Nomo - Ghost rock

Nomo- Ghost rock

Ubiquity / Groove Attack
VÖ: 27.06.2008

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Rumble in the jungle

Das kann kein Zufall sein: Die Welten umspannende Band Nomo stammt aus Ann Arbor, Michigan, wo es nur die Stooges gibt und außerdem das Hauptquartier von allmusic.com. Vor allem letzteres ist hier wichtig - Nomo nämlich müssen es irgendwie geschafft haben, in die Archive des großen Online-Lexikons einzusteigen, um sich dort alles anzueignen, womit man gerade nicht mehr als Rockband durchgeht. Ein Afrobeat-Orchester könnte so klingen, wenn man es auf Miles Davis' "On the corner" einschwören würde. Die Talking Heads wären vielleicht mal so weit gekommen, wenn nicht Brian Eno, sondern George Clinton der beste Freund von David Byrne wäre. Und selbst der Saxophon-Flammenwerfer vom Stooges-Album "Funhouse" lässt sich in "Ghost rock" hineinphantasieren, bis einem Ann Arbor vorkommt wie ein Vorort von Kinshasa, Zaire, das Tor zur Hölle oder beides gleichzeitig.

Obwohl die Äußerlichkeiten darauf hinweisen, ist "Ghost rock" aber keine Fusion-Platte. Dafür fügen sich ihre Einzelteile zu widerwillig ineinander, und alles bleibt zu sehr Gegen- statt Miteinander. Spannungen zwischen dem streng strukturierten Formalismus, der alle neun Stücke des Albums bestimmt, und dem ständigen Willen der Blasinstrumente, sich in besonders verwegenen Soli auszuzeichnen, geben die getriebene Nervosität von "Ghost rock" vor. Noch bevor man von der ebenso tragenden, oft elektronisch überarbeiteten Percussion anfangen kann, steht deshalb fest, dass Nomos wichtigstes Instrument der ewig tropfende Lötkolben ist, mit dem hier eine Not-OP nach der anderen durchgeführt wird. Konzentration und ruhige Hände sind wichtig auf dieser Platte, saubere Nahtstellen nicht so sehr.

Schon die völlig entnervende, angemessene und großartige Einführung in "Ghost rock" ist dabei beispielhaft: Ein unsymmetrisches Tinnitus-Fiepen auf besonders unangenehmer Tonfrequenz bewegt sich langsam vorwärts durch "Brainwave", prallt bereits von vielen Bestandteilen des Nomo-Sounds ab, droht immer wieder zu versanden und ist doch nie ganz tot zu kriegen. Richtig nach Moskitos und Malaria klingt das Album trotzdem erst, wenn in den folgenden Stücken Bläser, Percussion und Funkgitarren das Kommando übernehmen. Besonders raffiniert ist da "Rings", das sich gerade einzupendeln scheint, wenn ein zweiter Drumbeat aus dem Song herauswächst und ihn noch mal in ganz andere Richtungen zerrt. Um nachvollziehen zu können, wie sich George Foreman 1974 im Dschungel gefühlt hat, reicht aber auch das straightere "My dear" mit dem duchgeschwitztesten Solo der ganzen Platte. Keine Handschuhe, keine Gefangenen. Stattdessen Präzisions-Jazz für Kopfgeldjäger. Nomo, bomaye.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Brainwave
  • Rings
  • My dear
  • Ghost rock

Tracklist

  1. Brainwave
  2. All the stars
  3. Round the way
  4. Rings
  5. My dear
  6. Ghost rock
  7. Last beat
  8. Three shades
  9. Nova

Gesamtspielzeit: 47:53 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
bee
2011-03-02 21:26:02 Uhr
gaaanz tolle Band! bitte mal auf Tour kommen!
klostein
2009-05-14 10:51:10 Uhr
Ich glaube es hat einfach echt immer noch keiner geschnallt, was für ein Monster diese Platte ist, sehr schade.
Dän
2009-05-13 18:09:59 Uhr
Nicht direkt Deutschlanddaten, aber wenigstens in der Nähe.

Friday, May 29
PARADISO
Amsterdam, Netherlands

Sunday, May 31
MUSIC MEETING
Nijmegen, Netherlands

Wednesday, June 3
SUD-POLE
Luzern, Switzerland

Thursday, June 4
FESTI’NEUCH
Neuchatel, Switzerland

Friday, June 5
L’USINE
Geneve, Switzerland
Dän
2009-05-07 13:38:12 Uhr
Wie gesagt: "Besser" vor allem im technischen Sinn, aber nicht ganz so überwätigend wie der Vorgänger im "Bauchgefühls"-Sinn, der letztlich für die Wertung entscheidend ist. Diese Unterscheidung hätte ich in der Rezi wohl klarer machen müssen.
bee
2009-05-07 13:12:28 Uhr
ja - das hilft - danke.
Habe aber das Gefühl, dass du irgendwie in Widerspruch zu deiner eigenen Aussage stehst die Platte wäre "letztlich besser". Wie auch immer - ich werd mir die Platte bestimmt beschaffen.
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