. Die Flucht nach vorne ist hier schon immer der beste Ausweg gewesen: Als man sie nach dem außerordentlichen Erfolg ihres Debütalbums unter Druck gesetzt glaubte, schoben Franz Ferdinand so schnell wie möglich eine zweite Platte hinterher, die genauso gut und reuelos und überschwänglich war wie die erste. Und dreieinhalb Jahre später jetzt, wo der Kickstart-Bonus endgültig aufgebraucht ist, machen sie einfach wieder das, was sie am besten können. Sie feiern eine Party.

Franz Ferdinand selbst preisen "Tonight: Franz Ferdinand" als ihr hedonistisches Album an, die Platte, mit der sie die Nacht zum Tag machen. Da fragt man sich als Außenstehender natürlich: Was sollen denn dann die ersten beiden Alben gewesen sein? Ging es bei Franz Ferdinand nicht immer schon um 24-Stunden-Nächte, den fließenden Übergang von der letzten Party in die nächste und einen allgemeinen Eskapismus, den auch so tolle Balladen wie "Eleanor put your boots on" nicht aushebeln konnten? Die Enttäuschung darüber, dass sich die Band mit der immer wieder als karrierekritisch bezeichneten dritten Platte nicht neu positioniert, vier schlauen Männern von Ende 20 bis Mitte 30 nicht mehr einfällt, als unbedingt jung zu bleiben, ist allerdings schnell verflogen. Viel schwerer wiegt nämlich, dass Franz Ferdinand erstmals auch in ihrer Paradedisziplin patzen.

Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass Franz Ferdinand noch immer den Festzelt-Rock in gut veranstalten, den die Kaiser Chiefs in schlecht machen - wenn sich auf "Tonight: Franz Ferdinand" aber ein neuer Hang zu Detailspielchen und Klein-Klein-Gehabe offenbart, dann vor allem deshalb, weil ihn die Songs nötig haben. Franz Ferdinand wissen, dass ihnen diesmal nichts eingefallen ist wie der plötzliche Ruck, der durch "Take me out" fährt, das angeheftete Deutschkurs-Ende von "Darts of pleasure" oder der Kulisseneinsturz vor dem Refrain von "This fffire". Der Punch also muss anderswoher kommen, und so sind es eben das gewitzte Zusammenspiel von Orgel und Bass in der zweiten oder die beiden Gitarrensoli in der dritten Minute, auf die sich ein Stück wie "Send him away" verlässt. Clever, genau wie das end- und menschenlose Elektro-Outro von "Lucid dreams", das mit dem Song davor nichts zu tun hat. Aber nicht aufregend.

Bevor "Tonight: Franz Ferdinand" mit dem chaotisch klingelnden und fiependen "Dream again" und dem akustischen Selbstliebeslied "Katherine kiss me" endet - zwei Songs ohne Zug und Tempo, die im Albumkontext deshalb wenig verloren haben, aber auch nicht beharrlich genug sind, um die Platte noch mal in eine neue Richtung zu lenken - kriegt die Band aber doch noch die Kurve. "Bite hard" krönt sein Klavierintro mit einem klassisch-hartnäckigen Franz-Ferdinand-Rocksong, und "What she came for" findet sogar echte Raserei, zumindest in seinem Alles-über-Bord-Finale. Gleichzeitig legt dieser mit "Helter skelter"-Chor prima vorbereitete Freakout sehr schmerzhaft offen, dass Franz Ferdinand diesmal nicht die Puste hatten, um das Album zu machen, auf das sie hinaus wollten. Sie werden eben doch nicht jünger - genau wie ihre zahlreichen, weiterhin chancenlosen Epigonen, zum Glück.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Send him away
  • Bite hard
  • What she came for

Tracklist

  1. Ulysses
  2. Turn it on
  3. No you girls
  4. Send him away
  5. Twilight omens
  6. Bite hard
  7. What she came for
  8. Live alone
  9. Can't stop feeling
  10. Lucid dreams
  11. Dream again
  12. Katherine kiss me

Gesamtspielzeit: 42:38 min.

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User Beitrag

Felix H

Postings: 3000

Registriert seit 26.02.2016

2018-01-15 10:19:35 Uhr
Ich gebe zu, ich find den Schlussteil gut. Dafür hatte man am Anfang einfach die vorherige Version des Songs nehmen sollen. Der neue Refrain ist lahm. Und der Übergang zum ersten Refrain klingt wie schlecht geschnitten.

Kann ich nach erneutem Hören noch mal bekräftigen. Wenn der Refrain einsetzt, hört man förmlich die angesetzte Schere. Single-Version plus Elektro-Outro wäre toll gewesen.

