Rivers Cuomo - Alone II: The home recordings of Rivers Cuomo

Rivers Cuomo- Alone II: The home recordings of Rivers Cuomo

Geffen / Universal
VÖ: 25.11.2008

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Rivers' Phoenix

Rivers Cuomo sollte sich was schämen. So wie das alle anderen auch machen, wenn es um ihre Vergangenheit geht. Tom Hanks zum Beispiel - befindet sich seit 20 Jahren auf einem angestrengten Wiedergutmachungs-Marathon für Filme wie "Bachelor party". Oder Mariah Carey - versucht mit immer groteskeren Alben/Outfts/Brustvergrößerungen davon abzulenken, dass sie mal die schlimmste Dauerwelle außerhalb Australiens über sich hertrug. Nur Cuomo eben, der will davon nichts wissen. Stattdessen inszeniert er spätestens seit der letzten Weezer-Platte mit all ihren durchgeknallten Bonus-Events seine allgemeine Schamlosigkeit als zentrales Merkmal von allem, womit er zu tun hat. Kinderfotos, Highschool-Jahrbuch, Anfängerfehler und jede dämliche Frisur, die Cuomo jemals hatte: "Alone II: The home recordings of Rivers Cuomo" weiß darüber Bescheid. Und ist außerdem eine unverbesserliche Tratschtante.

Hier also wird alles erzählt, und das ist, wie immer, ein bisschen mehr, als man eigentlich wissen wollte. Wenn Cuomo die Archive flutet, kommen dabei hervorragende Songs wie "My brain is working overtime" oder "Cold and damp" heraus, die schon in ihren robusten Heimatversionen vieles in die Tasche stecken, was im 21. Jahrhundert als ausgehfertiges Weezer-Stück aufbereitet wurde. Man trifft dann aber auch so schmerzergreifend simplen Schmodder wie "The prettiest girl in the whole wide world" - und möchte Cuomo von der Bettkante stoßen, auf der er gesessen haben muss, als er das Lied zwischen zwei Literaturseminaren hingesaut hat. Ob die schiefen Gesangsharmonien des Beach-Boys-Covers "Don't worry baby" Absicht oder Betriebsunfall sind, lässt sich indes nicht mehr rekonstruieren. Auf "Alone II: The home recordings of Rivers Cuomo" spielen solche Detailfragen ohnehin keine Rolle.

Man arrangiert sich schnell mit den Schlaglöchern auf der Platte - auch weil Cuomo ausgesprochen gründliche Liner Notes dazu geschrieben hat, die viel verraten über seine Arbeitsweise und Geschichten zu den Songs erzählen, die man hinter ihren überwiegend banalen Texten niemals vermutet hätte. Das Album wird so zur Marottenparade von Amerikas prominentestem Rock'n'Roll-Nerd: Es greift mit "Harvard blues" den schnöseligsten Songtitel aller Zeiten ab, widmet sich in der akustischen Jermaine-Dupri-Kollabo "Can't stop partying" anderen Luxusproblemen und gipfelt schließlich in der rührseligsten, demoralisiertesten Fußballhymne, die jemals für eine Nationalmannschaft geschrieben wurde. "My day is coming", singt Cuomo und zählt die Namen der Spieler auf, die im Auftrag der USA bei der WM 2006 versagt haben. Er spricht also von Verlierer zu Verlierer, und das kann er immer noch am besten.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • I was scared
  • My brain is working overtime
  • My day is coming
  • Cold and damp

Tracklist

  1. Victory on the hill
  2. I want to take you home tonight
  3. The purification of water
  4. I was scared
  5. Harvard blues
  6. My brain is working overtime
  7. I don't want to let you go
  8. Oh Jonas
  9. Please remember
  10. Come to my pod
  11. Don't worry baby
  12. The prettiest girl in the whole wide world
  13. Can't stop partying
  14. Paper face
  15. Walt Disney
  16. I admire you so much
  17. My day is coming
  18. Cold and damp
  19. I'll think about you

Gesamtspielzeit: 47:54 min.

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