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Common - Universal mind control

Common- Universal mind control

Geffen / Universal
VÖ: 05.12.2008

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Money shot

Bald schon wird Chicago den weißesten Schwarzen seit Heathcliff Huxtable nach Washington entsenden, aber immerhin bleibt der Stadt noch der bewusstloseste Conscious-Rapper der Gegenwart. Lonnie "Common" Lynn, Jr., 36 Jahre alt und mittlerweile acht Alben stark, hat sich nie auf irgendwas festnageln lassen. Der ausführlichen Black-Music-Bibel "Electric circus" schickte er "Be" hinterher, das bescheidenste, konzentrierteste und beste Album seiner Karriere. Und nach der manierlichen Ganoven-Schauspielerei von "American gangster" steigt er als nächstes mit "Terminator salvation" in die Popcornmaschine. Die Arbeit an "Universal mind control" hat sich deshalb um einige Wochen verzögert - als Ausrede kann das aber nicht gelten, wenn Common plötzlich wie die Viagra-süchtige HipHop-Version der Killers zwischen Autoscooter, Edelpuff und Justin Timberlakes ehemaligen Jagdrevier herumtorkelt.

Wahrscheinlich der größte Fehlgriff am ganz und gar missratenen "Universal mind control": Common wollte eine Zeitgeist-Platte machen, verfehlt sein anvisiertes Ziel aber um mehrere Monate, Modeerscheinungen und mindestens eine Weltwirtschaftskrise. Mit der hier zelebrierten, ebenso schuld- wie schmerzlosen Orgie kann man heute vielleicht noch die CEOs in Motor City glücklich machen. Normalsterbliche Rap-Verbraucher gucken auf "Universal mind control" aber in eine Röhre, die sich Common mit der rechten Hand am Sack und der linken im Beat-Gefrierschrank der Neptunes zusammenflowt. Schlimm ist dabei gar nicht, dass alles an dieser Platte "2007" schreit und Common plötzlich rappt wie sein Porno-Alter-Ego Pud Slapalot. Schlimm ist vor allem das unfassbar naheliegende, jetzt schon überholte Obama-Loblied "Changes", das natürlich nicht ohne Kinderstimmen-Monolog von der eigenen Tochter auskommt.

Frei von Schuld ist auf "Universal mind control" höchstens die komplexe und geschickte Leistungsschau von "Gladiator" mit ihrer angenehm quirligen Trompete - ein knietiefer Spermatümpel wie "Sex 4 suga" sieht daneben natürlich gleich doppelt so erbärmlich aus. "'Are you a philosopher?' - I philosophy on top of ya", rappt Common einmal allen Ernstes und schlägt sich in "Punch drunk love" mit Kanye West die selbstverliebten Nichtigkeiten um die Ohren, bis selbst Snoop Dogg sagen würde: "Stellt Euch mal unter die Dusche, Jungs." Dass es so weit kommen muss auf einer Platte des ehemals guten HipHop-Gewissens, ist das größte Armutszeugnis für "Universal mind control". In "Everywhere" werden Rap und Elektro-Schlager ins gleiche Grab geworfen - und doch verweigert der sonst so vorwärts denkende Lonnie Lynn, Sr. die traditionellen Schlussbemerkungen aus Daddys reichem Erfahrungsschatz. Blut ist dicker als Wasser und so. Aber deshalb muss man ja längst noch nicht jeden Scheiß mitmachen.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Gladiator

Tracklist

  1. Intro/Universal mind control (UMC) (feat. Pharrel)
  2. Punch drunk love (feat. Kanye West & Pharrell)
  3. Make my day (feat. Cee-Lo)
  4. Sex 4 suga
  5. Announcement (feat. Pharrell)
  6. Gladiator (feat. Pharrell)
  7. Changes (feat. Muhsinah & Omoye Assata Lynn)
  8. Inhale
  9. What a world (feat. Chester French)
  10. Everywhere (feat. Martina Topley-Bird)

Gesamtspielzeit: 38:11 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
dorsch
2008-12-31 10:48:17 Uhr
ENTTÄUSCHUNG DES JAHRZEHNTS. Ich fass es nicht, das er so nen Riesenmüll abliefert. wah.
arnold
2008-12-22 23:23:59 Uhr
Meine Meinung dazu steht weiter oben. Lass die Finger davon! Im Nachhinein bereue ich es überhaupt reingehört zu haben.
Henrik
2008-12-22 23:20:30 Uhr
wirklich so schlecht die platte wie plattentests suggeriert? kann/will ich gar nicht glauben...
met
2008-12-12 15:14:18 Uhr
oh, die meinungsbibeln pt und pfm sind sich einig.

Dän
2008-12-12 15:11:45 Uhr
Ich hab leider nicht genug Zahlen auf dem Keyboard, um auszudrücken, wie viel besser "Tha carter III" ist als "Universal mind control".
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