Soundtrack - Palermo shooting

Soundtrack- Palermo shooting

Wenders / City Slang / Universal
VÖ: 07.11.2008

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Ein Schützenfest

Eine der vielen mystischen Regeln des Fußballs lautet: Der Gefoulte sollte den Elfmeter niemals selber schießen. Es kann nur nach hinten losgehen. Campino, leiderprobter Hardcore-Fan des FC Liverpool, hat sich diese Regel zu Herzen genommen und darauf verzichtet, den Elfer zu treten und seine Position als hauptdarstellernder Fotograf des Filmes von Wim Wenders für die musikalische Karriere auszunutzen. Keine bedeutungsschwangere Andeutung von Punk weit und breit, keine Bestrebungen in Richtung Solokarriere des Frontmannes der Toten Hosen. Zum Glück.

Statt dessen hat sich der Regisseur die Kugel geschnappt und, wie er in einem zwölfseitigen Promo-Manifest nicht müde wird zu betonen, persönliche Lieblingskünstler und die dazugehörigen Songs für den Soundtrack von "Palermo shooting" ausgewählt. Die Stücke auf dem Album lassen sich grob in drei Kategorien einordnen. Den größten und wichtigsten Anteil an "Palermo shooting" haben die formidablen und extra komponierten sowie neu aufgenommenen Songs von Get Well Soon, Grinderman, Bonnie 'Prince' Billy, Thom und Monta. Konstantin Groppers Kollektiv ist, ebenso wie Nick Caves Grinderman, sogar mit zwei famosen Stücken vertreten. Dazu gesellen sich bekannte und nicht minder wunderbare Tracks wie "The rip" von Portishead, "The black light" von Calexico, "Freedom hangs like heaven" von Iron & Wine oder auch The Velvet Undergrounds Klassiker "Some kinda love". Eine Perle reiht sich an die nächste.

Neben dieser Hitsammlung hat Wenders gleichfalls einige Kuriositäten für "Palermo shooting" herangezogen. Der Song "Quannu moru" der verblichenen Sängerin Rosa Balistreri steht neben "We all lose one another" von Jason Collett, hauptberuflich Gitarrist des kanadischen Haufens Broken Social Scene, und "Let us know" von Wenders alter Freundin Sibylle Baier. Sowie neben "Quello che non ho" des 1999 verstorbenen italienischen Liedermachers Fabrizio de André, von dessen Werk Wenders so beeindruckt ist, dass er ihm gleich den ganzen Soundtrack gewidmet hat. Und nicht zuletzt bohrt sich der Score, drei Themen von Irmin Schmidt, tief in beide Herzkammern. Das Gründungsmitglied der Krautrocker Can nutzt die wenigen Minuten für einige einfühlsame Momente, die sich anstandslos in den Reigen der guten Songs mischen.

Schenkt man den vernichtenden Kritiken zum Film "Palermo shooting" Glauben, dann ist der Streifen ein Fehlschuss weit in den Himmel über Berlin. Der Soundtrack hingegen ist ein fein und locker hineingechipter Volltreffer aus dem Fußgelenk. Wenders cineastisches Gespür lässt vielleicht mittlerweile zu wünschen übrig. Musikalisch ist ihm jedoch rein gar nichts vorzuwerfen, denn "Palermo shooting" hat Herz und Seele gleichermaßen. Ein Prädikat, das einem Soundtrack selten verliehen werden kann. Auch weil Wenders wohl nie in Betracht zog, einen Song der Toten Hosen in das Album einzubauen. Was von einer mindestens genauso intakten Ratio des Regisseurs zeugt.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Busy hope (Get Well Soon)
  • The black light (Calexico)
  • Some kinda love (The Velvet Underground)
  • Torn and brayed (Bonnie 'Prince' Billy)
  • Mysteries (Beth Gibbons & Rustin' Man)

Tracklist

  1. Dream (Song for Finn) (Grinderman)
  2. Busy hope (Get Well Soon)
  3. The rip (Portishead)
  4. Accordeon/Flavias Thema (Irmin Schmidt)
  5. Freedom hangs like heaven (Iron & Wine)
  6. It's a departure (The Long Winters)
  7. The black light (Calexico)
  8. Some kinda love (The Velvet Underground)
  9. Beds in the east (Thom)
  10. Trompete 2 fresco (Irmin Schmidt)
  11. Postcards from Italy (Beirut)
  12. Quello che non ho (Fabrizio de André)
  13. We all lose one another (Jason Collett)
  14. Torn and brayed (Bonnie 'Prince' Billy)
  15. My impropriety (Monta)
  16. Let us know (Sibylle Baier)
  17. Cello/Bei Flavia (Irmin Schmidt)
  18. Quannu Moru (Rosa Balistreri)
  19. Song for Frank (Grinderman)
  20. Mysteries (Beth Gibbons & Rustin' Man)
  21. Good Friday (Get Well Soon)

Gesamtspielzeit: 76:17 min.

Referenzen

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