Christina Aguilera - Keeps gettin' better - A decade of hits

Christina Aguilera- Keeps gettin' better - A decade of hits

RCA / Sony BMG
VÖ: 07.11.2008

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Kunstloses Brot

Die Gemeinsamkeiten sind frappierend. Seit den frühen Tagen im Mickey Mouse Club über die ersten Hits bis hin zum Zungeschlecken mit Madonna tobt der Konkurrenzkampf zwischen Britney Spears und Christina Aguilera bis heute. Spears hatte schon immer das aggressivere Marketing, später die größeren Ausschweifungen, die beste böse Freundin Paris Hilton und den tieferen Absturz auf ihrer Seite zu verbuchen. Aguilera hing hier stets hinterher, war und ist aber mit dem weitaus größeren Talent ausgestattet. So ist zumindest zu vermuten. Denn leider schmeißt sie dieses nur selten einmal in die Waagschale. Wenn der Konkurrenzkampf eines offenbart hat, dann doch, dass immer diejenige gewinnt, die am lautesten schreit. Oder jault, je nachdem.

"Keeps gettin' better - A decade of hits" ist nun das erste Best-of-Album von Christina Aguilera nach überraschend wenig regulären Studioalben, nämlich drei. Wobei "Best of" hier natürlich nicht im Sinne von "gut", sondern von "gut verkauft" verstanden werden muss. Denn einiges auf diesem Album ist tatsächlich einfach erschreckend. Da wäre zuallererst der Song mit der leicht irreführenden Betitelung, aber zutiefst ehrlichen Warnung an alle Mitmenschen, "Nobody wants to be lonely (with Ricky Martin)". Aber halt, es ist ja doch nur das Duett mit dem Latin Lover. Neben "Endless Love", Mariah Careys Tête-à-tête mit Schmalzlocke Luther Vandross, sicherlich eines der gruseligsten Duette aller Zeiten. Daneben gibt es natürlich die volle Ladung verruchter Teenie-Träumchen aus den Anfangstagen. Nicht schlecht zwar, aber eben auch nicht gerade mitreißend. Und den zwischenzeitlichen Porno-Pop rund um das Album "Stripped", inklusive der Single "Dirrty". Mehr als ein mäßig kalkulierter Image-Wandel und ein durchweg magerer Song kamen am Ende dabei jedoch nicht heraus. Seltsam zwar, aber nicht weiter tragisch, dass "The voice within" auf dieser Compilation komplett fehlt.

Interessanter wird die ganze Chose erst, als Linda Perry in das Geschehen eingreift. Genau jene Linda Perry, die mit den 4 Non Blondes den Hit "What' s up" hatte und seit mehreren Jahren als Songwriterin unter anderem für P!nk, die Sugababes und eben auch Christina Aguilera tätig ist. Neben dem geschmeidigen "Beautiful" zeichnete sich Perry ebenso für das einzig wirklich formidable Stück Popgeschichte in deren Backkatalog verantwortlich: "Candyman", die knallige Hommage an längst vergangene Swing-Jazz-Zeiten, eingewickelt in einen Militärmarsch. Auch "Hurt" stammt aus Perrys Feder und ist wie "Candyman" einer der wenigen Hits von Aguilera, die das Potential andeuten, dass der Sängerin getrost unterstellt werden darf. Und die im Radio dudeln können, ohne dass es einem die Fußnägel aufrollt.

Die nächste Wandlung kündigt sich auch schon an auf "Keeps gettin' better - A decade of hits". Ähnlich wie die Spears will Christina Aguilera in Zukunft wohl vermehrt auf Elektro-Einflüsse setzen. Das täuscht Ambition vor und macht sich gut in der musikalischen Vita. Die beiden neuen Songs, "Keeps gettin' better" und "Dynamite", weisen den Weg und pluckern gewöhnungsbedürftig, aber dennoch zielgruppengerecht vor sich hin. Dazu passen auch die zwei Remixe, "Genie 2.0" und "You are what you are (Beautiful)", die Linda Perry aber leider noch ein Stückchen mehr verhunzt hat. Schade eigentlich, denn künstlerisch könnte Aguilera weitaus elaborierter agieren, als es der Status Quo vermuten lässt und diese Hitsammlung andeutet. Aber von Kunst kann man sich kein Brot kaufen. Und was hätte dieser Popstar nötiger als Nahrung? Eben.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Candyman
  • Hurt

Tracklist

  1. Genie in a bottle
  2. What a girl wants
  3. I turn to you
  4. Come on over baby (All I want is you)
  5. Nobody wants to be lonely (with Ricky Martin)
  6. Lady Marmalade (with Lil' Kim, Mya & Pink)
  7. Dirrty (featuring Redman)
  8. Fighter
  9. Beautiful
  10. Ain't no other man
  11. Candyman
  12. Hurt
  13. Genie 2.0
  14. Keeps gettin' better
  15. Dynamite
  16. You are what you are (Beautiful)

Gesamtspielzeit: 62:59 min.

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