PeterLicht - 14 Lieder

PeterLicht- 14 Lieder

Modul / BMG
VÖ: 20.08.2001

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Wo der Gletscher kalbt

Im Zeitalter des generalstabsmäßig inszenierten Erfolges erscheint alles möglich. Fernsehsender stecken eine Horde junger Damen zusammen und schicken sie geradewegs an die Chartsspitze, wo ein paar schräg gezeichnete Gorillas nur darauf warten, ihnen ein paar Kung-Fu-Tritte zu verpassen. Wenn schon fliegende Bürodrehstühle Popstars werden, darf einen jedenfalls gar nichts mehr wundern. Auch nicht, daß sich eine winzige Indieproduktion zum überraschenden Cabriohit zwinkert. Zunächst in Eintausender-Auflage auf den Markt geworfen, mauserte sich PeterLichts "Sonnendeck" erst zum Liebling österreichischer Radiohörer und SPEX-Leser, um sich nun schneller zu verkaufen als die sprichwörtlichen warmen Semmeln.

"Wenn ich nicht hier bin, bin ich auf'm Sonnendeck" wird so zur Parole eines Sommers, der erst lernen mußte, einer zu sein. Unspektakuläre Beats und liebenswerte Sinnfreiheiten wie "Alles, was ist, dauert drei Sekunden" erscheinen es plötzlich wert, dauerhaft ins eigene Trommelfell eingebrannt zu werden. Was aber macht den Reiz solcher scheinbar sinnentleerter Fröhlichkeit aus? Ist es das stoische Pluckern im Hintergrund? Ist es das zurückgelehnte Piepsen und Plätschern, das die gesungene Abwesenheitsnotiz begleitet? Oder ist es einfach das glückliche Hin und Her einer Melodie ohne jedwede Aussage? Auch der hubschraubernde Bürostuhl, der nicht nur im passenden Videoclip die Hauptrolle spielt, sondern auch noch als Interviewpartner herhält, kann außer einem dicken Grinsen keine zufriendenstellende Antwort geben.

PeterLichts "14 Lieder" werden jedenfalls so hinreißend nichtssagend nicht gesungen, daß sich die Hüter des nationalen Popverständnisses trotzdem einig sind. Der Kölner Meinrad Jungblut, der sich hinter dem Pseudonym PeterLicht verbirgt, macht Konsens-Musik für die Gegenkultur. Dennoch gibt's auch hier gleich die passende Quittung: "Meide die Popkultur / Dann geht's Dir besser." Hier erhält jemand seine 15 Minuten Ruhm scheinbar wider Willen. So werden merkwürdige Geschichten von "Frauen mit Meerblick" und einem "Parkplatz am Fuße der N'Gong-Berge" erzählt, während ein "Wolf im Fuzzipelz" an der Gitarre dillettiert. Plötzlich jauchzt ein Glockenspiel gegen die überdrehte Bontempi-Orgel an. Selbst das gemurmelte Geschimpfe über die Sonne, den Himalaya und den Kölner Dom im "Lied gegen die Schwerkraft" wirkt dabei wie ein unschuldiger Kinderreim.

Mit Discogewummer hat das liebevoll wackelnde Geplucker glücklicherweise selten zu tun. Nach intensiven Blicken über die Schultern Berliner und Hamburger Schüler flattert schon eher ein Hauch von NDW durch die Luft. Dissonant gesamplete Streicher und Gitarren feiern die "Mutter aller Parties", während sich "Shiva" am Pool von der Sonne braten läßt. Schwester Ironie grinst aus dem Schatten heraus, während weiter gegrantelt wird: "Die gelbe Sau hängt oben am Himmel." Dann senkt sich auch noch die vorlaute Fliege, die schon die ganze Zeit frech gegen den Takt brummt, in den leckeren Longdrink und ersäuft gurgelnd. Geschieht ihr zwar ganz recht, aber den Schlabber will man dann doch nicht mehr trinken. Glücklicherweise hat PeterLicht ja den diesjährigen Sommerhit im Handtäschchen. Und auf dem "Sonnendeck" wird ja wohl noch jemand mit einem Drink warten.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Lied gegen die Schwerkraft
  • Meide die Popkultur
  • Ihr lieben 68er
  • Sonnendeck

Tracklist

  1. Lied gegen die Schwerkraft
  2. Shiva
  3. Meide die Popkultur
  4. Der Wolf im Fuzzipelz
  5. Heiterkeit
  6. Frauen mit Meerblick
  7. Mutter aller Parties
  8. Ihr lieben 68er
  9. Die transsylvanische Verwandte ist da
  10. Wir sind jung und machen uns Sorgen über unsere Chancen auf dem Arbeitsmarkt
  11. Ich hatte eine Parkplatz am Fuße der N'Gong-Berge
  12. Sonnendeck
  13. Ich war mal Cowboy
  14. Elektroreise

Gesamtspielzeit: 55:38 min.

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