The Undertones - An anthology

The Undertones- An anthology

Salvo / Soulfood
VÖ: 10.10.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Peel slowly

Die schaurig-schönen Zeilen "Teenage dreams / So hard to beat" stehen nicht nur auf dem Grabstein des legendärsten Radio-DJs der Popkultur, sondern sind vor allem der Inbegriff der Weltanschauung der New Romantics. Ende der Siebziger wütete der Punk in Großbritannien, und The Undertones ergötzten sich an den Ramones und anderen Dilettantenbands, die mit ihrem zelebrierten Nichtskönnen die Jugendlichen fest in ihren Klauen hielten. Über drei Akkorden ratterte die androgyne Stimmfarbe von Feargal Sharkey, die Politisierung machte der Emotionalisierung Platz, und wenig später eroberte die Band die Herzen jugendlicher Romantiker.

Der Weg von Punk über New Wave zu Pop war mit der Veröffentlichung der ersten Undertones-Single "Teenage kicks" geebnet. John Peel tat sein Übriges für die Karriere des Quintetts, indem er das Stück zu seinem Lieblingslied erklärte. Eine ganze Generation schüchterner Teenager brüllte sich die Seele aus dem Leib und schüttelte das Haupthaar im Viervierteltakt. Neben dem übergroßen Hit hatte die selbsternannte beste Band Irlands (natürlich weit vor U2) noch unzählige und sträflich in Vergessenheit geratene knackige Pophymnen. Nach achtjähriger und im Jahre 1983 jäh beendeter Karriere fand die Band ohne Sänger Sharkey 2003 wieder zusammen, verkündete jedoch, dass es sich bei dieser Reunion ausnahmsweise nur um ein Freizeitprojekt handeln sollte. Besser so.

Daher konzentriert sich "An anthology" auch auf die Kernzeit der Undertones von 1975 bis 1983, und ihr selbstbetiteltes Debütalbum ist beinahe vollständig enthalten. Das zuckersüße "Jimmy Jimmy" und das verliebte "Here comes the Summer" strotzen mit ihrem Charme dem bösen Zynismus von "Get over you", während "Teenage kicks" weiterhin der Soundtrack aller feuchten Träumereien ist. Zeitlos sind all diese Songs, brachial in ihrer Unbekümmertheit. Selbst die im Vergleich komplex anmutenden Werke von "The sin of pride" wie "The love parade" oder "Soul seven", haben bei aller jugendlichen Naivität und ihrem rustikalen Sound noch keinen Staub angesetzt.

Um die Freude der Pophistoriker ins Unermessliche zu steigern, gibt es neben einem allumfassenden wunderschönen Booklet, das die aus der Sicht des Bassisten Michael Bradley geschilderte Band-Biographie beinhaltet, noch eine weitere CD. Diese protzt mit komplett unveröffentlichtem Aufnahmematerial, wie etwa dem ersten Demo von "Teenage kicks", 30 Jahre alten Live-Aufnahmen des wilden "Mars bars" oder dem ersten Take des New-Wave-Schatzes "Beautiful friend". Die Aufmachung der Sammlung ist dabei übrigens zum Niederknien - und so ist auch beinahe zu verschmerzen, dass von den fabelhaften "Peel sessions" der Undertones hier nichts zu hören ist.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Jimmy Jimmy
  • There goes Norman
  • Teenage kicks (Demo '78)
  • Beautiful friend (Recording session '82)
  • Bittersweet (Demo '82)

Tracklist

  • CD 1
    1. Jimmy Jimmy
    2. She's a runaround
    3. You've got my number
    4. Girls that don't talk
    5. Listening in
    6. It's going to happen
    7. Wednesday week
    8. Bill's third
    9. Girls don't like it
    10. Crisis of mind
    11. Teenage kicks
    12. There goes Norman
    13. The love parade
    14. When Saturday comes
    15. Mars bars
    16. Family entertainment
    17. Tearproof
    18. Let's talk about girls
    19. Jump boys
    20. Julie ocean
    21. Male model
    22. Top twenty
    23. True confessions
    24. My perfect cousin
    25. Beautiful friend
    26. More songs about chocolate and girls
    27. Soul seven
    28. Here comes the summer
    29. I know a girl
  • CD 2
    1. My perfect cousin (Demo '79)
    2. You've got my number (Demo '79)
    3. Girls that don't talk (Demo '79)
    4. Nine times out of ten (Demo '79)
    5. Get over you (Live at the Lyceum '78)
    6. Wrong way (Live at the Lyceum '78)
    7. Mars bars (Live at the Lyceum '78)
    8. Listening in (Live at the Lyceum '78)
    9. I don't wanna see you again (Demo '78)
    10. Do the fast (Demo '78)
    11. Girls don't like it (Demo '78)
    12. I gotta getta (Demo '78)
    13. Teenage kicks (Demo '78)
    14. Emergency cases (Demo '78)
    15. Get over you (Demo '78)
    16. It's going to happen (Live 8 track '81)
    17. The positive touch (Live 8 track '81)
    18. Luxury (Demo '82)
    19. Party party (Demo '82)
    20. Beautiful friend (Recording session '82)
    21. The love parade (Demo '82)
    22. You stand so close (Recording session '82)
    23. Bittersweet (Demo '82)
    24. Soul seven (Demo '82)
    25. Turning blue (Demo '82)
    26. Window shopping for new clothes (Demo '82)
    27. Cher O'Bowlies (Rehearsal '83)

Gesamtspielzeit: 145:24 min.

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