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Herbert Grönemeyer - Was muss muss

Herbert Grönemeyer- Was muss muss

Grönland / EMI
VÖ: 21.11.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Lebt in seiner Welt

Für alle Kritiker von Herbert Grönemeyer. Für diejenigen, die nur das Nuscheln hören. Für die, die nur Grönemeyers überehrgeizige politische Attitüde kennen oder ihn das erste Mal bei der WM 2006 gehört haben und den Song nun auf Mannschaftsfeiern in Kreisligen durchnudeln. Für alle diejenigen, die nur die vollkommen abgelutschte, unlustige Parodie des noch unlustigeren Ingo "Ficken" Appelt kennen. Alle diesen sei gesagt: Herbert Grönemeyer ist in seiner rund 30jährigen Karriere zu nicht weniger als einem der besten deutschen Texter geworden.

Zugegeben ist Grönemeyer angreifbar. "Flugzeuge im Bauch" drängt sich als Karikatur geradezu auf, durch seine "Oheoh"s und seine Missverständnisse, wie das in einem Trillonstel einer Sekunde weggesprochene "Schatten im Blick". Deshalb stürzt das Flugzeug aber noch lange nicht ab. Das schafft es erst in der Hommage vom deutschen Teilzeit-50Cent der Jahrtausendwende, Oli P. Vielleicht hält sich Grönemeyer in Sachen "Cover-Katastrophe" auch deshalb bewusst vornehm zurück. Zudem ist er selbst gebranntes Kind, seitdem er für das Pop2000-Projekt mit der Interpretation von Trios "Da da da" eine klare Bruchlandung hingelegt hat. Doch bald darauf wusste Grönemeyer: "Der Mensch heißt Mensch, weil er vergisst, weil er verdrängt." Sprich: "Da da da" ist nicht auf "Was muss muss" zu finden. Dafür zwei neue Songs.

Einer davon heißt "Glück" und präsentiert sich als eine endorphingetränkte Liebeserklärung. Der zweite, "Will I ever learn", ist laut Grönemeyer neben "Land unter" eines der besten Stücke, die er je geschrieben hat. Nüchtern betrachtet kämpft der Song jedoch mit Grönemeyers gewöhnungsbedürftiger englischer Intonierung und lebt von Antony Hegartys (ja, der von Antony And The Johnsons) butterzarter Stimme, die jeder bei sich tragen sollte, bis der Vorhang fällt.

Irgendwer hat dem Rezensenten mal gesagt, dass Grönemeyer schon über alles geschrieben hat. Widersprechen möchte man nicht. Allein das Best of setzt sich mit Rechtsradikalität ("Die Härte") auseinander, mit Kaufsucht ("Kaufen") oder einer tauben Frau und ihrer Leidenschaft für das Kitzeln der Musik im Bauch ("Musik nur, wenn sie laut ist"). Hinzu kommen: Religion und Umwelt ("Stück vom Himmel"), Stalker ("Fanatisch"), jeder Aspekt der Liebe sowie die Noch'n-Bier-Mitgröhl-Warnung "Alkohol" ("Graue Zellen in weicher Explosion / Sonnenaufgangs- und Untergangsvision") und das Antikriegsszenario mit "Armeen aus Gummibärchen", beziehungsweise "Kinder an die Macht". Ja, es geht um alles. Deshalb endet diese Rezension mit einem kleinen, aber exemplarischen Ausschnitt aus der Schaffensphase des Pop-Philosophen in Turnschuhen. "Stillstand ist der Tod, geh' voran, bleibt alles anders." So viel ist mal sicher.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Mensch
  • Bleibt alles anders
  • Land unter
  • Kinder an die Macht
  • Halt mich
  • Alkohol

Tracklist

  • CD 1
    1. Mensch
    2. Kopf hoch, tanzen
    3. Glück
    4. Fisch im Netz
    5. Fanatisch
    6. Demo (Letzter Tag)
    7. Zum Meer
    8. Der Weg
    9. Bleibt alles anders
    10. Chaos
    11. Du bist die
    12. Land unter
    13. Zeit, dass sich was dreht
    14. Ich dreh mich um Dich
    15. Die Härte
    16. Leb in meiner Welt
    17. Stück vom Himmel
  • CD 2
    1. Was soll das
    2. Männer
    3. Kinder an die Macht
    4. Flugzeuge im Bauch
    5. Musik nur, wenn sie laut ist
    6. Deine Liebe klebt
    7. Halt mich
    8. Vollmond
    9. Komet
    10. Luxus
    11. Bochum
    12. Alkohol
    13. Marie
    14. Total egal
    15. Currywurst
    16. Mambo
    17. Ich hab Dich lieb (live)
    18. Will I ever learn (feat. Antony Hegarty)

Gesamtspielzeit: 150:11 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
dude
25.11.2008 - 18:53 Uhr
Die Musik vom guten Herbert wäre sicherlich gar nicht unangenehm, nur singen kann der gute leider mal rein gar nicht...
exciter
19.01.2009 - 15:26 Uhr
http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,602065,00.html

heck bezeichnet grönemeyer als schlagersänger, so unrecht hat eigentlich nicht *duck*
Demon Cleaner
06.06.2009 - 01:08 Uhr
Ist das eigentlich Absicht, dass "Zum Meer" und "Der Weg" nicht bei den Highlights zu finden sind? Jagen mir jedes Mal Schauer über den Rücken...
nörtz
06.06.2009 - 01:14 Uhr
Als Schlager werden ganz allgemein leicht eingängige instrumentalbegleitete Gesangsstücke mit wenig anspruchsvollen, oftmals humoristischen oder sentimentalen Texten bezeichnet.

Somit ist der Schlager ein Ohrwurm, ein volksnahes Lied, meist mit einer harmonischen Melodie und einfachem Text.

Hört sich also nach Depeche Mode an diese Definition....
sing
06.06.2009 - 01:24 Uhr
Tiiiiief imm Wästähähän.
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