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Wino - Punctuated equilibrium

Wino- Punctuated equilibrium

Southern Lord / Soulfood
VÖ: 23.01.2009

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Dr. Doomlittle

Legende. Ikone. Urgestein. In der schnelllebigen Musikszene sind Superlative wie diese nur selten angebracht. Aber wie sonst soll man den Mann nennen, der neben Tony Iommi, dem Schöpfer des Riff-Archetypen, die Doom-Szene dermaßen geprägt hat wie Scott Weinrich, besser bekannt als "Wino"? Einzig mit der Auswahl seiner Geschäftspartner hat Wino offenbar kein gutes Händchen, musste er doch wegen so genannter Unstimmigkeiten mit The Hidden Hand 2007 zum wiederholten Male eine seiner Bands zu Grabe tragen, so dass er nach 30 Jahren Karriere nun erstmals unter eigenem Namen antritt.

Der Doomer an sich und als solcher ist ja wenig progressiv, was die musikalische Entwicklung angeht. Von daher nimmt es nicht Wunder, dass der programmatisch betitelte Opener "Release me" erst einmal klarstellt, dass Wino auch im Jahr 2009 für die Symbiose aus Doom, Stoner und Blues steht. Vor allem letzterer sorgt immer für anerkennendes Mitwippen beim Hörer, herrlich groovend und derart trocken, dass spätestens bei "Smilin' road" Eimer und Schaufel aus dem Keller geholt werden darf, um den sprichwörtlichen Sand zu entfernen.

Doch was wäre eine Wino-Platte ohne so richtig schön zähflüssigen Doom? Also die Klampfe noch ein wenig mehr heruntergestimmt und das Tempo auf nur noch gefühlte 20 BPM gedrosselt. Klar, für Drone-Ultras ist bereits die Anwesenheit von Beats ein Sakrileg, doch für den Hausgebrauch langt es allemal. Dumpf brät die Gitarre, zwischen zwei Snare-Schlägen könnte der Drummer locker eine rauchen, wenn er sich nicht mit Fills eine Nebenbeschäftigung aufbauen würde, und düster predigt Wino zu "Eyes of the flesh". Ja, das ist ein Klischee, aber letztlich wird von einem Scott Weinrich genau das erwartet.

"Punctuated equilibrium" ist allerdings keine Selbstkarikatur, sondern eine im positiven Sinne nostalgische, gar konservative Platte. Das beginnt bei der warmen, aber druckvollen Produktion und endet bei der kompakten Spielzeit auf guter alter Vinyl-Länge. Bedauerlich nur, dass mindestens eines der drei Instrumentals ziemlich überflüssig ist. Dennoch: Nach drei Jahrzehnten weiß Scott Weinrich, was die Fans von ihm erwarten. Nämlich ehrlichen, verlässlichen DoomStonerBlues. Wenn Wino sich schon nicht auf seine Geschäftspartner verlassen kann, so die Fans wenigstens auf ihn. Er hört, was sie zu sagen haben - als ob es die Spatzen von den Dächern röhrten.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Smilin' road
  • Eyes of the flesh
  • Secret realm devotion

Tracklist

  1. Release me
  2. Punctuated equilibrium
  3. The woman in the orange pants
  4. Smilin' road
  5. Eyes of the flesh
  6. Wild blue yonder
  7. Secret realm devotion
  8. Water crane
  9. Gods, frauds, neo-cons and demagogues
  10. Silver lining

Gesamtspielzeit: 42:19 min.

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