Starvin Hungry - Cold burns

Starvin Hungry- Cold burns

Signed By Force / Cargo
VÖ: 28.11.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Kohldampf voraus

Montreal muss ein wahres Hippie-Paradies sein. Könnte man zumindest denken angesichts immer leicht über dem Boden schwebender, auch gerne mal fuselbärtiger Indie-Bands wie Wolf Parade, Islands oder The Besnard Lakes, die in letzter Zeit aus der Hauptstadt der kanadischen Provinz Quebec herüberwehten. Was aber wie so oft nur die halbe Wahrheit ist. Denn Gruppen wie Lesbians On Ecstasy, We Are Wolves oder eben Starvin Hungry beweisen, dass dort auch ganz vorzüglicher Krach gemacht wird. Dem dann nicht einmal die Hippies abgeneigt sind.

Zum Beispiel Jace Lasek. Der kann nicht nur bei The Besnard Lakes alles singen und spielen, was sich nicht wehrt, sondern hat auch das zweite Album von Starvin Hungry produziert und die Band bei der Gelegenheit gleich auf Tour mitgeschleift. Obwohl man sich schon fragen könnte, wer da eigentlich mit wem Schlitten gefahren ist. Zumindest auf "Cold burns" treiben die Brüder John und Glen Milchem samt zweier Mitstreiter nämlich eine so rasante Punk'n'Roll-Wutz durchs Dorf, dass der Bandname Programm ist: Die schaffen locker mehrere Backformen lärmigen Prasselkuchen auf einmal. Und solange der spricht, haben die Krümel bekanntlich Pause.

Die Drums heizen hektisch, John Milchem spielt eine der ätzendsten Supergrobi-Gitarren der letzten Zeit, und hätte sich nicht schon Jon Spencer den Bandnamen Heavy Trash gesichert, würde er nirgends so gut passen wie hier. Dazu schreit sich Milchem Unmengen an Kohldampf aus dem Leib und brüllt Sachen wie "Let me commit my crime". Wobei man sich von der Wortwahl nicht täuschen lassen sollte: Auch wenn es sich so lesen mag, wird hier natürlich nicht lange auf Genehmigung gewartet. Starvin Hungry fragen nicht um Erlaubnis, sie machen Ansagen. Und wer die nicht auf Anhieb versteht, ist nicht nur auf einem Ohr taub.

Dass man trotz dieser Rohheiten anerkennend und in ordentlichem Tempo mit dem Kopf nickt, liegt an verschiedenen Dingen. An Laseks zweckmäßig schroffer, aber trotzdem akzentuierter Produktion etwa. Oder an der Weitsicht der Band, die zwar die kompletten 37 Minuten lang Volldampf aus allen Rohren pustet, aber auch den einen oder anderen Zwischenstopp einlegt, um nach links und rechts zu gucken. Dann klingen Starvin Hungry auch mal nach den Strokes kurz vor der spontanen Selbstentzündung oder den walisischen Dampframmen McLusky nebst sämtlicher Inkarnationen. Auf dem sich schwerfällig vorwärts schleppenden "More" täuschen sie sogar "Cigarettes and alcohol" von Oasis an - als ob zu diesem Zeitpunkt noch irgendein Zweifel bestünde, dass das Quartett das bisschen Essen zur Not auch trinken kann. Oder rauchen. Oder Schlimmeres. Was wissen wir schon?

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Left hand endeavour
  • More
  • Pink / black

Tracklist

  1. Ghost witness
  2. Chicken fly
  3. Left hand endeavour
  4. Some kind solution
  5. More
  6. The triumph of non
  7. Yr. Punk Rock
  8. Pink / black
  9. Well below the bottom
  10. The hammer
  11. P. B.

Gesamtspielzeit: 36:40 min.

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