Ansonsten fällt schon auf, wie zahm vieles ist, wenn man vorher die ersten beiden Platten gehört hat.
qwertz
2009-07-31 19:40:58 Uhr
Nach langer Zeit mal wieder gehört. So als reine Unterhaltungsmusik, wenn man sich nen netten Abend machen möchte, einfach gut gelaunt ausgehen will oder auf dem Weg zur Feier ist, ist dieses Album meines Erachtens bestens geeignet, wie ich kürzlich feststellen müsste. Klar, die lüsternen, recht einseitigen, aber nicht abgedroschenen Texte können nervig sein, der Groove, die Melodien und die Refrains überzeugen mich aber total. Im Gegensatz zu meinem Vorredner, finde ich das Album auch nicht durchwachsen, sondern sehr einheitlich, gleichförmig und alle Songs auf ähnlichem Niveau (die meisten 7/10).
So auch meine Wertung, wenn ich's mir privat anhöre ne knappe 7/10, aber so als abendliche Einstimmung und in angenehmer Gesellschaft, wirkt es auf mich nochmal wesentlich besser.
Demon Cleaner
2009-05-23 15:32:03 Uhr
Nach mehreren Durchläufen:

01. Ulysses (8/10)
Sehr ordentlicher Einstieg, auch wenn die Vorabsingles der Vorgänger etwas mehr gekickt haben.

02. Turn It On (5/10)
Rauscht durch, ohne auch beim x-ten Hören wirklich hängenzubleiben.

03. No You Girls (5/10)
Geht zwar okay, ist aber eigentlich nur furchtbar standardmäßig mit Schablone. Immerhin ein kleiner Ohrwurm.

04. Send Him Away (4/10)
Highlight? Für mich eher der dritte Durchhänger in Folge. Auch hier bleibt gar nix hängen.

05. Twilight Omens (6/10)
Einmal bis hier geschafft, geht es plötzlich doch noch. "Twilight Omens" ist zwar nichts besonderes, fasst sich aber auch angenehm kurz.

06. Bite Hard (8/10)
Bitte, es geht doch. Auch der hier erreicht nicht das Niveau der vorigen Singles, würde aber qualitativ auch auf die Vorgänger passen.

07. What She Came For (8/10)
Toll.: der Freakout-Teil am Ende.

08. Live Alone (9/10)
Bis zum 8. Song muss man warten, aber jetzt kommt endlich einer, der auch auf dem Debüt eine gute Figur gemacht hätte. Weil es hier neben dem Groove auch eine tolle Melodie gibt und die sind ansonsten hier eher rar.

09. Can't Stop Feeling (6/10)
Wieder ein paar Elektrospielereien. Mehr Interessantes gibt es hier aber nicht.

10. Lucid Dreams (7/10)
Ich gebe zu, ich find den Schlussteil gut. Dafür hatte man am Anfang einfach die vorherige Version des Songs nehmen sollen. Der neue Refrain ist lahm. Und der Übergang zum ersten Refrain klingt wie schlecht geschnitten.

11. Dream Again (7/10)
Irgendwie sinnlos. Aber ich mag es sogar, auch wenn es nicht zum Rest passt.

12. Katherine Kiss Me (5/10)
*plätscher*

Stark durchwachsenes Album, daher ist die hier vergebene 6/10 vollkommen angemessen.
Der subjektive Eindruck leidet vor allem darunter, dass sich die schwachen Tracks am Anfang ballen und nicht übers Album mal verteilt sind.
JaRaDa
2009-04-27 21:20:16 Uhr
Wie die dritten Alben von Maximo Park und Art Brut: Nett, lässt die Hoffnung auf noch ein richtig gutes Album nicht schwinden, aber so richtig brauchen tut die Alben wohl niemand.
RedHotGsus
2009-04-27 21:12:43 Uhr
muss nach ausgiebigen hören sagen, dass es zwar kein zweites Franz Ferdianand ist, und ihr Debut auch weiterhin von ihnen unübertroffen bleiben wird, jedoch hätte ich zumindest eine 7/10 gegeben. Ulysses und Bite Hard sind zwei Gassenrocker wie man es gewohnt ist, und die restlichen Songs sind auch sehr solid. bis auf die letzten beiden und das Elektrogeplänkel am Schluss von Lucid Dreams, die zugegeben ein Griff ins Klo sind. Mit 7/10
schließe ich nun meinen Frieden mit dem Album und kann beruhigt sagen, dass Franz Ferdinand nicht das selbe Schicksal wie die Kaiser Chiefs ereilt hat.
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