Various Artists - Müssen alle mit 5

Various Artists- Müssen alle mit 5

Tapete / Indigo
VÖ: 07.11.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Drum hören wir auf jeder Reise

Der nächste Urlaub kommt bestimmt. Und man wird wieder so einiges dafür in Kauf nehmen. Koffer, auf die man sich beim Packen gleich mit drei Mann setzen muss. Gesellige Stunden in nicht enden wollenden Staus (von unseren Altvorderen gerne mit überschäumendem Humor "Blechlawine" genannt), weil ein LKW ca. 20 Kilometer vor einem irrtümlich eine komplette Ladung Pilzrahmsuppe auf der Fahrbahn verteilt hat. Ein Segen also, wenn man auf solchen Reisen Dinge dabei hat, die einen vom Gröbsten ablenken.

Zum Beispiel den neuesten "Müssen alle mit"-Sampler aus dem Hause Tapete Records, mit dem sich das Hamburger Label nebst vielen alten und neuen Bekannten erneut auf große Fahrt durch die Republik befindet. Delbo und Die Türen sind netterweise zuvor aus Berlin angereist, damit man keine Umwege machen muss. Auf der A3 noch schnell PeterLicht und Wolke in Köln eingesammelt und die Paul Dimmer Band am Fernbahnhof Frankfurt-Flughafen abgeholt. Anajo müssen aufgrund diverser Verkehrsstörungen in Augsburg ein wenig länger warten, und für Ja, Panik geht's sogar mal kurz über die Grenze nach Wien. Und trotz teils unterschiedlicher musikalischer Vorlieben verstehen sich alle prächtig.

Klar haben die Platzhirsche hier am meisten zu sagen. An welcher Raststätte das Schnitzel mit Pommes am besten ist, verrät Frank Spilker samt Gruppe bei "Es sieht gut aus". Tocotronic trauen dem Braten nicht ganz und vermuten "Imitationen", Superpunk ereilt ein paar Stunden später gar Montezumas Rache: "Ja, ich bereue alles". Nur Kettcar interessiert die Qualität des Essens wenig: "Am Tisch" verhandeln sie lieber zusammen mit Niels Frevert schwermütig die Unvereinbarkeit ihrer jeweiligen Lebensentwürfe.

Auf den Rückbänken streiten sich unterdessen die jungen Hüpfer 1000 Robota und Gisbert zu Knyphausen lautstark darüber, ob als nächstes Punkrock oder Singer/Songwriter in die Anlage kommt. Groß ist das Geschrei, als Schwefelgelb kleine Wave-elektronische Knallfrösche zünden und den Gameboy der Bratze-Buben stibitzen, deren "D.U.T.T. royal" hier erstmalig auf digitalem Tonträger vorliegt. Kolkhorst zieht derweil Flunsch, weil er lieber ein "Osterei" will statt "Pizza Amore". Zum Glück wissen Schrottgrenze, wo man das auf die Schnelle herkriegt. Von Spar nämlich, wo sie auch gleich die nervös post-punkende Kurpackung "Künstler muss schön sein" besorgen.

Nach der Heimkehr sind sich alle Beteiligten einig: Schön war's. Die Tapete-Crew, die einige Mühe hatte, die bunte Rasselbande im Zaum zu halten, ist hörbar erleichtert, endlich wieder im Büro zu sein. Nur Spilker, Frevert und zehn weitere Mitreisende haben immer noch nicht genug und buchen schnell einen Bonus-Trip beim renommierten Billiganbieter Amazon. Ein bisschen was Exklusives muss es manchmal halt doch sein. Aber auch die anderen freuen sich schon aufs nächste Mal, wenn wieder alle mitmüssen. Sofern sie wollen. Glückliche Reise.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Es sieht gut aus (Frank Spilker Gruppe)
  • Alles was Du siehst gehört Dir (PeterLicht)
  • Am Tisch (Kettcar)
  • Künstler muss schön sein (Schrottgrenze)
  • D.U.T.T. royal (Bratze)
  • Im Norden ist der Süden am schönsten (Die Türen)

Tracklist

  1. Ja, ich bereue alles (Superpunk)
  2. Es sieht gut aus (Frank Spilker Gruppe)
  3. Marathon (Ja, Panik)
  4. Mein Traum (1000 Robota)
  5. Ich hab Dich gesehen (Schwefelgelb)
  6. Mein lieber Herr Gesangsverein (Anajo)
  7. Alles was Du siehst gehört Dir (PeterLicht)
  8. Ich hol Dich da raus (Paul Dimmer Band)
  9. Apricot (Delbo)
  10. Osterei (Kolkhorst)
  11. Erwischt (Gisbert Zu Knyphausen)
  12. Am Tisch (Kettcar)
  13. Radar (Lichter)
  14. Künstler muss schön sein (Schrottgrenze)
  15. Imitationen (Tocotronic)
  16. Der Typ, der nie übt (Worum es eigentlich geht) (Niels Frevert)
  17. D.U.T.T. royal (Bratze)
  18. Nach dem Goldrausch (Fotos)
  19. Im Norden ist der Süden am schönsten (Die Türen)
  20. Kleine Lichter (Wolke)

Gesamtspielzeit: 70:50 min.

Referenzen

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