Fury In The Slaughterhouse - Farewell & goodbye tour 2008

Fury In The Slaughterhouse- Farewell & goodbye tour 2008

Warner
VÖ: 21.11.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Won't forget these days

Nach zweiundzwanzig Jahren, vier Millionen verkauften Tonträgern und mehr als 1.000 Konzerten weltweit machten Fury In The Slaughterhouse am 30. August 2008 Schluss mit Unlustig. Selbst Sänger Kai-Uwe Wingenfelder gab zu, dass der Bandname der wohl beschissenstmögliche für diese (und so ziemlich jede andere) Art von Musik war. Die gewollt moderne und doch rückwärtsgewandte Rockmusik bot jahrelang eine perfekte Zielscheibe für Spott. Dessen ungeachtet konnten sich dreizehn Alben der Band in den deutschen Charts breit machen, seitdem "Pure live" 1992 dort hinein geklettert war. Der Sechser aus Hannover hatte sich eine treue Fangemeinde erspielt. Und wer sich damals bei einem der Konzerte anfixen ließ, hielt auch während der kreativen Durststrecke in den nuller Jahren zu "Fury".

Die Setlist des für "Farewell & goodbye tour 2008" auf zwei CDs und einer DVD dokumentierten Abschlusskonzerts erinnert sich daran, dass die Band Mitte der Neunziger ihre beste Zeit hatte. Es gibt reichlich erwartete Hymnen wie "Bring me home", "Trapped today, trapped tomorrow" oder "Riding on a dead horse" sowie die Signatursongs "Time to wonder", "Radio Orchid" und "Every generation got its own disease". Schlichte Rocker wie "Kick it out", "On alarm", "Milk and honey" oder "Cry it out" belegen schweißgetränkte Spielfreude. "Seconds to fall" und "Jericho" waren zuletzt 1993 bei der "Mono"-Tour im Programm, und lediglich ein Song ist jünger als zehn Jahre. Der Rest wird vornehmlich von den drei Erfolgsalben "Mono", "The hearing and the sense of balance" und "Brilliant thieves" sowie dem Frühwerk bestückt. Mit "When I'm dead and gone" und "Won't forget these days" war Nostalgie immer schon maßgeblicher Teil einer Fury-Liveshow. Wie "Das Ziel ist nicht mehr im Weg" andeutet, das interne Motto der Abschiedstournee, ist viel erleichterte Rückbesinnung dabei, und das tut der Band merklich gut.

Natürlich verstecken sich auch auf "Farewell & goodbye tour 2008" einige der charmanten Unzulänglichkeiten, für die Fury In The Slaughterhouse ebenfalls immer standen. Die leidenschaftlich gemeinten Gesangstremolos sind so authentisch, dass sie sich nicht grundsätzlich um Tonarten kümmern. Die charmant verpatzten Ansagen, bei denen Wingenfelder dem kruden Humor von Gitarrist Christoph Stein-Schneider selten folgen kann, finden sich vornehmlich auf der beiliegenden DVD. Und für das rumpelnde Abstürzende-Brieftauben-Cover "Zwei Pullen Korn" taumelt mit ProSiebens Elton der einzige C-Promi auf die Bühne, der sich jemals im Fernsehen mit Fury-T-Shirt hat blicken lassen. Neben einem schwitzenden Diätopfer beim Crowdsurfen zeigt der Song auch, dass Fury In The Slaughterhouse nichts mit Punk, aber reichlich mit rustikalem Rock'n'Roll zu tun haben. Die beißen nicht, die wollten nur spielen.

Eine Weisheit, die sich im Rockbiz wohl nie wirklich durchsetzen wird, ist "Sag niemals nie". Wer sich verabschiedet, sollte Ewigkeitsbeteuerungen unterlassen. Zuletzt zeigten Led Zeppelin, zu welchem peinlichen Bumerang solche Schwüre werden können. Fury In The Slaughterhouse stellten sich da klüger an: Die Band löste sich auf, nachdem sie sich der eigenen Überflüssigkeit bewusst wurde, inszenierte den eigenen Untergang mit nostalgischem Schwung und ließ sich trotzdem ein Hintertürchen. "Fury is really dead / And I dream / That they might come back", singt Thorsten Wingenfelder in "Then she said". Die passendsten Worte zum Ende stammen jedoch aus fremder Feder: "When I die don't you write no words upon my tomb." Und tschüß!

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Radio Orchid
  • On alarm
  • Every generation got its own disease
  • Time to wonder
  • Kick it out
  • Won't forget these days

Tracklist

  • CD 1
    1. Cut myself into pieces
    2. Hang the DJ
    3. Hello and goodbye
    4. Radio Orchid
    5. Jericho
    6. Then she said
    7. Dancing in the sunshine of the dark
    8. Should have known better
    9. One good reason
    10. Bring me home
    11. On alarm
    12. Are you real
    13. Every generation got its own disease
    14. Trapped today, trapped tomorrow
  • CD 2
    1. Haunted head and heart
    2. Zwei Pullen Korn (feat. Elton)
    3. Cry it out
    4. Milk and honey
    5. When I'm dead and gone
    6. Time to wonder
    7. Kiss the Judas
    8. Kick it out
    9. Won't forget these days
    10. Riding on a dead horse
    11. Dead before I was born
    12. Down there
    13. Seconds to fall
  • DVD 1
    1. Cut myself into pieces
    2. Hang the DJ
    3. Hello and goodbye
    4. Radio Orchid
    5. Jericho
    6. Then she said
    7. Dancing in the sunshine of the dark
    8. Should have known better
    9. One good reason
    10. Bring me home
    11. On alarm
    12. Are you real
    13. Every generation got its own disease
    14. Trapped today, trapped tomorrow
    15. Haunted head and heart
    16. Zwei Pullen Korn (feat. Elton)
    17. Cry it out
    18. Milk and honey
    19. When I'm dead and gone
    20. Time to wonder
    21. Kiss the Judas
    22. Kick it out
    23. Won't forget these days
    24. Riding on a dead horse
    25. Dead before I was born
    26. Down there
    27. Seconds to fall

Gesamtspielzeit: 265:28 min.

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