Flowing Tears - Thy kingdom gone

Flowing Tears- Thy kingdom gone

Ascendance / Soulfood
VÖ: 14.11.2008

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Goth ist tot

Wenn wir einmal ehrlich sind, konnte schon seit Jahren keine Truppe mehr aus dem berüchtigten Genre Gothic Metal ernsthaft wahrgenommen werden. Nightwish - eher ein Fall für die Klatschspalten. Within Temptation - nun ja. Lacuna Coil - abgetaucht, aber schon lange eher MetallerInnen von Schrot und Korn. Und jetzt kommen Flowing Tears nach vier Jahren endlich wieder ans - ähem - Tageslicht? Mutig. Wobei die längst überfällige Veröffentlichung der Semi-Unplugged-Live-Platte "Invanity" im letzten Jahr schon ein feiner Zug war.

Mit Kitsch und pseudoverruchter Optik ging allerdings noch nie was bei Flowing Tears, was vor allem an des im Vergleich zu anderen Fistelstimmen im Genre überaus angenehmen dunklen Organs von Frontfrau Helen Vogt lag. Und auch heute noch liegt - erst recht, da der Opener "Orchidfire" zunächst einmal bei bösartiger Betrachtung wie aus dem Paradise-Lost-Vorlagenkatalog klingt, dank Vogt aber durchgehend überzeugen kann. Rockröhre, laszives Gurren, fieses Flüstern - eine Stimme als Instrument und nicht als Trällerbeiwerk.

Endlich - mit der Pause im Rücken - zeigen die Saarländer den Mut, der seinerzeit "Razorbliss" fehlte. Paradebeispiel ist der Titelsong, bei dem Vogt problemlos neben einer charismatischen Rampensau wie Samaels Vorph bestehen kann, obwohl der Song dem Schweizer auf den schwarzgewandeten Leib geschrieben ist. Oder aber "Miss Fortune": Beginnend mit fast schon beleidigend schmissigem Dreivierteltakt, wird der Song mit zunehmender Dauer richtig schön creepy.

Schade eigentlich nur, dass gegen Ende mit "For my enemies" und "The war we left behind" der alte Trott einsetzt und an und für sich gefällige Kompositionen im Midtempo zerrieben werden. Dennoch ist es schon fast bizarr: Da veröffentlichen Flowing Tears mal eben eines ihrer besten Alben - nur leider in einem Genre, welches längst eine überholte Randerscheinung ist. Ein "Kingdom gone", ein "Lost paradise", wie auch immer. Ob das jetzt nun konsequent ist oder der Versuch, ein totes Pferd zu reiten, sei dem Markt überlassen.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Orchidfire
  • Thy kingdom gone
  • Miss Fortune

Tracklist

  1. Orchidfire
  2. Pain has taken over
  3. Rain of a thousand years
  4. Grey
  5. Thy kingdom gone
  6. Words before you leave
  7. Miss Fortune
  8. Colossal shaped despair
  9. Kismet
  10. For my enemies
  11. Souls of the neon reign
  12. The war we left behind

Gesamtspielzeit: 54:32 min.

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