Aloha From Hell - No more days to waste

Aloha From Hell- No more days to waste

Columbia / Sony BMG
VÖ: 16.01.2009

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Mündliche Noten

Die polynesische Kultur hält Einzug in bayerische Gefilde. Wenn es nicht um das unterfränkische Aschaffenburg ginge, wäre Ede Stoiber vermutlich mitsamt Sprachfehler und Muschi schon längst nach Amerika gereist und hätte den Blumenmädchen im Baströckchen ordentlich den Marsch geblasen. Banausen. Verdutzt hätte man dort den alten Mann wieder in den Transrapid gesetzt und mitsamt seinen Wirren Erzählungen über die Unzerstörbarkeit des Freistaats nach Hause geschickt. Auf Hawaii sind die Kenntnisse über die globale Verbreitung ihres lokalen Grußes "Aloha" wohl kaum derart ausgeprägt, dass die fünfköpfige Gruppe Aloha From Hell aus Aschaffenburg bekannt wäre. Muss sie auch nicht. "No more days to waste" hat so viel mit Hawaii am Hut, wie der Kölner Dom mit Düsseldorf, und das Album zeichnet sich eher dadurch aus, bewusst übersehen werden zu können, als den Weg nach Übersee anzutreten.

Mit einem Durchschnittsalter von 17 Jahren ist die Latte für textliche Glanzpunkte schon vorab recht unten angesetzt und muss auch in gut 35 Minuten Laufzeit nicht angehoben werden. Der Titelsong etwa schreit jugendliche Aufmuck-Parolen wie "We gotta break some rules" oder "Living like there's no tomorrow" in den Raum und benutzt dabei sogar die Intonierung von Bryan Adams' "Please forgive me" im Refrain. Punk, ne?

Die erste Single Don't gimme that" startet getarnt als Pianoballade, entwickelt sich im Refrain dann aber doch zu Avril Lavignes "My happy ending", was nicht zuletzt an den eingestreuten "Ahah"s liegt. Immerhin: Wer perfekt die Weisheiten der Lehrer nachplappert, kriegt als mündliche Note eine 1. Es sei denn, er wiederholt es zu oft. Und offenbar hat Aloha From Hell irgendwer mal gesagt, Songs echoartig ausklingen zu lassen, sei voll catchy oder so. Wenn es keine lautmalerische oder gar sinnige Aufgaben übernimmt, hat das aber etwa den Esprit einer Darmspiegelung. "That", "that", "that" über den Schlussakkorden - das bleibt hängen, werte Musiker! - braucht kein Mensch. Ebenso wenig wie die 184. Coverversion von Cindy Laupers "Girls just wanna have fun".

In "American pie" wären die Songs von Aloha From Hell nicht weiter negativ aufgefallen. "No more days to waste" bietet (College-) Rock, die obligatorische radiotaugliche Ballade "Walk away" und gewisse Ohrwurmqualitäten in der inbrunstvoll gesprochen wie geschrienen Nummer "Don't hurt yourself" oder "Fear of tomorrow". "Zwischen Himmel und Hölle geht gerade noch ein Aloha", sprach Lafee aus der fiesen Parallelklasse - und ritt erleichtert auf ihrem Dreizack in die Unterwelt.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Fear of tomorrow
  • Don't hurt yourself

Tracklist

  1. No more days to waste
  2. Can you hear me boys
  3. Don't gimme that
  4. Fear of tomorrow
  5. Walk away
  6. Don't hurt yourself
  7. Wake me up
  8. Hello, hello
  9. How come you are the one
  10. Girls just wanna have fun

Gesamtspielzeit: 35:21 min.

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