William Fitzsimmons - Goodnight

William Fitzsimmons- Goodnight

Haldern Pop / Cargo
VÖ: 14.11.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Mann mit Bart sucht Frau fürs Herz

Die irgendwie verschroben wirkenden Männer sind oft die sensibelsten. Das Holzfällerhemd ist mehr Rüstung als Kleidungsstück, der Gesichtspelz mehr Visier statt Folge von Rasierfaulheit, die brummige Stimme mehr Abwehr gegen Fremde als grippale Infektionserscheinung. Und doch sind sie tief in ihrem Inneren, im Brustkasten mittig bis leicht links, mit der stärksten Waffe ausgestattet, einem Herzen, das behutsam zu verschenken ist. Während Ernest Hemingway sicher den flüssigen Substanzen nicht abgeneigt war, war er doch Zeit seines Lebens auf der Suche nach der Liebe. Moses Hightower flog aufgrund seines hohen Gerechtigkeitsinns sogar kurzzeitig aus der "Police Academy", und wenn man sich Bilder von William Fitzsimmons anschaut, könnte man in Anbetracht des Rauschebarts und des stets sehr ernsten Blicks etwas anderes erwarten, als einen dann beim Einlegen seines Albums "Goodnight" erwartet. Ruhig geht es da zu, sehr bedacht, mit leisen Tönen. Wie auf dem Vorgänger "Until when we are ghosts", der hierzulande nicht veröffentlicht wurde, flüstert Fitzsimmons stellenweise mehr, als er singt, manchmal klingt es, als würde er zum Hörer nur sprechen und ihm eine Geschichte erzählen.

Material hätte er dafür sicher genug. Aufgewachsen bei blinden Eltern, die sich schließlich scheiden ließen, bis hin zu seiner eigenen gescheiterten Ehe; vom Vater, der nach dem Freitod der eigenen Mutter in ein Loch fiel, wie Fitzsimmons in "Everything has changed" besingt: "And I wonder if you blamed yourself for when she left you for closing up the garage door / and turning on the car." Von der Taubheit innerhalb der Familie, der Unfähigkeit des Vaters, sich um seine Kinder zu kümmern und, wie der Titel aussagt, wie viel sich doch im Umfeld verändert, wenn ein geliebter Mensch nicht mehr da ist. Ein ähnliches Problem tut sich in "You broke my heart" auf, welches zuerst ein Liebeslied vermuten lässt, sich jedoch als bittere Anklage an Fitzsimmons Senior entpuppt, der die Familie letzten Endes verließ: "You broke my heart / I don't feel it anymore." Das geht unter die Haut, und genau das will der Sänger erreichen.

Auf seinem gesamten Zweitling beweist Fitzsimmons Tiefgang und scheut sich dabei nicht, aus dem privaten Nähkästchen zu plaudern. Da ist "Never let you go", eines der schönsten Stücke, das wohl von seiner Ex-Frau handelt, und zu der die Beziehung aufgrund seines Verhaltens und seiner Lebensumstände zerbrach. Die schwierige Situation mit dem Vater ist allgegenwärtig und wird auch in "I don't love you anymore" aufgegriffen, jedoch auch mit der Einsicht, selbst oft falsch gehandelt zu haben. Sogar das Ende seiner Ehe wird bei Fitzsimmons zum Thema, auf "Find my way home" erzählt er von seinen Kindern und seiner Angst, dass sie irgendwann ebenso Abscheu für ihn empfinden könnten, und von der berüchtigten anderen Frau, die nicht nur irgendeine gute Freundin war. Doch da ist auch das versöhnliche "Mend your heart", das, anders als die meisten Songs des Albums, nicht nur von der Akustigitarre, sondern auch von einem Klavier begleitet wird. Fitzsimmons gibt dort das Versprechen ab, auch in den schwersten Zeiten immer eine Stütze zu sein. Damit scheint er sich am besten auszukennen, und so lässt sich für ihn hoffen, dass er irgendwann nicht nur die Ruhe in der Stimme, sondern auch im Kopf findet und damit dann auch den Menschen, dem er all das geben kann, was er bisher versäumt hat.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Everything has changed
  • Never let you go
  • Mend your heart
  • Afterall

Tracklist

  1. It's not true
  2. Hold on with my open hands
  3. Everything has changed
  4. Leave me by myself
  5. Please don't go
  6. You broke my heart
  7. Body for my bed
  8. Never let you go
  9. I don't love you anymore
  10. Mend your heart
  11. Goodnight
  12. Find my way home
  13. Afterall

Gesamtspielzeit: 70:54 min.

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