Frost - Experiments in mass appeal

Frost- Experiments in mass appeal

InsideOut / SPV
VÖ: 14.11.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Construction time again

Da hatte die Geschmackspolizei des Prog amtlich was zu wettern. Die Story: Pop-Produzent auf Selbstfindungstrip schart ein paar "richtige" Prog-Musiker um sich und kalkuliert eine Platte zusammen. Und das sogar ganz passabel. Da allerdings bekanntlich nicht sein kann, was nicht sein darf, wurden gar abenteuerliche Behelfsmeinungen konstruiert, um den Polycarbonatbesitz zu rechtfertigen. So seien Frost ja quasi ein It-Bites-Ableger, der zufällig einen Hit-Produzenten dabei habe. Dabei spielte genau der doch die Hauptrolle.

Seien wir ehrlich: Auch mit dem Abstand von zwei Jahren war eigentlich nur der Gesang von Jem Godfrey, ebenjenes Produzenten von ansonsten ziemlich erwähnensunwerten Pop-Sternchen, so richtig exkrement. Wenn Godfrey schon kalkuliert, dann richtig. Also feuerte er sich selbst als Vokalisten und trieb einen gewissen Declan Burke auf. Und der macht seine Sache gut. Richtig gut.

Denn während so manch Prog-Sänger "akzentuiert" nicht von "affektiert" unterscheiden kann, trällert Burke mit angenehm rauhen Timbre, was im Fall des hyperaktiven "Pocket sun" sogar richtig Druck macht. Spätestens dann sind die Zeichen auf Sturm gestellt, denn "Experiments in mass appeal" ist über weite Strecken Pop-Prog at its best. Pfiffige Ideen werden von wilden Breaks gejagt, selbst Streicher aus der Konserve fallen nicht unangenehm auf. Ob nun "Dear dead days", "Toys" oder das ruppige "Wonderland" - so unprätentiös wie kurzweilig gehen im Genre selten 56 Minuten vorbei. Dass zudem der Sound angemessen mächtig ist, überrascht bei einem Produzenten wie Godfrey nun wahrlich nicht mehr.

Wäre da nicht seine öffentlich getroffene Aussage, dass diese Songs eigentlich nur auf Frost adaptiert wurden. Da ist es wieder, das Reißbrett, das Kalkül. Irgendwie sind Frost dann doch so etwas wie die TSG Hoffenheim 1899 des Progressive Rock. Eigentlich darf man sie nicht mögen, doch ähnlich wie die Kraichgau-Kicker haben die Briten durch die Mischung aus Spielfreude und kühl berechnetem Konzept das Potenzial, ein bisweilen im eigenen Elitarismus verhaftetes Genre durch sanfte Karikatur aufzumischen. Nur Herzblut, das haben sie nicht.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Pocket sun
  • Dear dead days
  • Wonderland

Tracklist

  1. Experiments in mass appeal
  2. Welcome to nowhere
  3. Pocket sun
  4. Saline
  5. Dear dead days
  6. Falling down
  7. You/I
  8. Toys
  9. Wonderland
  10. (Hidden track)

Gesamtspielzeit: 56:44 min.

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