Laith Al-Deen - 2000 - 2008

Laith Al-Deen- 2000 - 2008

Columbia / Sony BMG
VÖ: 17.10.2008

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Halbes Leid

Zusammen ist man weniger allein. Ein Satz, der passt wie die samtbehandschuhte Faust aufs Auge, wenn Laith Al-Deen oft haarscharf am Kitsch vorbeisegelt und manchmal auch mitten hineinstiefelt. Das mag an der geographischen Nähe seiner Heimat Karlsruhe zu Mannheim liegen und zu dessen selbsternannten Söhnen samt Vorbeter Xavier Naidoo. Oder daran, dass Al-Deen seine Karriere im Vorprogramm einer beim besten Willen indiskutablen Sülzwurstkapelle wie Pur begann. Doch zum Glück ist der 36jährige kein singender Kirchentag und auch kein gesetzter Familienmensch, der übers erste graue Haar klagt, sich aber weigert, den Vokuhila abzuschneiden. Sondern einfach ein latent schwermütiger Sänger, der mit zuweilen bemerkenswert abgeklärter Sicht der Dinge über sich und das Wesen der Liebe erzählt - und dabei häufig zum Schluss kommt, dass beides nicht recht zueinander passen will.

Mit diesem Gefühl scheint er auf einem Großteil dieser Best Of ganz gut klarzukommen. "Dein Lied" ist so ein Stück, das gleichzeitig Einsamkeit feiert und Seelenverwandtschaft beschwört und so der Verzweiflung ein kluges Schnippchen schlägt. Sowohl inhaltlich als auch mit den Mitteln eines blendenden, exzellent gesungenen Popsongs, der mit Melodie und Sehnsüchtigkeit zielsicher den Gefühlshaushalt durcheinanderbringt. Al-Deen verliert sich dabei nicht in Selbstmitleid, sondern bedient sich stets des Pragmatismus eines Menschen, der insgeheim weiß, dass es auch hätte schlimmer kommen können.

Was auch auf "2000 - 2008" zutrifft. "Wie soll das gehen", eins der drei neuen Stücke, liefert eine vielversprechende Vorschau auf Künftiges und schielt gar mit einem Auge Richtung Rockmusik. "Dein Lied" und "Kleine Helden" berühren nach wie vor eindringlich, aber unaufdringlich - so manövriert man sich schlau zwischen deutschrockiger Prolligkeit und Schlager-Hirnfraß hindurch. Auch wenn es manchmal zu viel wird: Für frisch Verliebte gehen Lieder wie "Alles an Dir" oder "Keine wie Du" völlig in Ordnung, alle anderen sollten sich aber vor drohendem Zuckerschock hüten. Auch das Wildern auf fremdem Terrain misslingt zumeist: Der fröhliche Ragga-Calypso "Meilenweit" ist ein Schlag ins Wasser, die tolldreist deplatzierte Human-Beatbox-Einlage in "Jetzt hier immer" ein Musik gewordenes Plädoyer gegen Liveversionen auf Compilations.

Immerhin sammelt der groovende Remix von "Damit ich wieder schlafen kann" noch einige Punkte ein. Und insgesamt umreißt "2000 - 2008" Laith Al-Deens Schaffen ziemlich gut: ein Sänger mit großartigen Momenten, verzeihlichen Fehltritten und einem angenehm unspektakulären Selbstverständnis, das ihn vor allzu großen Peinlichkeiten bewahrt. Auch wenn es vermutlich ausreicht, seine Alben nach etwa der Hälfte aus dem Abspielgerät zu nehmen. Man leidet zwar gerne mit dem Mann - aber nicht unter ihm.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Wie soll das gehen
  • Dein Lied
  • Kleine Helden
  • Damit ich wieder schlafen kann (Götz Botzenhardt Remix)

Tracklist

  1. Wie soll das gehen
  2. Dein Lied
  3. Leb den Tag
  4. Bilder von Dir
  5. Keine wie Du
  6. Alles an Dir
  7. Jetzt hier immer (Live-Version)
  8. Kleine Helden
  9. Jedes Mal
  10. Damit ich wieder schlafen kann (Götz Botzenhardt Remix)
  11. Farbe Deiner Stimme
  12. Meilenweit
  13. Gib nicht auf
  14. Worauf wartest Du
  15. Mit mir (Live-Version)
  16. Auf Wiedersehen
  17. Ich will nur wissen

Gesamtspielzeit: 74:40 min.

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  • Laith Al-Deen (22 Beiträge / Letzter am 29.06.2007 - 23:21 Uhr)