Secret Machines - Secret Machines

Secret Machines- Secret Machines

World's Fair / Cooperative / Universal
VÖ: 09.01.2009

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Ewig währt am längsten

Finanzkrisen wüten. Bankenpleiten grassieren. Und auch sonst geht sicher alles bald den Bach runter. Es soll sogar Leute geben, die nur noch arbeiten gehen, damit sie Urlaub bekommen. Oder wie die Secret Machines es auf dem Opener ihres dritten Albums formulieren: "You're thinking of all the jobs that you could retire from." Schließlich konnte man sich ja bereits beim Debüt gut vorstellen, wie das Trio auf möglichst entlegenen Berggipfeln oder in tibetanischen Mönchsklostern hockt und sich "Now here is nowhere" murmelnd mit Pilzen vollstopft. Viel hätte jedoch nicht gefehlt, und zwei Mitglieder hätten tatsächlich vor dem Nichts gestanden, als Gitarrist Ben Curtis die Band vor einiger Zeit Richtung School Of Seven Bells verließ. Gut, dass mit Phil Karnats schon bald ein alter Kumpel vor der Tür stand und die vakante Position übernahm. Und irgendwie war es ja klar, dass es trotz Musikerschwund mit dem Altenteil so früh nichts werden würde bei den Secret Machines. Denn Bands aus dem Bereich Prog- und Space-Rock schaffen eben locker ein, zwei, ganz viele Lieder. Die dann vor allem eines sind: lang.

Auch wenn "Secret Machines" mit zwei erstaunlich bündigen Stücken einen punktgenauen Start erwischt. "Atomic heels" schmatzt in angenehmem Midtempo-Wiegeschritt auf flauschigem Keyboard-Bass daher und lässt säurehaltige Gitarren weich implodieren - hätten The Verve für "Love is noise" nicht unbedingt tasmanische Teufel quälen müssen, wäre vielleicht genau das dabei herausgekommen. "Last believer, drop dead" hakt sich zuerst mit ungelenkem Krautrock-Groove im Gehörgang fest, um dann der Weite eines imposanten Refrains mit Pianotropfen-Flankierung zu weichen. Zwei Songs, die mindestens genauso perlen wie die "Ten silver drops" des Vorgängers. Wenn es nach diesem formidablen Einstieg dann nicht mehr ganz so gut weitergeht, könnte man es sich einfach machen und sagen, dass auf den übrigen sechs Stücken nicht mehr viel passiert.

Was aber so auch nicht stimmt: Es ist sogar eher zu viel los. Womit wir wieder bei den langen Songs wären, deren kompositorische Überschaubarkeit ihre massive Spielzeit bisweilen nur schwer rechtfertigt. Ein im Grunde harmonieseliges Lied wie "Have I run out" zu einem von Breaks und Reverbs gepeinigten Etwas zu strecken, tut etwa ebenso wenig Not wie das leicht quäkig geratene Nachspielen des Rolling-Stones-Heulers "Angie" in "The walls are starting to crack". Natürlich sprengt "The fire is waiting" zum Abschluss auch noch krachend die Elf-Minuten-Grenze. Und auf einmal fühlt man sich, als sei man schon eine Ewigkeit unterwegs und wünscht sich bei aller klanglichen Opulenz wieder an den Anfang dieses Albums zurück. Da war es nämlich doch irgendwie schöner. Trotz Finanzkrise und tot umfallender Gläubiger.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Atomic heels
  • Last believer, drop dead

Tracklist

  1. Atomic heels
  2. Last believer, drop dead
  3. Have I run out
  4. Underneath the concrete
  5. Now you're gone
  6. The walls are starting to crack
  7. I never thought to ask
  8. The fire is waiting

Gesamtspielzeit: 48:01 min.

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