School Of Seven Bells - Alpinisms

School Of Seven Bells	- Alpinisms

Ghostly International / Al!ve
VÖ: 24.11.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Pulsmesser

Weil es bekanntermaßen nichts gibt, was es nicht gibt, gibt es natürlich auch ein Ausbildungszentrum für Taschendiebe, irgendwo in Südamerika. Also, Alejandra Deheza behauptet zumindest, mal eine Fernsehsendung darüber gesehen zu haben. Mit ihrer Schwester Claudia und dem ehemaligen Secret-Machines-Gitarristen Benjamin Curtis hatte sie außerdem gerade eine Band gegründet - und jetzt hat die eben einen Namen, der auch zum achten "Harry Potter"-Buch ganz gut gepasst hätte. Gezaubert wird auf "Alpinisms", dem Debütalbum von School Of Seven Bells, aber mehr im Sinn von David Copperfield oder Hans Klok: Da passiert nichts Übernatürliches, da fliegt niemand auf irgendwas. Nur wie es funktioniert, davon hat man trotzdem keinen Schimmer.

Um ihre Ernsthaftigkeit zu unterstreichen, haben Curtis und die Dehezas ihre bisherigen Bands verlassen oder aufgelöst, damit sie jetzt eine Musik auflösen können, die man in den neunziger Jahren noch Dream Pop genannt hat, ohne das in so einem mitleidigen Mercury-Rev-Sinn zu meinen. Lebendiges beharkt sich mit Maschinellem, die Stimmen der Schwestern hängen irgendwo dazwischen, und am Ende gewinnt immer der Computer. Wahrscheinlich wirkt "Alpinisms" deshalb so kalt durchkonstruiert - Curtis hat die Platte sehr fest im Griff, ist ganz und gar humorlos in seiner Herangehensweise und bleibt deshalb auch unberührt von den Ausmaßen, die das elfminütige "Sempiternal/Amaranth" annimmt. Keine Symptome weisen vorher darauf hin, aber School Of Seven Bells bewegen sich auch hierzu schnell selbstsicher. Immer aufwärts, auf immer engeren Wegen. Ein Steigerungslauf auf des Pulsmessers Schneide.

Dass ihre Wertschätzung größtmöglicher Präzision einen selten müde macht, stellen School Of Seven Bells schon mit "Iamundernodisguise" sicher: eine von sich selbst besessene Hitverweigerung, die wirklich keinen Platz mehr lässt für irgendwelche Leerzeichen und hier sogar noch gehetzter klingt als in der Remix-Version auf Prefuse 73s letztem Album "Preparations". Von den Abstraktionen eines solchen Klangprofessors ist "Alpinisms" dann doch immer wieder ein, zwei Hookline-Längen entfernt. All die Tribal-Drums, verfremdeten Gitarren und unbearbeiteten Klaviereinschübe, das bisschen Hare Krishna und selbst der neben sich schwebende Gesang laufen auf ein Verständnis von Popmusik hinaus, das den Song vor den Sound stellt, Risiken eingeht, aber niemals überreizt, bis ihm alles um die Ohren fliegt. Ein entscheidender Unterschied zum Secret-Machines-Ansatz - und nicht die schlechteste Idee, wenn man es als Taschendieb weit bringen will.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Iamundernodisguise
  • Half asleep
  • Sempiternal/Amaranth

Tracklist

  1. Iamundernodisguise
  2. Face to face on high places
  3. Half asleep
  4. Wired for light
  5. For Kalaja Mari
  6. White elephant coat
  7. Connjur
  8. Sempiternal/Amaranth
  9. Chain
  10. Prince of peace
  11. My cabal

Gesamtspielzeit: 55:00 min.

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